Artificial Intelligence

Künstliche Intelligenz sinnvoll im Marketing nutzen

Künstliche Intelligenz klingt nach Zukunftsmusik und Science-Fiction. Dabei ist AI in Produkten und Services längst implementiert.

22.11.2016 Martin Recke
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Künstliche Intelligenz ist längst implementiert. (Foto: Shutterstock)

Im März 2016 hat erstmals ein Computer einen der besten Go-Spieler der Welt besiegt. Das galt weithin als ein weiterer Meilenstein auf dem langen Weg zur künstlichen Intelligenz. Dabei sind sich die meisten Experten einig, dass der Weg zur AI auf menschlichem Level oder gar zur dem Menschen überlegenen Superintelligence noch weit ist. Weit auseinander gehen allerdings die Meinungen darüber, wie weit genau und ob nicht auch eine exponentielle Entwicklung zu erwarten ist, wie sie Tim Urban in seinem einflussreichen Posting bei Wait but Why geschrieben hat.

Der in Oxford lehrende Philosoph Nick Bostrom stellte 2014 in seinem Buch Superintelligence die viel diskutierte These auf, dass AI den Menschen als höchste Lebensform ablösen wird, sobald sie ihm intellektuell überlegen ist. Da ist sehr viel Angst im Spiel, Angst vor der möglichen oder zu erwartenden Überlegenheit der Technik. Klar scheint aber: Die großen Fragen der Menschheit sind in der Techszene angekommen.

Was ist der Mensch?

Was derzeit geschieht, verbindet viele einzelne Punkte. Wie schon das Internet durch die Vernetzung vieler einzelner Maschinen und wie das Web 2.0 durch die Vernetzung vieler einzelner Menschen jeweils eine neue Qualität schuf, so gehen nun AI und Techniken wie Machine Learning neue Verbindungen zum Beispiel mit VR und AR ein, die letztlich neue Schnittstellen, Interfaces zwischen Mensch und Maschine, darstellen. Die Rollenverteilung zwischen Mensch und Maschine wird dadurch neu definiert: Human-assisted AI verhält sich zum AI-augmented human wie Augmented Reality (AR) zu Virtueller Realität (VR). Je mehr menschliche Fähigkeiten von Maschinen und Robotern übernommen werden, umso dringlicher stellt sich die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht. Sind es nur jene Fähigkeiten, die noch nicht automatisiert werden können? Und was ist, wenn nichts mehr davon übrig bleibt?

Die künstliche Intelligenz (KI) lebt seit ihren Anfangstagen mit einem seltsamen Paradox: Sobald eine Funktion oder Fähigkeit, die als Element künstlicher Intelligenz galt, erfolgreich implementiert ist, gilt sie sofort als selbstverständlich — und wird nicht mehr als KI wahrgenommen. Ein prominentes Beispiel ist die Erkennung menschlicher Sprache, die als Paradebeispiel für KI galt. Inzwischen reden wir wie selbstverständlich mit unseren Telefonen und denken keine Sekunde daran, dass dies irgendetwas mit AI zu tun haben könnte.

Dieses Paradox wirkt sich auch auf das Interaktionsverhalten zwischen Mensch und Maschine aus. Wir interagieren intuitiv mit Robotern wie mit anderen Lebewesen, auch wenn unser Verhalten gar keinen Sinn zu haben scheint, weil Roboter nur sehr eingeschränkt oder gar nicht auf dieses menschliche Verhalten reagieren. Künstliche Intelligenz ist heute vielfach noch auf menschliche Unterstützung angewiesen. Max Levchin sieht gar human-assisted AI als einen unaufhaltsamen Trend. Wo Siri nicht weiter weiß, kommt der Mensch ins Spiel. So verschiebt sich die feine Linie zwischen Mensch und Maschine, und der Mensch wird zum Assistenten der Maschine. Wen dies beunruhigt, der möge an herkömmlich-analoge Szenarien wie die Arbeit am Fließband denken, wie sie schon das industrielle Zeitalter hervorgebracht hat. Umgekehrt sieht Levchin den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt des Wirtschaftens rücken, denn Profitmaximierung sei nicht so gut für den User — der aber letztlich über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet. Levchin nennt diesen Trend Beneficence: The doing of good – active kindness.

Hier schließt sich am Ende der Kreis wieder. Erfolgreiche Produkte stellen den Menschen in den Mittelpunkt, nicht nur den User oder den Konsumenten. Sie dienen dem Menschen (und nicht umgekehrt). Erfolgreiche Produkte haben intelligente Schnittstellen und bieten dem Menschen ein neues Niveau an Komfort und Mehrwert. Artificial Intelligence und Machine Learning dienen letztlich diesem Ziel.

Dieser Artikel wurde verfasst von Martin Recke.

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