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"Lasst die Silicon-Valley-Blase doch platzen!"

Jeder scheint Angst vor dem Platzen der nächsten Silicon-Valley-Blase zu haben. Es gibt gute Gründe, das alles etwas nüchterner zu sehen.

08.04.2015 Florian Blaschke

Die Silicon-Valley-Blase: Problematisch für die Wirtschaft?

In einer der geistreichsten Zeichentrickserien unserer Zeit – Spongebob Schwammkopf – gibt es einen Nebencharakter mit interessanten Eigenschaften: die Drecksackblase ("Dirty Bubble"). Sie lebt auf der dunklen Seite einer Welt, in der sich die Protagonisten mit Quallenfischen oder Spurskating die Zeit vertreiben. Dolce far niente, könnte man das auch nennen. Laut Wikipedia ist die Drecksackblase "einer der Erzfeinde der Superhelden Meerjungfraumann und Blaubarschbube", ihre Stärke resultiert "aus seiner enormen Oberflächenspannung". Allerdings: Sie kann "mit einem spitzen Gegenstand" zum Platzen gebracht werden.

Auch in den Kommentarspalten und auf den Wirtschaftsseiten unserer Zeit gibt es einen Nebencharakter – und der hat nicht weniger interessante Eigenschaften: die Silicon-Valley-Blase . Sie lebt auf der dunklen Seite einer Welt, in der sich die Protagonisten mit Erfindungen und Kokoswasser die Zeit vertreiben. Die Silicon-Valley-Blase ist eine Untergattung der Spekulationsblase , an der laut Wikipedia das Interesse "mit Zunahme der Vernetzung der internationalen Finanzmärkte" stark gestiegen ist, da sie "als problematisch für die gesamte Volkswirtschaft" angesehen werden kann.

Zwischen Bikini Bottom und Bay-Area

Während die Bewohner von Bikini Bottom jedoch nichts lieber tun würden, als die Drecksackblase "mit einem spitzen Gegenstand" zum Platzen zu bringen, fürchten sich Gründer, Investoren und Kommentatoren vor kaum etwas so sehr wie vor der Zerstörung der Silicon-Valley-Blase. Sofort denken sie an die Dotcom-Blase , an den Schwarzen Freitag oder die Tulpenmanie . Ein kurzer Blick auf das Nachrichtengeschehen der vergangenen Jahre zeigt: In beinahe jedem Jahr hat irgendein Experte gemunkelt, dass die Blase im Valley zu platzen droht. Nur ein kurzer Abriss: 2010 warnte Cindy Sweeting , Managerin des renommierten Templeton-Growth-Funds, vor der nächsten Blase, 2011 zeigte sich IT-Analyst Rob Enderle mehr als skeptisch ob der teils horrenden Bewertungen einiger Startups, 2012 sagte Unternehmer David Sacks in drastischen Worten, das Valley sei dem Untergang geweiht, 2013 waren es die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young , die etwas platzen sahen, 2014 der Investmentstar Andreas von Bechtolsheim und erst kürzlich Michael Moritz , der schon Geld in Google und Apple investiert hat. Die Reihe ließe sich fortführen. Lange fortführen.

Johannes Kuhn, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in San Francisco , geht sogar noch einen Schritt weiter. Er warnt nicht, er terminiert auch schon : "Die Blase wird platzen. Jeder meiner Bekannten und Gesprächspartner, der Dotcom mitgemacht hat, ist dieser Meinung. Ich tippe auf das erste Halbjahr 2016, wenn die anstehenden Zinserhöhungen der Fed durchschlagen, einige Startups mit hoher Burnrate werden schon in den kommenden Monaten Probleme haben, Geld zu sammeln. Die Frage ist, welche Folgen das haben wird." Sauber argumentiert, aber mutig.

Tote Einhörner oder: Die Silicon-Valley-Blase wird platzen

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Tote Einhörner? Lassen wir die Silicon-Valley-Blase doch platzen. (Foto: Flickr / perhapstoopink / CC BY 2.0)

Aus etlichen der Stimmen, die sich zum Thema in den vergangenen Jahren zu Wort gemeldet haben, ist große Sorge herauszuhören. Es sind warnende Stimmen, die Gefahr wittern. So auch Investor Bill Gurley , für den die größte Gefahr ist, dass das Valley keine Angst kenne, wie er kürzlich sagte. Nun könnte man meinen, dass es außerhalb der Bay-Area genug Angst gebe, um das Startup-Mekka problemlos mitzuversorgen, aber das würde zu kurz greifen.

Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass ein Auf und Ab in der Wirtschaft so normal ist wie auf der Achterbahn. Und so wie hinkende Vergleiche harmlos sind, muss uns auch dieses Auf und Ab keine Angst machen.

"Jeder weiß, dass nach dem Winter der Frühling kommt, danach Sommer und Herbst",

schrieb Karsten Seibel in der Welt . "Genauso zwangsläufig folgt in der Wirtschaft nach einem Aufschwung ein Abschwung – dazwischen gibt es vielleicht noch einen Boom oder eine Rezession. Das ist immer so und kann eigentlich niemanden überraschen. Trotzdem sorgt der Wechsel von einer Phase zur nächsten für viel Gesprächsstoff." Warum? Weil "niemand weiß, weder beim Wetter noch bei der Wirtschaft, wie lange die einzelnen Abschnitte dauern und vor allem wie heftig sie ausfallen". Vermutlich befinden wir uns derzeit in der Aufwärtsbewegung. Wie lange noch? Keine Ahnung.

Natürlich wäre es großartig zu wissen, wann die Abfahrt beginnt, dann könnte man sich darauf vorbereiten und einen Teil der unangenehmen Folgen vielleicht abmildern. Doch zum Glück sind sich so gut wie alle Marktbeobachter auch einig, dass das nächste "Ab" nicht so heftig ausfallen wird wie das Platzen der Dotcom-Blase oder eine der großen Finanzkrisen. Zu sehr gehört das kalkulierte Scheitern inzwischen zum Geschäft, zu diversifiziert ist das, was so oft als "Startup-Branche" bezeichnet wird, zu fest ist die Digitalisierung inzwischen in vielen Unternehmen verankert, zu wichtig auch für die globale Balance sind heute schon Wachstumsmärkte wie China oder Skandinavien. "Ich bin sicher, dass wir noch in diesem Jahr einige tote Einhörner sehen werden", sagte Bill Gurley vor kurzem mit Blick auf etliche überbewertete Unternehmen im Valley.

Blicken wir also nach vorne. Ohne zu viel Angst.

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