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Die geschickte Auswertung von Informationen kann Produkte verbessern – oder Filme. In Hollywood ist Big Data längst etabliert.

09.01.2016
Die geschickte Auswertung von Informationen kann Produkte verbessern – oder Filme. In Hollywood ist Big Data längst etabliert. - Quelle: Juan Camilo Bernal / Shutterstock.com
Filme: Erfolg steht schon vorher fest (Bild: Juan Camilo Bernal / Shutterstock.com)

Millionenetats, Starbesetzung, Special Effects – nichts davon sichert einem Hollywood-Blockbuster den Erfolg an der Kinokasse. Rund 100 Millionen Dollar Verlust soll beispielsweise der mit Johnny Depp hochkarätig besetzte Film "The Lone Ranger" von Starregisseur Gore Verbinski verursacht haben, Platz vier der " Box Office Bombs ", der Liste der größten filmischen Fehlschläge bei Wikipedia. Ob die Macher vorher Kontakt mit Vinny Bruzzese hatten, ist nicht bekannt. Der ehemalige Statistikprofessor hat vor ein paar Jahren umgesattelt und verdingt sich seitdem als sogenannter Script Doctor. Für 20.000 Dollar analysiert er mit seinem Team ein Drehbuch und vergleicht es mit dem Erfolg anderer Filme.

"Ein Dämon kann von Menschen Besitz ergreifen oder er kann beschworen werden. Ein Film mit Besessenen hat deutlich bessere Aussichten auf ein starkes Startwochenenden, als wenn das Böse gerufen wird", führte Bruzzese im Interview mit der New York Times als Beispiel an. Die Analyse von Big Data könnte im schlimmsten Fall also zu einer wahren Flut identischer Filmideen führen, fürchten Kritiker. Dabei sind keineswegs nur die Macher Schuld am scheinbar massentauglichen Einheitsbrei aus Hollywood. Auch die Nutzer beziehungsweise die Zuschauer selbst tragen dazu bei.

Was ist mit der "Magie des Kinos"?

So fand der Suchmaschinenriese Google in einer Big-Data-Analyse heraus, dass Kinogänger im Schnitt 13 unterschiedliche Quellen nutzen, um sich über das aktuelle Angebot zu informieren und ihre Auswahl zu treffen. Laut einem entsprechenden Whitepaper kann Google mit 92-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Erfolg oder Misserfolg eines Kinofilms am Startwochenende vorhersagen. Selbst vier Wochen vorher lassen sich über die Analyse der Trailer-Klickzahlen angeblich schon realistische Prognosen über den Erfolg der ersten Tage aufstellen. Von der „Magie des Kinos“ bleibt an dieser Stelle nichts mehr übrig.

"House of Cards": Erfolg stand schon vorher fest

Wofür Hollywood-Studios noch Dienstleister beschäftigen und Suchmaschinen auswerten müssen, gehört für den Streaming-Anbieter "Netflix" zum Alltagsgeschäft – und zum Erfolgsgeheimnis. Dass die Serie "House of Cards" ein echter Hit werden würde, war für das Unternehmen alles andere als eine Überraschung. Bereits 2011, als die Rechte an der Serie zum Verkauf standen, hatte Netflix aus der riesigen Menge an Informationen, die das Unternehmen zu seinen Kunden und deren Sehgewohnheiten hat, die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg errechnet.

Ohne eine einzige Szene aus dem Mehrteiler gesehen zu haben, boten die Verantwortlichen 100 Millionen Dollar für die Rechte. Warum? "Wir wissen, was sich die Kunden auf Netflix ansehen und konnten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wie viele unserer Kunden wir damit ansprechen werden", sagte Jonathan Friedland, der Pressesprecher, dem Magazin Wired . Der Erfolg gibt ihm Recht: Mehr als fünf Millionen neuer Abonnenten – ein Wachstum von fast 20 Prozent – machten die Investition schnell wieder wett.

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