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Landwirtschaft: Mehr Drohnen, weniger Dünger

Während mittelständische Unternehmen immer stärker die großen Chancen der Digitalisierung erkennen und nutzen, hält sich eine Branche noch sehr zurück: Die Agrarwirtschaft. In der Landwirtschaft nutzen gerade mal 20 Prozent der Bauern die digitalen Möglichkeiten. Dabei verspricht vor allem das Internet der Dinge großes Wachstumspotenzial.

09.12.2015

Steffen Hake ist eine Ausnahme. Der Milchbauer aus Wagenfeld-Ströhen, zwischen Osnabrück und Hannover, setzt auf seinem Hof mit 240 Kühen voll auf Digitalisierung: Futterautomaten, Melkroboter und Halsbänder, die Vitaldaten von Kühe messen und ihn per SMS informieren, wenn sie brünstig sind oder die Geburt eines Kälbchens kurz bevor steht.

Was für Steffen Hake vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war und heute Realität ist, scheint für viele Landwirte in Deutschland nach wie vor Neuland zu sein. Nur knapp 20 Prozent der Bauern nutzen einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge die Möglichkeiten der Digitalisierung. Dabei sind die durchaus vielversprechend. Laut einer Studie des Bitkom steckt für die Landwirtschaft in der digitalen Vernetzung der einzelnen Produktionsschritte ein Wertschöpfungspotenzial von rund drei Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren – pro Jahr immerhin ein Wachstum von 1,2 Prozent. Die Effekte werden vor allem durch den Einsatz mobiler Geräte für eine einfache, flexible und echtzeitnahe Produktionsplanung und -steuerung sowie die ad hoc-Vernetzung von Landmaschinen gesehen.

Zentimetergenaue Ernte

Damit ist nicht nur die Vernetzung großer Erntemaschinen gemeint, wie sie bereits in großen Betrieben im Einsatz ist: GPS-gesteuert lassen sich Felder damit bis auf zwei Zentimeter genau abernten. Die Marktforscher von Roland Berger schätzen das weltweite Marktvolumen für dieses "Precision Farming" auf 12 Prozent jährlich. Der Ansatz des Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel, zwischen Münster und Bielefeld, geht aber darüber hinaus.

Mit dem System "365FarmNet" etwa sollen Landwirte die volle Kontrolle über alle Daten rund um Tierhaltung, Düngemittelverbrauch, Maschineneinsatz, Saatgut und Qualität sowie exakte Zusammensetzung der Ernte bekommen. Der digitale vernetzte Traktor nutzt dann nicht nur Ortsdaten, sondern sammelt gleichzeitig Daten, die wiederum mit weiteren Informationen verbunden werden . "Dünger und Pflanzenschutz werden auf Basis der vorhandenen Messwerte aus der letzten Ernte nur dort ausgebracht, wo es nötig ist", sagt Claas-Sprecher Wolfram Eberhardt.

Auch der Weinbau profitiert von digitaler Unterstützung. In einem Feldversuch testet der Netzwerkausrüster Ericsson aktuell Sensoren, die den Winzer bei der Ernte unterstützen. Sie messen Luft- und Bodenfeuchtigkeit, Intensität der Sonnenstrahlung und Nährstoffsituation im Boden und funken die Daten in die Cloud. Die Winzer haben so jederzeit via Smartphone App die Wachstumsbedingungen im Blick und können auf etwaige Klimaveränderungen reagieren.

Auf dem Boden und in der Luft

DigitaleLandwirtschaft
(www.shutterstock.com)

Sensordaten, die den Bauern weiterhelfen, verspricht auch der rasant zunehmende Einsatz von Drohnen. Sie { "href" : "http://www.proplanta.de/Journal/AgrarStellenmarkt-13/Drohnen-Landwirtschaft_jo1399224616.html", "vLink" : false, "text" : "versprühen Pestizide zielgenau", "target" : "_blank", "tracking" : null , "vTrackingFooter" : null } dort, wo Unkraut wächst, Luftbilder von Pflanzenbeständen geben durch ihre Färbung und Struktur Hinweise auf Mangelerscheinungen, Schädlingsbefall oder Bewirtschaftungsfehler. Temperatursensoren helfen beim Aufspüren von Jungtieren im hohen Gras oder der Kontrolle von Solaranlagen auf dem Hofdach.

Unmanned Aerial Vehicles, umgangssprachlich Drohnen, bieten eine mittlerweile ausgereifte technische Lösung für die sehr flexible Datengewinnung von landwirtschaftlichen Flächen.

DeasDas betont auch Dr. Eike Stefan Dobers aus der Arbeitsgruppe Geodata der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Mit ihnen können die über Jahrzehnte gewonnenen Erfahrungen der Fernerkundung in den verschiedenen Wissensgebieten flexibel für landwirtschaftliche Betriebe und Fragestellungen nutzbar gemacht werden. Aber nicht nur draußen, auch im Stall verspricht das Internet der Dinge neue Möglichkeiten und vor allem Erleichterung für den Etwa Futter- und Melkautomaten, die minutiös protokollieren, welches Tier wann wie viel frisst und gemolken wird.

Schwanken die Werte plötzlich, alarmiert das System den Bauern und weist auf mögliche Krankheiten hin. Im Fall von Milchbauer Steffen Hake funken die Halsbänder der Kühe auch Informationen in die Cloud, wenn die Tiere brünstig sind. Um das Brunsen der Kühe zu erkennen, musste er früher viermal am Tag verteilt für mindestens 20 bis 30 Minuten im Stall sein. Diese eineinhalb Stunden fallen jetzt weg, und er und sein Team können die Zeit für andere Dinge nutzen.

Ein Hinderungsgrund für die stärkere Verbreitung des Internets der Dinge in der Landwirtschaft sind die relativ hohen Investitionen, die Bauern für ihren digitalen Hof vornehmen müssen. Langfristig gesehen sorgt die konsequente Digitalisierung allerdings für niedrige Kosten – und das ist in Anbetracht der aktuellen Phase niedriger Erzeugerpreise von höchster Bedeutung für Landwirte.

Gesamtwirtschaftlich steht dem Internet der Dinge eine gigantische Wachstumsgeschichte bevor. Experten gehen davon aus, dass in den kommenden vier Jahren 24 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden und somit smart werden. Hinzu kommen dann im Jahr 2020 noch mindestens 10 Milliarden Smartphones.

Die CeBIT bündelt angesichts dieser Dynamik das Themenfeld Internet der Dinge - oder im englischen IoT für Internet of Things - in eine eigenen Ausstellungsbereich in der Halle 13. Ein Besuch des neuen Clusters ist nicht nur für Landwirte Pflicht.

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