Artificial Intelligence

Großmeister des Denkens stellen KI auf den Prüfstand

Wenn man Amazons Alexa fragt, ob sie so schlau wie Wittgenstein ist, bekommt man ein vages "ich bin mir leider nicht sicher" zur Antwort. Es wirkt aber, als hielte sie es für möglich. In einer aktuellen Dialogreihe der Münchener Hochschule für Philosophie gehen kluge Köpfe der Sache auf den Grund.

24.11.2017
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Die rasanten und sehr umfänglichen Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz werfen zahlreiche Fragen auf, nicht zuletzt Fragen philosophischer Natur. Wenn Deep Thought, der Supercomputer aus Douglas Adams Werk "Per Anhalter durch die Galaxis", auf die Frage nach dem Sinn des Lebens schlicht "42" antwortet, verweisen hartgesottene Philosophen auf ein Zitat Wittgensteins: "Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind." Wittgenstein - dessen Schläue sich auch Alexa zutraut beziehungsweise ihr Schöpfer - starb in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Also lange bevor Großmeister Garry Kasparow nach einer Niederlage den Schachcomputer Deep Blue als "blödes Mistding!" beschimpfte. Doch Wittgenstein, der vorerst wohl letzte große Philosoph, sah bereits die künstliche Intelligenz kommen. Und er ahnte, dass es die KI wie den Menschen vor ein großes Problem stellen wird, zwei oder mehrere Aspekte einer einzigen Sache zu erkennen - und zu achten. Paul Noth hat dieses Problem in seiner Karikatur der beiden Heere, die sich kampfbereit gegenüberstehen, auf den Punkt gebracht: Beide Heere tragen das gleiche Symbol in ihren Fahnen, doch die eine Seite erkennt darin einen Hasenkopf, die andere einen Entenkopf…

Wittgenstein hinterließ den Menschen folgenden Rat: "Denk nicht, sondern schau!" Ob dieser auch für künstliche Intelligenzen taugt, mögen die ausgewiesenen Experten erörtern, die sich in der seit dem 20. November laufenden Dialogreihe der Hochschule für Philosophie in München mit Fragen zur KI beschäftigen. Unter dem Titel "Quo vadis, Menschheit? Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz" diskutieren der Astrophysiker, Naturphilosoph und TV-Moderator Harald Lesch, der Naturphilosoph Hans-Dieter Mutschler, der transhumanistische Philosoph Stefan Sorgner und acatech-Präsident Dieter Spath mit Professoren der Hochschule. Der nächste Termin der Dialogreihe, die durch die NoMaNi-Stiftung gefördert wird, ist Montag, 18. Dezember 2017, 19 Uhr. Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler (Krakau) wird dann im Dialog mit Prof. Dr. Stefan Bauberger eine kritische Analyse der Computermetapher vornehmen. Am Montag, 8. Januar 2018, 19 Uhr, treffen Prof. Dr. Stefan Sorgner (Rom) und Prof. Dr. Michael Bordt unter dem Titel "Transhumanismus, Privatheit und die Integration von KI in den Menschen" aufeinander und am Montag, 22. Januar 2018, 19 Uhr, untersuchen Prof. Dr. Dieter Spath (acatech, München) und Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf die Zukunft der Arbeit.

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Hochschule für Philosophie München (D-80539 München)
Website: www.hfph.de/

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