Artificial Intelligence

Interview mit Toby Walsh

KI übernimmt demnächst die Weltherrschaft? Auf keinen Fall!

03.03.2017
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Toby Walsh

Toby Walsh ist einer der weltweit führenden Experten für Künstliche Intelligenz (KI). Die Zeitung “The Australian” nannte ihn einen “Rockstar” der digitalen Revolution, und auch auf der Liste der 100 wichtigsten digitalen Innovatoren Australiens, “Knowledge Nation 100”, taucht er auf. Professor Walsh konzentriert sich in seinen Forschungen darauf, wie durch die Interaktion von Computern und Menschen Entscheidungsprozesse optimiert werden können – zum Wohl aller.

Mr. Walsh, @TobyWalsh gehört nach Ansicht von Kennern zu den zehn Twitteraccounts, denen man folgen sollte, um über die Entwicklungen in der KI auf dem Laufenden zu bleiben. Also: Können Sie uns in 140 Zeichen erklären, wie KI die Welt verändern wird?

Sie könnte uns alle gesünder, wohlhabender und glücklicher machen. Aber wie jede Technologie ist auch KI in moralischer Hinsicht neutral. Wir müssen also den richtigen Umgang damit finden.

Worüber werden Sie auf den CeBIT Global Conferences sprechen?

Darüber, was Künstliche Intelligenz (KI) kann und was sie nicht kann. Ich werde darlegen, warum KI heute überall in den Nachrichten auftaucht, warum wir anscheinend so große Fortschritte machen – und wohin uns das alles führen wird. Ich werde ein paar Hinweise dazu geben, was KI bislang noch nicht schafft und auch mittelfristig wohl nicht schaffen wird. Abschließend werde ich einen Blick auf die Risiken werfen, denen unsere Gesellschaft begegnen muss, und erklären, inwiefern KI gleichermaßen Teil des Problems und Teil der Lösung ist.

Manche Leute fürchten, KI könnte schon bald die Weltherrschaft an sich reißen. Was würden sie denen erwidern?

Es ist völlig unmöglich, dass KI in absehbarer Zukunft die Welt beherrscht. Aber über drei Themen sollten wir uns schon Sorgen machen: über den Einfluss, den KI auf die Kriegsführung nimmt, darüber, was KI für Beschäftigungsverhältnisse bedeutet, und über die Diskriminierung durch Algorithmen.

Derzeit gibt es ein Wettrüsten, wer zuerst autonome Waffen aufs Schlachtfeld schickt. Das bedeutet eine schreckliche und Furcht erregende Zukunft. Vor allem, wenn Terroristen diese Waffen in die Finger bekommen – was auch sicherlich geschehen wird. Was Jobs angeht – KI wird viele von ihnen überflüssig machen. Darauf müssen wir uns einstellen. Und zu guter Letzt tragen Algorithmen jetzt schon unwillentlich dazu bei, dass Gruppen diskriminiert werden. Viele hart erkämpfte Rechte stehen auf dem Spiel, wenn wir nicht aufpassen.

Was ist das Next Big Thing in der KI?

Das sind die Fehler, die KI macht. Microsoft hat es ja mit seinem Chat-Bot "Tay" erlebt und Tesla beim ersten tödlichen Autounfall in Florida: Künstliche Intelligenz kann auch gravierende Fehler machen, wenn wir ihr die Kontrolle überlassen. Deshalb müssen Unternehmen sehr sorgfältig prüfen, wie sich KI-Programme auf ihr Geschäft auswirken.

Mark Zuckerberg hat mit "Jarvis" seine eigene KI programmiert. Was halten Sie davon?

Anscheinend hat Mark herausgefunden, was KI-Experten schon seit geraumer Zeit wissen: Die Technologie ist immer noch ziemlich fehleranfällig. Damit sie zuverlässig funktioniert, muss ein Experte mit ihr arbeiten. Es gibt immerzu Fortschritte, aber bis KI auf Knopfdruck einsatzbereit ist, wird es noch eine Weile dauern.

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