Digitale Transformation

Konkurrenz belebt das Geschäft

Marktführer sind Wettbewerbsdruck gewohnt. Doch mit der Digitalisierung quer durch alle Branchen treten neue Kontrahenten auf den Plan, die in kürzester Zeit bedrohlich groß werden. Nur wer sein Geschäft konsequent digitalisiert, kann sich behaupten.

03.02.2017
Sport Zielgerade Cewe Konkurrenz
(Foto: Shutterstock.com)

Die Geschichte von Kodak gehört sicher zu den meistzitierten Beispielen für verpasste Chancen . Wie der Pionier der Fotografie den Trend digitale Fotografie verpasst hat und schließlich 2012 Insolvenz anmelden musste, ist seit Jahren ein anschauliches Exempel dafür, wie sich das zu lange Festhalten an alten Geschäftsmodellen und mangelnde Innovation auswirken kann.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Cewe. Im Gegensatz zu Kodak erkannte der Fotodienstleister aus dem niedersächsischen Oldenburg bereits vor 25 Jahren die Möglichkeiten der Digitalisierung. Mit der Foto-CD, also einem digitalen Backup analoger Bilder, betrat der Anbieter damals Neuland und wurde nicht selten von Kunden und Wettbewerbern dafür belächelt. Doch mittlerweile dürfte der Konkurrenz nicht mehr nach Lachen zu Mute sein.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Was sich 1997 mit der ersten Annahmestation für digitale Bilddaten weltweit manifestierte, hat Cewe mittlerweile an die Spitze der Branche katapultiert: Wer digitale Bilder analog zu Papier bringen will, kommt an dem Dienstleister kaum noch vorbei. "Für Cewe ist die Digitalisierung Basis für weitere Innovationen und Ansporn für Kreativität", sagt Dr. Rolf Hollander , Vorstandsvorsitzender von Cewe. "Für uns eröffnen sich dadurch immer neue Möglichkeiten, uns weiter zu entwickeln und neue Geschäftsmodelle zu generieren. Das betrifft vor allem die Bereiche E-Commerce, Kundenservices und Prozessoptimierung." Oder anders ausgedrückt: Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind noch vielfältig.

Das hat auch die Heidelberg Druckmaschinen AG erkannt. Gerade noch, möchte man sagen. Denn nach Jahren der Marktführerschaft stand der Druckmaschinenhersteller vor nicht allzu langer Zeit kurz vor dem Abgrund. Der Markt für Bogenoffsetmaschinen brach infolge der Finanzkrise um die Hälfte ein , 2009 schrammte das Unternehmen nur knapp an der Insolvenz vorbei. Fast die Hälfte der Mitarbeiter musste gehen, der Aktienkurs fiel von 45 Euro in der Spitze auf knapp 3 Euro.

Sich selbst neu erfinden

Doch das ist Schnee von gestern. Heute präsentiert sich das Unternehmen als innovativer Ideengeber nicht mehr nur für die Druckindustrie, sondern auch für ganz andere Branchen. Mit neuen Digitaldrucktechniken sind Produktdesigns bereits ab Losgröße 1 möglich, selbst dreidimensionale Formen wie Fußbälle lassen sich mit den neuen Maschinen bedrucken. Dazu kommen innovativen Anwendungen, Vernetzung und Integration auf allen Ebenen. Die Softwaresuite "View2Connect" ermöglicht die Realisierung neuer Kommunikations- und Kollaborationsplattformen auf Basis von 3-D-CAD-Produktdaten und schafft so neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette zwischen Entwicklung, Einkauf, Fertigung, Montage und Service.

Mit dieser Software konnte Heidelberg im vergangenen Jahr sogar den "Digital Leader Award" in der Kategorie "Spark Collaboration" abräumen. Und was noch wichtiger ist: Das Betriebsergebnis lag 2016 bei neun Millionen Euro – nach einem Minus in gleicher Höhe im Vorjahreszeitraum.

Der Handel steht unter Druck

Doch nicht nur in der Industrie schreitet die Digitalisierung voran. Vor allem der Handel kämpft mit den Auswirkungen, die Online-Shops und Preistransparenz mit sich bringen. Die Globus-Handelskette tritt der Herausforderung nicht (nur) mit niedrigen Preisen entgegen, sondern setzt voll auf die Macht der Digitalisierung. Seit rund vier Jahren befasst sich das Handelsunternehmen mit dem Thema – mit wissenschaftlichem Anspruch. An seinem Stammsitz betreibt Globus gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und der Universität des Saarlandes das "Innovative Retail Laboratory".

In einer Art Modell-Supermarkt erweckt Globus dort die Digitalisierung zum Leben. Die Intention: "Internet und Smartphones haben die Gesellschaft grundlegend verändert", sagt Dr. Ralf Jung , der stellvertretende IT-Leiter bei Globus, "und so möchten auch wir diese Technologien nutzen, um noch näher an unseren Kunden sein und ihnen Mehrwerte bieten zu können."

In der Praxis sieht das dann so aus: Statt lange in endlosen Regalen nach dem gewünschten Produkt zu suchen, zeigen interaktive Terminals dem Kunden auf einer Grundrisskarte des Marktes in Koblenz-Bubenheim den genauen Standort an. Mit "Scan & Go" können die Kunden zudem bereits während des Einkaufs ihre Waren scannen und müssen am Ende nur noch den Gesamtbetrag an einer Selbstbedienungskasse begleichen. Wartezeit: Fehlanzeige.

Und auch im Hintergrund werkelt man bei Globus an der Digitalisierung: Die ganzheitliche Orientierung an individuellen Kundenwünschen, die Nutzung von Echtzeitdaten und die

Einbeziehung der Umweltbilanz in den Produktionsprozess stehen auf dem Einkaufszettel der IT-Verantwortlichen. Und damit dürfte Globus eine ganz ähnliche Agenda haben, wie die anderen großen Handelsketten in Deutschland. Denn die Konkurrenz aus dem Internet schläft nicht.

Die digitale Transformation verändert Wertschöpfungsketten, greift traditionelle Geschäftsmodelle an, schafft völlig neue Business-Möglichkeiten. Die Digitalisierung verändert die Spielregeln. Die digitale Economy – die d!conomy – bietet grenzenlose Chancen und Möglichkeiten. Auf der CeBIT lassen sich die Lösungen für die Wirtschaft von morgen entdecken.

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