Artificial Intelligence

"Immer steckt KI dahinter"

Autos, Roboter, Küchen, Bildung, Kleidung … KI findet immer mehr Anwendungen. Einige der spannendsten Lösungen stellen Forscher und Entwickler aus Deutschland, Japan und der Schweiz auf der CeBIT vor.

15.03.2017

Künstliche Intelligenz kann niemand kompetenter erklären als Prof. Wolfgang Wahlster: "KI beschleunigt Industrie 4.0 und ist der Treiber für autonome Systeme sowie die nächste Stufe der Digitalisierung von Dienstleistungen. Durch eine Kombination von neuartigen Algorithmen zu maschinellem Lernen und wissensbasierter Verarbeitung werden die heutigen Grenzen der Digitalisierung überwunden", sagt der Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Laut Wahlster ist KI längst im Alltag angekommen: "Ob wir auf dem Smartphone Sprachassistenzsysteme wie Siri oder Cortana nutzen, um ein Restaurant in der Nähe zu finden, mit Google Translate eine koreanische Webseite auf Deutsch übersetzen lassen, in unserem Fahrzeug Autopilotfunktionen aktivieren oder ob der Versuch einer betrügerischen Nutzung unserer Kreditkartendaten vereitelt wird, immer steckt KI dahinter", so Wahlster.

Dass Deutschland mit dem DFKI das weltweit größte Forschungszentrum für künstliche Intelligenz besitzt, verschafft ihm laut dessen Leiter einen Wettbewerbsvorsprung: "Mit KI-basierter Spitzentechnologie in Industrie 4.0 und der Digitalisierung von Dienstleistungen werden wir den Wohlstand und das Wachstum in Deutschland durch die Integration von KI in die Exportschlager unserer Wirtschaft – vom Mähdrescher über Autos und Werkzeugmaschinen bis hin zum Geschirrspüler – nachhaltig sichern", erklärt Wolfgang Wahlster. Durch KI-basierte Automatisierung der Sachbearbeitung in Banken, Versicherungen, Verwaltungen und im Handel werde Deutschland auch seine Dienstleistungen effizienter und preiswerter anbieten können.

Die CeBIT 2017 zeigt in verschiedenen Hallen eine große Bandbreite neuer KI-Anwendungen. Im Themenbereich "Research & Innovation" (Halle 6) etwa werden an Stand B48 zwei interdisziplinär ausgerichtete DFKI-Kompetenzzentren vorgestellt: zum einen das Deep Learning Competence Center, das Arbeiten im Bereich der Text-, Bild-, Video- und Social-Media-Analyse bündelt, zum anderen das Wearable AI Competence Center mit den neuesten Trends im Bereich Wearable Technologies. Auch intelligente Landwirtschaft ist hier ein Thema: Eine App gibt Landwirten Überblick über den Gesundheitszustand ihrer Milchkühe, Smart Services erhöhen die Wirtschaftlichkeit und Nachverfolgbarkeit im Ackerbau.

Am DFKI- und BMBF-Stand in Halle 6 wird die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) in der Produktion durch ein Exponat erlebbar gemacht, bei dem Mixed-Reality-Technologien zum Einsatz kommen. Im Demonstrator nebenan fungiert ein Exoskelett als intuitive Mensch-Maschine-Schnittstelle, die auch in der industriellen Produktion, Montage und Logistik verwendet werden kann. Um MRK geht es auch auf dem acatech-Sonderstand " Vernetzte Autonome Systeme" in Halle 12. Dort erfährt der Besucher, wie die gefahrenlose Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter im gleichen Arbeitsraum und die aktive Interaktion der ungleichen Kollegen gelingen. Im Kontext von Industrie 4.0 wird auch gezeigt, wie virtuelle Techniken (VT) beim Engineering Change Management helfen können und wie eine neue Serviceplattform für intelligente Anlagenoptimierung sorgt. Ein LEGO-Demonstrator veranschaulicht zudem, wie Konzepte aus dem Bereich Process Mining die Produktionsplanung durch Echtzeitanalysen unterstützen können.

Am BMWi-Stand in Halle 6 (C40) werden Smart-Data-Analytics-Technologien für die Informationsrecherche sowie intermodale Mobilitäts- und Lieferkettenereignisse vorgestellt.

Ein weiteres KI-Highlight der Messe ist der Besuch von Prof. Hiroshi Ishiguro und dessen eigenem Roboter-Zwilling. Auf den CeBIT Global Conferences stellt der Direktor des Intelligent Robotics Laboratory am Department of Adaptive Machine Systems der Universität Ōsaka seinen Stellvertreter aus Silikon und Silicium in Aktion vor. Am Dienstag, den 21. März 2017, betritt Ishiguro um 9:45 Uhr als einer der schillerndsten Vertreter des diesjährigen CeBIT-Partnerlands Japan die Bühne. Ishiguro will mit seiner Technologie nicht nur Ebenbilder der eigenen Persönlichkeit erschaffen, sondern schlicht Lebenspartner. Er strebt weder mechanische Übermenschen noch putzige Spielzeuge an, sondern soziale Roboter, die zu Freunden – und vielleicht noch mehr – werden können.

Was KI im Auto bewirkt, können CeBIT-Besucher im SmartShuttle der Schweizerischen Post erfahren, der sie mit zwei autonomen Fahrzeugen vom Eingang West 1 quer durch die Halle 13 zur Halle 12 transportiert. Die Busse sind mit mehreren Kameras und Sensoren ausgerüstet, die Personen und Gegenstände auf der Fahrbahn erkennen. Die Fahrzeuge bremsen in einem solchen Fall automatisch. Gebaut wurden die Busse mit der Bezeichnung Arma von der französischen Firma Nayva. Die Software hat Nayva zusammen mit dem Start-up BestMile entwickelt, einem Spin-off der Polytechnischen Hochschule Lausanne. Seit Juni 2016 lässt die Schweizerische Post zwei autonome "SmartShuttles" durch die Altstadt von Sitten im Kanton Wallis fahren. An einer Haltestelle der Teststrecke befindet sich ein Bildschirm, der die Position der beiden Fahrzeuge in Echtzeit anzeigt. Auch mit einer App können sich Fahrgäste über die Position der Shuttles informieren.

Im Future Talk (Halle 6, A54) steht autonomes Fahren ebenfalls auf der Agenda. Dr. Simon Burton, Chief Expert Safety, Reliability, Availability der Robert Bosch GmbH, spricht hier am 21. März (11:30 bis 12 Uhr) über "Intelligente selbstfahrende Autos: Wie macht man die Mobilitätssysteme von morgen smart und sicher?". "Künstliche Intelligenz und insbesondere Deep Learning zeigen viel Potential für die Lösung von Automatisierungsaufgaben in einem offenen Kontext", erklärt Simon Burton. "Solche Technologien können aber nur angewendet werden, wenn stringente Sicherheitsanforderungen nachgewiesen werden können." In seinem Vortrag beschreibt Burton die Herausforderungen, die zu meistern sind, um Mobilitätssysteme nicht nur smart, sondern auch sicher zu machen.

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