Cyborgs & Biohacking

Identitätsdiebe sprechen mit manipulierter Originalstimme

Andere sagen lassen, was sie nie gesagt haben – geschweige denn sagen wollten. Das geht momentan nur per Remix, aber nicht mehr lange: Voice Conversion macht aus Sprachaufzeichnungen ganz neue Sätze.

03.03.2017
Identitätsdiebe mit manipulierter Originalstimme Cyber Security
Adobes hat das Pendant zu Photoshop entwickelt: VoCo (Foto: YouTube/Adobe)

Die "Ja-Fänger" sind jetzt auch in Deutschland angekommen: Anrufer dubioser Firmen, die mit Fragen wie "Können Sie mich hören?" ein Ja erzwingen, das sie später per Audio-Editor zu einer echt klingenden Auftragsbestätigung umschneiden. Was folgt, sind teure Rechnungen, gegen die man sich erst einmal zur Wehr setzen muss. Tipps, wie man ganz ohne Ja auskommt, gibt die Verbraucherzentrale . Auf deren Seite gibt es auch Musterbriefe und einen Link zur Beschwerdestelle der Bundesnetzagentur – denn die Methode ist natürlich kriminell.

In naher Zukunft müssen die Abzocker wohlmöglich nicht mehr so viel Aufwand betreiben, um ein bestimmtes Wort im O-Ton zu erhalten. Adobe hat nämlich das Pendant zu Photoshop entwickelt: VoCo reichen 20 Minuten Sprachaufzeichnung, um daraus beliebige Formulierungen zu erzeugen (das Kürzel steht für Voice Conversion, sprich: Sprachumwandlung). Dazu braucht es nicht einmal Erfahrung als Toningenieur, denn die Software konvertiert die Originalaufnahmen in Text. Der Nutzer muss den Wortlaut bloß umschreiben – Klick! – und VoCo wandelt den neuen Satz wieder in ein authentisch klingendes Audiofile um. Angesichts von Sicherheitssystemen, die die menschliche Stimme zur Authentifizierung verwenden , ist das Potenzial dieser Anwendung durchaus bedenklich. Immerhin: Adobe arbeitet derzeit an einem Verfahren zur Erkennung manipulierter Sprachaufzeichnungen. Mit eigenen Ohren heraushören lässt sich der Fake aber nicht.

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