CEBIT Global Conferences

Jeff Jarvis: Wir wissen noch gar nicht, was das Netz eigentlich ist

Wie verändert das Netz unsere Gesellschaft? Was bedeutet das für die Medien und jeden einzelnen von uns? Fragen, die Journalismus-Ikone Jeff Jarvis auf der Center Stage der CeBIT Global Conferences stellte.

17.03.2016
CeBIT 2016 Jeff Jarvis - Day 3 - 254
Jeff Jarvis, Journalismusprofessor und Blogger

"Ich liebe das Internet. Ich lieb die Freiheit, die es uns bringt. Aber mit der Freiheit kommt auch die Wahl", sagte Jeff Jarvis ("What would Google do?") zu Beginn seines Vortrags auf den CeBIT Global Conferences .
Für den US-amerikanischen Journalismusprofessor und Blogger gehörten die Medien nur zu den ersten Institutionen, die durch die digitale Transformation hinweggefegt worden seien. Er verglich das Internet mit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg.

Entscheidungen für die Zukunft des Internet

"Gutenberg bewirkte eine fundamentale Änderung der Gesellschaft", sagte er auf der Center Stage der CeBIT Global Conferences. Ob und wie das Internet eine ähnliche Änderung bewirken könne, könne er selbst noch gar nicht sagen.

"Ich glaube, dass wir heute noch gar nicht wissen können, was das Netz eigentlich ist".
Jeff Jarvis

Doch gerade deshalb müsse man nun die richtigen Entscheidungen treffen.

Nicht auf Protektionismus setzen

Falsch sei es definitiv, auf Protektionismus zu setzen und die Regeln aus der alten Welt in die neue zu übertragen. Gleichzeitig müsse man für wichtige Werte wie zum Beispiel die Privatsphäre gegen Angreifer wie die NSA verteidigen. Er warb allerdings auch dafür, dass sich Europa und die USA technologisch annähern. "Ich glaube, dass wir Cousins in Sachen Technologie sind.", sagte er.

Beide Seiten könnten viel voneinander lernen und von der Zusammenarbeit profitieren. Als Beispiel aus dem Medienbereich nannte er die Google News Initiative und die Accelerated Mobile Pages des Suchriesen, die als Reaktion auf den Streit mit deutschen und europäischen Medienhäusern (Stichwort: Leistungsschutzrecht) entstanden seien.

Medienunternehmen sollen mehr Wagnisse eingehen

Er forderte deutsche Gründer und Medienunternehmen auf, mehr Wagnisse einzugehen. Öffentliches Scheitern gehöre zum Erfolg ebenso dazu, wie mit unfertigen Produkten in der Betaphase an den Markt zu gehen. Insbesondere Journalisten hätten eine Angst davor. Fehler zu machen oder falsch zu liegen.

"Als ich angefangen habe zu bloggen, habe ich erkannt, dass meine Glaubwürdigkeit sogar gestiegen ist, als ich Fehler zugab und mich öffentlich selbst verbesserte." Seine Schlussfolgerung: "Sie werden falsch liegen, aber das ist gut. Nur wenn Sie bereit sind, Ihre Karriere und ihr Unternehmen zu riskieren, werden Sie wirklich erfolgreich sein."

150 Jahre bis zur ersten Tageszeitung

Jeff Jarvis erinnerte auch noch einmal daran, dass von der Erfindung der Druckerpresse bis zur ersten Tageszeitung 150 Jahre vergangenen seien – also können im Internet noch ganz viel passieren.

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