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Interview mit Constance Scholten

"Camarilla bietet einen geschützten Raum, in dem User Fotos und Videos für ihre engsten Freunde posten können."

03.03.2017
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Constance Scholten

Die in Holland geborene Unternehmerin mit der Zwillingsleidenschaft für menschliches Verhalten und Technologie ist CEO von Camarilla – das sich selbst als "kleinstes soziales Netzwerk der Welt" bezeichnet.

Camarilla versteht sich als Antwort auf die Oberflächlichkeit des Social-Media-Mainstreams. Denn auf Camarilla kann man in einem geschützten Raum Bilder und Videos für seine engsten Freunde posten. Alle Interaktionen bleiben dabei geheim.

"Es geht um echte Beziehungen statt um Selbstdarstellung," erklärt Scholten, die zu den 50 inspirierendsten Technologie-Unternehmerinnen der Niederlande zählt. "Unsere hypervernetzte Welt raubt uns die Zeit, in der wir echte Freundschaften pflegen können. Das möchte ich ändern."

Scholten, die mit 19 ihr Jurastudium abbrach, um ihre erste Firma zu gründen, verbreitet ihre Frohe Botschaft vom "Glück durch Beziehungen, die etwas bedeuten", derzeit rund um den Globus. Bislang hat sie schon Zuhörerschaften in elf Ländern begeistert.

Und da Camarilla sich in kürzester Zeit bereits in über 156 Ländern verbreitet hat – werbewirksam unterstützt von einer Nutzergemeinde, die A-Promis, Business-Mogule und sogar gekrönte Häupter umfasst – , sieht es so aus, als fände ihre Botschaft in der ganzen Welt Anklang.

Interview

Liebe Constance, bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor.

Mit meinen 29 Jahren lebe ich den Traum jedes Unternehmers. Mein Name ist Constance Scholten, und ich bin CEO von Camarilla, einer neuen App, die in Amsterdam and New York entwickelt wurde. Derzeit arbeiten wir mit einer Beta-Version, und mit bemerkenswertem Tempo gewinnen wir in über 156 Ländern an Popularität! Offensichtlich entsprechen wir einem unbewussten Bedürfnis der Menschen.

Sie glauben nicht, wie die Leute darauf abfahren! Auch die Berühmten und Reichen. Bei uns tummeln sich NBA-Stars, legendäre Sänger, Models, sogar Mitglieder von Königshäusern. In einem Zeitalter des ständigen Ausspioniertwerdens wissen sie die Privatsphäre, die Camarilla bietet, sehr zu schätzen.

Worüber werden Sie bei den CeBIT Global Conferences sprechen?

Ein erfülltes Leben beruht auf starken Beziehungen, nicht wahr? Camarilla haben wir als Antwort auf die Oberflächlichkeit der gängigen Social Media geschaffen. Mit Camarilla bieten wir einen geschützten Raum, in dem unsere User Fotos und Videos für ihre engsten Freunde posten können. Und was auch immer sie auf Camarilla tun, bleibt auch dort.

In meinem Vortrag werde ich über "Resonanz" sprechen, über die Wissenschaft der Freundschaft und wie sie unser Leben beeinflusst. Es ist erwiesen, dass Freundschaft für unser Glücksempfinden und für unser Wohlbefinden eine zentrale Rolle spielt.

Viele Menschen scheinen allerdings vergessen zu haben, wie man echte, tiefgehende Beziehungen aufbaut. Ich sehe es als meine Aufgabe, der verbindlichen zwischenmenschlichen Kommunikation auf die Sprünge zu helfen. Es geht darum, die wahren Bedürfnisse einer modernen Welt zu befriedigen, in der nicht abzusehen ist, dass der Einsatz von Technologie mal weniger wird.

Was macht eine starke Beziehung aus?

Eine starke Beziehung braucht letztlich nur zwei Dinge:

1. "Quality Time", die man wirklich zu zweit verbringt.
2. Direkten persönlichen Austausch.

Wir alle kennen ja zur Genüge die Herausforderungen, die unser Alltag mit sich bringt. Wie oft wünschen wir uns, enger mit unseren Liebsten verbunden zu sein! Technologie kann dabei helfen.
In meiner Rede werde ich mich auf Forschungserkenntnisse der renommierten Professoren Hartmut Rosa und Robin Dunbar sowie des Autors Simon Sinek beziehen.

Camarilla selbst entdecken können Sie übrigens hier: iOS Android

Wer sind die 15 wichtigsten Menschen in Ihrem Leben? Und wie haben Sie sie ausgewählt?

Das Wort "Camarilla" finden Sie in jedem Wörterbuch. Es bezeichnet die engsten Vertrauten eines Königs. Studien haben gezeigt, dass jeder von uns eine Camarilla bzw. einen "Inner Circle" hat. Im Durchschnitt sind das 12 bis 15 Leute. Leute, zu denen wir ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Dieser Kreis von engen persönlichen Bezugspersonen ist immer hoch individuell und einzigartig.

Für mich gehören dazu meine Eltern, mein Bruder, mein Partner und eine Handvoll beste Freunde: ein Freund, den ich seit meiner Kindheit kenne, und drei Freunde, die im Ausland leben – in London, New York und Portugal. Durch Camarilla bleibe ich mit ihnen in Verbindung, bei großen und auch kleinen Momenten. Und dann sind da noch ein paar Freunde, die sehr zurückgezogen leben und kein Interesse daran haben, ihr Privatleben in den gewöhnlichen Sozialen Medien auszubreiten: ein international bekannter Künstler, ein Model und bekannte Unternehmer.

Die CeBIT Global Conferences sind der Zukunft der Technologie, aber auch dem Business gewidmet. Welche geschäftlichen Ziele verfolgen Sie mit Camarilla?

Unser Investor gewährt uns die Freiheit, etwas zu erschaffen, das die Welt wirklich braucht: einen Ort für echte Freundschaften, wo du dich verbindest, statt dich darzustellen. In unserer lauten, hektischen Welt spielt dieser Aspekt eine große Rolle. Es klingt ziemlich außergewöhnlich, aber wir mussten unserem Investor versprechen, dass wir uns in den nächsten Jahren nicht mit irgendwelchen Geschäftsmodellen beschäftigen. Er möchte, dass wir uns ausschließlich auf unser Produkt konzentrieren. Anders gesagt: Erst einmal erschaffen wir das weltbeste Produkt für starke Beziehungen, und dann denken wir über dessen Monetarisierung nach.

Ich weiß: das klingt nicht sehr niederländisch, und das ist es auch nicht. Aber nur auf diesem Wege können wir erfolgreich sein. Außerdem ist diese Vorgehensweise ja auch nur logisch, da wir nur sehr unscharfe Vorstellungen davon haben, wie die Welt in fünf Jahren aussehen wird.

Womit erklären Sie sich den erstaunlichen Erfolg von Camarilla?

Die landläufigen Sozialen Medien gleichen inzwischen eher einer öffentlichen Sendeanstalt. Es sind einfach keine Plattformen mehr, auf denen man ohne weiteres ehrlich über sein persönliches Leben berichtet. Ich glaube, die Leute dürsten nach einer Alternative zum lauten, marktschreierischen Social-Media-Mainstream.

Wenn alles wirklich privat bleibt, dann tauschen die Leute vollkommen andere Dinge aus. Und genau das meine ich mit: sich verbinden statt sich darstellen. Ganz ohne Ego. Das ist ein grundlegendes Menschenbedürfnis, dem Camarilla entspricht.

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