Internet of Things

Hausbau auf babylonisch

Das intelligente Haus verspricht mehr Komfort für die Bewohner, Schutz vor Fehlern und einen niedrigeren Energieverbrauch. Nur: In der babylonischen Sprachverwirrung der Hersteller von Smart-Home-Geräten verliert man schnell den Überblick. Zum Glück gibt es Übersetzer.

20.08.2015
Smart Home

Die Grundidee eines "Smart Home", des intelligenten Hauses, ist im Prinzip genial: Verschiedene Geräte in der Wohnung oder im Büro kommunizieren miteinander und mit den Bewohnern und Besuchern, um ihnen das Leben einfacher und angenehmer zu machen. Das Türschloss meldet, wenn es korrekt verschlossen ist – oder eben nicht. Die Heizung registriert automatisch, ob jemand im Raum ist und regelt entsprechend die Temperatur, und schaltet sich der erste Rechner im Office ein, beginnt in der Küche die Kaffeemaschine zu laufen. Soweit die Theorie.

Die Praxis freilich sieht noch etwas anders aus. Denn wo Smart Home Komfort und Einfachheit verspricht, ist die Realität oft weit davon entfernt, benutzerfreundlich zu sein. Ein Beispiel? Aus dem doch sehr grundlegenden Prinzip des Lichteinschaltens machen App-gesteuerte LED-Lampen ein Abenteuer: Smartphone aus der Tasche ziehen, entsperren, App zur Steuerung suchen und aufrufen und letztlich mit einem Fingerwisch – das Licht einschalten. Vermutlich hatten unsere Vorfahren in irgendwelchen Höhlen schneller zwei Holzstücke aneinander gerieben, um Feuer zu machen.

Diesen Umstand hat auch die SmartHome Initiative Deutschland erkannt, ein Verein, der sich für den sinnvollen Einsatz der Technik engagiert. "Das Wohnen mit Technik ist grundsätzlich als zeitgemäß, komfortabel, sinnvoll und in Hinblick auf den demografischen Wandel als zunehmend notwendig zu betrachten", heißt es dort.

Technik für Menschen

Dabei sei allerdings stets zu beachten, dass die Technik beim Menschen wohnt und nicht der Mensch bei der Technik. Genau so sieht es auch Dr. Christian Pätz, Sprecher der Z-Wave-Allianz Europa*, die sich um einen einheitlichen Standard bei der Kommunikation im smarten zuhause bemüht. "Letztendlich geht es bei Smart Home um drei Dinge", sagt Pätz im Interview. "Erstens darum, Fehler zu vermeiden, die der Nutzer macht. Also etwa die Heizung nicht runterzudrehen oder ein Fenster offen zu lassen, wenn er den Raum verlässt." Zweitens ginge es um mehr Bequemlichkeit: Die Eingangstür entriegelt sich automatisch, wenn die Mitarbeiter zur Arbeit kommen, das Licht schaltet sich selbstständig ein. "Das dritte Argument ist Energieeffizienz. Also ein niedrigerer Stromverbrauch." Etwa durch die Abhängigkeit von günstigem Solarstrom und dem Programmstart energiehungrigen Maschinen.

Das alles funktioniere aber nur, wenn der Bedarf der Nutzer entsprechend wäre – und die technischen Möglichkeiten die Kommunikation erlauben. Denn einer der Stolpersteine von Smart Home ist die mangelnde Interoperabilität zwischen den Herstellern. So ist die Technik für ganzheitliche Wohn- und Gebäudekonzepte längst verfügbar. Die Umsetzung scheitert jedoch in der Regel an der Unfähigkeit der Geräte, untereinander Daten auszutauschen oder an einer fehlenden Zentralstelle, die sämtliche Bestandteile steuern kann. Genau daran arbeitet die Z-Wave Allianz*.

Einheitliche Standards als Grundlage

"Mehr als 300 Hersteller innerhalb der Allianz haben sich mittlerweile auf einen Standard geeinigt", sagt ihr Sprecher Christian Pätz. Neue Produkte und Lösungen müssten sich zunächst in einem unabhängigen Zertifizierungslabor einem Test unterziehen, ob die erforderlichen Standards zur Kommunikation erfüllt sind. "Vergleichbar ist das mit dem mobilen Betriebssystem Android von Google", sagt Pätz. "Es gibt zwar unterschiedliche Smartphone-Hersteller, aber auf allen laufen die Apps aus dem Play Store." Dabei spiele die technische Basis keine Rolle.

Besonders für kleine Hersteller lohne sich die Zertifizierung nach dem Z-Wave-Standard, sagt Pätz. So lassen sich auch Nischenlösungen in bestehende Systeme integrieren, ohne dass dafür eine eigene Infrastruktur notwendig wäre.

Etwa die intelligenten Fenstergriffe von Soda aus Siegen. Ausgerüstet mit einer Batterie und einem Funkchip, melden sie dem Facility Manager, ob ein Fenster offen (Griff in Querstellung), gekippt (Griff nach oben) oder geschlossen ist (Griff unten). Verlässt der letzte Mitarbeiter das Büro, kann das System per Smartphone-Alarm den Sicherheitsdienst informieren, der das offene Fenster schließt. Darüber hinaus lässt sich der Sensor im Fenstergriff auch als Einbruchmelder verwenden. So können auch kleine Unternehmen schnell und effektiv ein Sicherheitssystem nachrüsten, ohne dafür Umbauten vorzunehmen oder große Investitionen zu tätigen.

"Wenn wir es schaffen, dass sich alle Komponenten untereinander verstehen, und sich beliebige Hersteller kombinieren lassen, haben wir unser Ziel erreicht", sagt Z-Wave-Sprecher Pätz. Denn letztendlich gehe es nicht darum, Haus, Büro oder Wohnung mit Technik vollzustopfen, sondern ganz nach Bedarf und Stück für Stück auszubauen, ganz nach den eigenen Vorstellungen. Eben ganz smart.

Mehr zum Thema Communication & Networks

* Aussteller CeBIT 2015

Internet of Things RSS Feed abonnieren