Public Sector Parc

IT-Planungsrat: per App ins Amt

Kampfmittelräumung, Feuerwehrstatistik, Geodaten, Asylverfahren, Cybersicherheit … Der IT-Planungsrat bringt spannende Digitalisierungsprojekte der Länder, des Bundes und der EU an einen Gemeinschaftsstand.

08.03.2017
Public-Sector-Parc-News

Zur Frühjahrssitzung 2017 trifft sich der IT-Planungsrat auf der CeBIT. Das Gremium steuert die föderale Zusammenarbeit in der Informationstechnik und im E-Government. Mitglieder im IT-Planungsrat sind die Beauftragten für Informationstechnik (CIO) der Länder und des Bundes. Auch ihre interessantesten IT-Projekte präsentieren Bund und Länder während der CeBIT gemeinsam: Am Stand des IT-Planungsrats in Halle 7 (Stand B42) stellen sie digitale Bürger- und Unternehmensservices, den Stand der Digitalisierung des Asylverfahrens und neue Verwaltungs-Apps vor.

Berlin lässt Standbesucher sein Sprachdialogsystem (SDS) testen. Seit rund einem Jahr erprobt die Berliner Verwaltung verschiedene SDS-Einsatzszenarien, etwa bei der Ausländerbehörde, einigen Finanzämtern und der Behördennummer 115. Auch das Berliner E-Government-Gesetz wird vorgestellt. Mitte 2016 in Kraft getreten, wird es in der Hauptstadt als "das weitreichendste Gesetz zur Modernisierung in der deutschen Verwaltungslandschaft" betrachtet. Mit seiner Umsetzung sieht Berlin "den Weg zum nutzerfreundlichen, sicheren und barrierefreien E-Government für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen geebnet". Sämtliche Verwaltungsverfahren und -strukturen werden vollständig auf E-Government umgestellt. Ein Beispiel ist das Online-Gewerbeportal, in dem medienbruchfrei die häufigsten Arten der Gewerbemeldungen sowie Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse für reglementierte Berufe abgewickelt werden.

Mit der Digitalisierungsstrategie digital@bw möchte auch Baden-Württemberg zum digitalen Vorreiter werden. Das Land hat den flächendeckenden Breitbandausbau zur höchsten Priorität erklärt und Investitionen massiv gesteigert. Das Servicekonto Baden-Württemberg, das am Stand des IT-Planungsrats präsentiert wird, dient der sicheren Speicherung und Verwaltung digitaler Identitäten. Diese werden für das Portal service-bw sowie weitere Anwendungen von Land und Kommunen benötigt. Bürger können personenbezogene Daten damit eindeutig mit der elektronischen Ausweisfunktion des Personalausweises kennzeichnen. Die Daten werden individuell sicher verschlüsselt und zusammen mit einem Dokumentensafe und einer Nachrichtenfunktion im Rechenzentrum IT Baden-Württemberg (BITBW) gehostet. Dabei hat der Teilnehmer jederzeit die volle Kontrolle und Transparenz über seine Daten. Das Servicekonto Baden-Württemberg wird von den Kommunen mitgenutzt. Im Rahmen des IT-Planungsrats wird es interoperabel weiterentwickelt und um Funktionen eines Unternehmenskontos erweitert.

Die Projektgruppe eID-Strategie des IT-Planungsrates hat die Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen mit dem Projekt "Prototyp für interoperable Servicekonten" beauftragt. Das Projekt soll eine "prototypische Realisierung der Interoperabilität von Servicekonten im Bundesgebiet" erarbeiten. Die Unternehmensberatung H&D GmbH hat dazu einen technischen Prototyp entwickelt. Daran wurden unter Laborbedingungen die Servicekonten BayernID und Servicekonto.NRW von den Dienstleistern AKDB und KDN unter Beteiligung der Governikus KG angebunden. Die Ergebnisse des Projekts werden auf der Themeninsel "Servicekonten" am Stand des IT-Planungsrats präsentiert.

Weitere Projekte aus Bayern sind die Geodateninfrastruktur Bayern (GDI-BY), die BayernAtlas-Familie, das Geoportal Bayern und die Desktop-Anwendung "Download Client" der GDI-BY. Zudem wird gezeigt, wie sich mit dem IHK-Standortportal Bayern Gewerbestandorte finden und bewerten lassen. NRW stellt eine Datenbank zur psychosozialen Prozessbegleitung sowie Internetauftritte der Justizeinrichtungen in NRW "im neuen responsiven Design" vor.

Brandenburg präsentiert am Stand Softwarekomponenten, die Schulen und Schulaufsicht bei regelmäßigen Verwaltungsaufgaben unterstützen. Außerdem bringt das Land die "Maerker-App" mit, eine kostenlose Anwendung, mit der Bürger ihren Kommunen Infrastrukturprobleme oder Missstände melden können. Wenn die Kommune eine Meldung geprüft hat, wird sie freigeschaltet und im Internet lesbar. Der Bearbeitungsstand wird mit Ampelfarben markiert. Die App wird immer beliebter: Wurden im Jahr 2015 noch 289 Hinweise per App gemeldet, waren es 2016 bereits 2.435. Alle Kommunen in Brandenburg können sich kostenlos an Maerker beteiligen – die Hälfte von ihnen tut es bereits. Sie müssen sich verpflichten, innerhalb von drei Werktagen auf Hinweise zu reagieren.

Hessen stellt am Gemeinschaftsstand die Vorteile föderaler Zusammenarbeit heraus: "IT-Kooperationen der Länder, Kommunen und mit dem Bund reduzieren die Kosten und schaffen erhebliche fachliche Synergien", so das Land. Ein Beispiel dafür sei die „Verwaltungsvereinbarung über die Kooperation bei Konzeption und Entwicklung von Software für Umweltinformationssysteme“ (VKoopUIS), ein anderes das Projekt eWoG – elektronisches Wohngeldverfahren. Von Hessen entwickelt, wird es künftig in drei Ländern eingesetzt. Dabei werden vorhandene standardisierte IT-Infrastruktur und Entwicklungsumgebungen genutzt.

Der Studiengang Verwaltungsinformatik an der Hochschule Hannover soll Studierende zu Allroundern in den Themengebieten Informatik und Verwaltungsmanagement ausbilden. Dabei werden die Absolventinnen und Absolventen durch eine stipendiengebende Behörde des Landes Niedersachsen unterstützt. Praxisphasen während des Studiums ermöglichen Einblicke in die vielfältigen Facetten des Berufs. Nach dem Abschluss steht Absolventen eine Karriere in Niedersachsens Justiz, Polizei, Finanzverwaltung oder allgemeiner Verwaltung offen. Außerdem am Niedersachsen-Stand: der E-Payment-Konfigurator pmPayment für Kommunen, die Anwendungen pmOWI und pmOWI App für Ordnungswidrigkeiten, das Datenschutzregister pmDSR für Verfahrensbeschreibungen, ein Formularbaukasten für föderales Informationsmanagement sowie das niedersächsische Dokumentenmanagementsystem NI-DMS.

Unter dem Motto "Augen auf – Ihre Daten!" stellt Sachsen verschiedene Projekte für Cybersicherheit vor: Mit dem "Security Dashboard" wird es möglich sein, sich einen schnellen grafischen Überblick über die informationstechnologische Sicherheitslage in Sachsen zu verschaffen. Der "Identity Leak Checker Client" bietet als Erweiterung der bekannten Plattform die Möglichkeit, statt einzelner E-Mail-Adressen ganze E-Mail-Adressräume abzufragen und bei neuen Funden automatisiert Warnungen zu versenden. "Honey-Sens" ist ein Gesamtsystem aus Hard- und Softwarekomponenten, um Angriffe auf interne Netze aufzuspüren. Die "E-Learning-Plattform" ermöglicht es, Mitarbeiter für Gefahren zu sensibilisieren und im Umgang mit Internet, E-Mail, Smartphone und Co. zu schulen.

Außerdem werden am Sachsen-Stand zwei E-Government-Komponenten erläutert: Die Prozessplattform unterstützt das Prozessmanagement und ermöglicht die Dokumentation, Modellierung und Ermittlung von Optimierungspotenzialen von Verwaltungsprozessen. Sie unterstützt eine bausteinartige Prozessmodellierung für Verwaltungen und bietet vielfältige automatische Auswertungen der Prozesslandschaft innerhalb einer Behörde an. Die Basiskomponente Geodaten (GeoBAK) stellt Funktionen, Dienste und Leistungen für die Geodateninfrastruktur des Freistaats zur Verfügung und unterstützt die Bereitstellung und Nutzung geografischer Informationen in elektronischen Fachverfahren der sächsischen Verwaltungen.

Das Projekt Kampfmittelinformationssystem Schleswig-Holstein dient dem Aufbau eines Systems, das Zugriff auf alle belastbaren Daten gewährt, die eine Aussage zur Kampfmittelbelastung von Land- und Wasserflächen in Schleswig-Holstein ermöglichen. Überwiegend analoge Daten müssen dazu digitalisiert und in ein Datenbankmanagementsystem überführt werden. Dort sollen sie voll recherchefähig abgelegt und räumlich intelligent verknüpft werden. Anwender greifen auf das Informationssystem über das Intranet zu. Die auf Microservices aufbauende Webapplikation wird mit Open-Source-Software realisiert.

Thüringen bringt das Projekt ThAVEL mit auf die CeBIT, eine einheitliche Thüringer Antragsplattform für Land und Kommunen. Außerdem am Stand: das Landesprogramm "Offene Geodaten", das Fachverfahren Feuerwehrstatistik, die Auskunftsdatenbank des Thüringer Landesamtes für Statistik sowie das Haushaltsmanagementsystem HAMASYS. Zudem wird die effiziente und kostensparende Entwicklung von serviceorientierten Verwaltungsfachanwendungen mit Oracle APEX am Beispiel der Wohnungsbauförderung demonstriert.

Neue IT-Projekte aus Rheinland-Pfalz sind das rlpServiceKonto für Bürger und Unternehmen, i-Kfz mit dem rlpServiceKonto "Unterschrift unterwegs", die nationale ÖV-Datenplattform "Zentrales Haltestellenverzeichnis", der Radroutenplaner Deutschland und der Governikus-MultiMessenger. Das Saarland stellt eine Verkehrsunfall-App sowie die Online-Eingliederungshilfe des Landesamtes für Soziales vor. Bremen präsentiert Governikus-Lösungsbausteine für die digitale Verwaltung. Weitere Themen am Gemeinschaftsstand sind der Breitbandausbau in Mecklenburg-Vorpommern sowie Digitalisierungsprojekte aus Hamburg.

Auch der Bund und die Europäische Union sind auf dem CeBIT-Gemeinschaftsstand des IT-Planungsrats präsent. Der Bund stellt das Projekt PGDAS zur Digitalisierung des Asylverfahrens vor. Die EU kommt mit den internationalen Vorhaben e-SENS und Me-Codex nach Hannover.

Public Sector Parc RSS Feed abonnieren