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Filesharing-Dienste für Unternehmen

Dropbox beherrscht die Schatten-IT in vielen Unternehmen. Aber Geschäftskunden brauchen mehr Sicherheit, Performance und Integration. Diese Business-Anbieter sind die Besten.

14.10.2015 Michael Kurzidim

Mehr als nur Dropbox

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Filesharing-Dienste für Unternehmen bieten rollenbasiertes Rechtemanagement, SLAs, Backup- und Recovery-Strategien. (Foto: Andrey VP/Shutterst.com)

Filesharing fürs Business stellt höhere Anforderungen als Dropbox – obwohl der Anbieter nach wie vor bei vielen Unternehmen eingesetzt wird – leider oftmals an den Augen der IT-Verantwortlichen vorbei.

Filesharing ist eine Komponente des Enterprise-Content-Management-Systems. Ein rollenbasiertes Rechtemanagement, SLAs, sowie Backup- und Recovery-Strategien haben eine höhere Priorität als im privaten Gebrauch. Die Systeme müssen zwangsläufig skalieren, unabhängig davon, ob kleine oder große Dateien gespeichert, gelöscht, verschoben oder geteilt werden. Ein ausgewogenes Speicherkontingent pro User ist Pflicht. Trotzdem habe Dropbox wahrhaftig Pionierarbeit geleistet, betont Experton-Analyst Heiko Henkes in seiner Studie "Wie positionieren sich die Anbieter von Social Collaboration Filesharing in der Schweiz?". Die Ergebnisse sind auch für Unternehmen außerhalb der Schweiz, dem Partnerland der CeBIT 2016, interessant.

Die meisten Anbieter hätten sich von diesem Unternehmen eine dicke Scheibe abgeschnitten und kämpften an vielen Fronten gegen den heimlichen Verbreitungsgrad von Dropbox in den Firmen auf der ganzen Welt. Die Provider unterscheiden sich jedoch "deutlich im Funktionsangebot und auch in der automatisierten Steuerung der infrastrukturbezogenen Implementierungs-, Wartungs- und Serviceprozesse", urteilt Henkes.

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Dropbox: Der Dienst wird zwar in vielen Unternehmen eingesetzt, oft aber eher als Schatten-IT. (Foto: Dropbox)

Experton hat 14 Filesharing-Anbieter auf den Prüfstand gestellt. Davon haben sich sechs im Leader-Quadranten positioniert: IBM, Microsoft, Alfresco, Box, d.velop und HP. Das Anbieterfeld ist gemischt, es finden sich dort sowohl Anbieter aus dem Consumer-Markt als auch bekannten Unternehmen aus dem DMS-/ECM-Segment.

Dropbox wäre ganz sicher Leader im Quadranten Schatten-IT Filesharing. Experton beschränkte sich jedoch auf offiziell legitimierte und unter Compliance-Vorschriften eingesetzte Filesharing-Lösungen.

Bewertung der Anbieter

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Filesharing von IBM: Die Connections Files sind tief in die Connections Suite integriert und unterstützen auch mobile Plattformen. (Foto:IBM)

Microsoft führt in Sachen Wettbewerbsstärke, IBM punkto Portfolio-Attraktivität. IBM sei im Markt Social Filesharing in einer sehr guten Position, sagt Henkes. Das Unternehmen habe ein sehr gutes Enterprise-Content-Management-Portfilio und sei als multinationales Unternehmen ausgezeichnet in der Lage, international agierende Kunden mit transaktionalem Content zu bedienen. Zudem sei IBM in drei sehr sicherheitssensitiven Branchen tief verankert: der Finanzindustrie, der Versicherungsbranche und der öffentlichen Hand.

IBMs Connections Files sind tief in die Connections Suite integriert und bilden auch die Brücke zum SaaS-Portfolio, das IBM nach und nach auf Basis seiner Softlayer-Plattform aufbaut. "Kunden mit Passport-Advantage-Wartungsverträgen und -Produkten wie Domino Messaging/Collaboration Express, Domino Messaging/Enterprise CAL und CEO Communication haben automatisch Zugriff auf Connections Files und Profiles", betont Henkes. Ab Version 4.5 ist auch der mobile Ableger erhältlich. Durch die Kooperation mit Apple sind zudem viele innovative Lösungen für Kunden im Business-Umfeld zu erwarten.

Filesharing von IBM: Die Connections Files sind tief in die Connections Suite integriert und unterstützen auch mobile Plattformen. (Foto:IBM)

In der IBM-Welt nimmt das durchdachte Rechte- und Rollen-Management für den sicheren Zugriff einen hohen Stellenwert ein. Insofern sei die fehlende Anbindung schlanker und häufig in der Schatten-IT eingesetzter Lösungen wie Google Drive oder Dropbox nachvollziehbar, so Experton. "Unternehmen profitieren bei IBM vom Open-Source Know-how, den Backend-Administrationstools und der ungeheuren Kompetenz in Sachen Middleware", lautet das Fazit.

Microsofts Schwächen - keine "Show Stopper"

Bei Microsoft funktioniert Filesharing - ähnlich wie bei IBM - auf vielen Ebenen und mit vielen Werkzeugen. Experton hat für die Beurteilung SharePoint (online) in Kombination mit dem Cloud-Speicher OneDrive for Business und Office365 berücksichtigt. Für alle Unternehmen, die sich in der Microsoft-Welt bewegen und Windows (Server) und Office im produktiven Einsatz haben, werde es höchstwahrscheinlich keine tiefer integrierte und im Sinne des Return on Invest (ROI) optimalere Lösung zu Content/File Sharing geben, schätzt Henkes.

Wirkliche Killer-Argumente zum Wechsel auf den Stack eines Konkurrenz-Anbieters sieht Experton zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht - bei keinem Konkurrenten. Das Ass im Ärmel habe Microsoft über die langfristige Anbindung von Azure über Cloud OS beziehungsweise Azure in a Box, als Converged System oder als Hardware-Appliance von Dell. "Das Microsoft-Universum bietet Unternehmen die ideale Plattform für die alltägliche Arbeit", so das Fazit von Experton.

Lediglich beim mobilen Ableger lassen noch zwei Dinge zu wünschen übrig: die Datei-Ansicht und die Einbindung externer Dienste wie zum Beispiel WebDAV. Auch habe OneDrive for Business Probleme beim Sync-Prozess, was an einigen "kleinen Hürden im Cache-Management" läge. Dies seien jedoch keine "Show Stopper", meint Experton.

Technisch sieht es beim Filesharing-Anbieter Box sehr gut aus. Das Unternehmen garantiert eine hohe Verfügbarkeit und bietet Single SignOn Kompatibilität, Active Directory und LDAP-Anbindung, kontinuierliche Zertifizierungen und Netzwerkprüfungen. Das US-Unternehmen Box hat seinen europäischen Hauptsitz in London. Hierzulande könnte daher für sicherheitsbewusste Branchen wie die Finanzindustrie die nicht lokale Datenhaltung außerhalb der Landesgrenzen zum "Show Stopper" werden. Obwohl Box viel in Sicherheit investiert. Box richtet sich an Geschäftskunden, was auch Angebote zum Projektmanagement, zur Dokumentenverwaltung und zur Automatisierung von Arbeitsabläufen belegen.

Die Studie wurde allerdings vor der Entscheidung des Europäischen Gerichtshof zum so genannten Safe-Habour-Abkommen verfasst. Aktuell ist noch nicht absehbar, ob die richterliche Entscheidung auch Folgen für die Sharing-Angebote haben wird.