Artificial Intelligence

Humanoide Roboter – Menschen – Cyborgs

Dass Roboter menschenähnlicher werden, ist für Forscher logisch: Für viele Tätigkeiten ist der Mensch das einzige Vorbild.

26.02.2016
Humanoide Roboter

Wer nach der CeBIT 2016 an das Ereignis zurückdenkt, wird sich unweigerlich an sie erinnern: Serviceroboter, Industrieroboter, Transportsysteme – an allen Ecken des IT-Events mischen sich die autonomen Helfer ins Geschehen. Am Bitkom-Stand in Halle 4 etwa stellt das Start-up TruPhysics mit Hilfe eines Roboter-Greifarms eine Simulationsumgebung für die Industrierobotik vor. Der Business-Software-Spezialist abas bringt einen Kleinroboter im Transformers-Look nach Hannover, der zeigt, wie gut er mit ERP-Systemen kommuniziert. Und die aus der TU München ausgegründete Firma Magazino präsentiert "Toru", der im Warenlager unfallfrei mit Menschen zusammenarbeitet.

Auch in Forschungshalle 6 sind Roboter präsent. So zeigt die ETH Zürich mit ihrem "In situ Fabricator", welche Vorteile der Einsatz digitaler Technologien bei der Konstruktion von Gebäuden bringt: Das mobile Robotersystem überträgt die Leistungsfähigkeit und Flexibilität einer digitalen Fertigung direkt auf die Baustelle. Das DFKI hat "EyeBots" im Messegepäck, die komplexe Aufgaben in anspruchsvollen Industrieumgebungen lösen. Zudem stellt das Robotics Innovation Center (RIC) des DFKI auf der CeBIT aus. Das RIC hat intelligente Lösungen für die sichere Mensch-Roboter-Kooperation, etwa in der Industrie oder der Rehabilitationstechnik. Außerdem entwickelt es autonome Unterwasserfahrzeuge, die Offshore-Industrieanlagen inspizieren und manipulieren. Auch den Weltraum können die RIC-Roboter erkunden und dort zusammen mit anderen Robotersystemen Infrastruktur aufbauen.

Mensch-Roboter-Interaktion ist ein wichtiges Thema der CeBIT 2016. Ein anderer Trend sind humanoide Roboter. Nicht nur asiatische Entwickler arbeiten zielstrebig an möglichst menschenähnlichen Robotern. Auch deutsche Labors entwickeln zunehmend humanoid anmutende Systeme.
"Die großen Fortschritte in der Robotik sind stets mit wachsendem Verständnis menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten einhergegangen, wie das Thema Feinfühligkeit unter Beweis stellt", erläutert der Hannoveraner Roboterforscher Prof. Sami Haddadin. In den letzten Jahren haben sich laut Haddadin immer mehr konkrete Anwendungsszenarien für humanoide Roboter herauskristallisiert, etwa teleoperierte Systeme für Desasterszenarien – Stichwort Fukushima – oder die Wiedererlangung von (Teil-)Autonomie für Menschen mit Einschränkungen. Auch den Servicerobotikeinsatz von Humanoiden in für den Menschen entworfenen Umgebungen, also im Alltag, hält der Forscher für realistisch. Haddadin: "Die Benutzung von Werkzeugen oder schlicht die Fortbewegung in urbanem Gelände, beispielsweise durch Treppensteigen – dies sind Problemstellungen, für die der Mensch unser bisher einziges Vorbild ist."

Zu große Ähnlichkeit aber – das zeigen erste Experimente – ist vielen Menschen nicht geheuer. Der Grund: Selbst wenn die Gesichtszüge perfekt menschlich wirken, tut es die Mimik nicht. "Brüche zwischen Aussehen und Verhalten eines Roboters sind nicht leicht zu akzeptieren", erklärt Martina Mara, Medienpsychologin am Ars Electronica Futurelab in Linz. "Wenn die Erwartungen, die wir aufgrund einer allzu menschlichen Optik hatten, durch einen verzögerten Wimpernschlag oder eine mechanische Ecke in der Bewegung zerschlagen werden, gruselt es uns oft geradezu." Auch deshalb besitzen viele Roboter kein menschliches Gesicht. Hondas "Asimo", ein bekannter zweibeiniger Roboter, trägt eine Art Helm mit dunklem Visier. Andere Modelle zeigen stark vereinfachte Gesichtszüge.

Dass sich Mensch und Roboter aber auch von der anderen Seite her annähern, demonstrierte auf dem offiziellen CeBIT-Preview im Januar Hannes Sjöblad. Laut dem Leiter des schwedischen Biohacking-Verbands werden digitale Implantate unter der Haut dafür sorgen, dass physikalische Objekte oder Passwörter bald der Vergangenheit angehören. Er selbst trägt schon einen in die Hand implantierten Chip, mit dem er sich identifizieren und Türen öffnen kann. Sjöblads Botschaft an die CeBIT-Besucher: "Human upgrade technology is coming!"

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