Startups

Erfolgreich als Plattform: Warum dieses Modell eine Schwäche hat

Viele erfolgreiche Startups der letzten Jahre haben eins gemeinsam: Sie vermitteln die Produkte und Dienstleistungen anderer Unternehmen über Plattformen, statt sie selbst zu produzieren. Ist das die Zukunft des Gründens?

05.01.2017

Mehr Startups mehr Innovation?

Startups bei der Arbeit
Startups greifen oft auf bewährte Muster zurück. Doch ist das genug für dauerhaften Erfolg? (Foto: iStock)

Die deutsche Startup-Szene freut sich weiter über konstanten Zuwachs. Alleine im ersten Halbjahr 2016 verzeichnete die Wirtschaft rund 95.200 Neugründungen von Kleinunternehmen. Sie lassen auf frische Ideen hoffen, die den etablierten Strukturen von Industrie und Wirtschaft neue Impulse für Fortschritt und Veränderungen geben.

Doch ist das wirklich so?

Die Realität sieht anders aus: Laut KFW-Gründungsmonitor 2016 zeichnet sich nur eine vergleichsweise geringe Zahl von Startups durch Innovationsgeist aus. Der überwiegende Anteil von 85 Prozent greift auf bewährte Ideen und Strukturen zurück. Die Geschäftsideen vieler Startups unterscheiden sich häufig nur in Nuancen.

Vermittlung als internationales Erfolgsrezept

Besonders beliebt bei Gründern ist das Plattformmodell. Hier nehmen die Jungunternehmer eine Vermittlerrolle ein und veräußern Produkte oder Services Dritter weiter. Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf den deutschen Raum: Ein Blick in die Top-15-Liste der finanzstärksten Startups des Inc. Magazine zeigt, dass sich dieser Trend weltweit abzeichnet. Airbnb? Vermittelt Zimmer. Uber? Vermittelt Fahrten und Taxi-Alternativen. Spotify? Vermittelt Musik. Der Lending Club? Vermittelt Kredite zwischen Privatpersonen. Die Liste ähnlicher Angebote ist schier endlos und erstreckt sich über unterschiedlichste Branchen. Das Plattformmodell ist eine Go-To-Lösung für Gründer zur Umsetzung eigener Ideen – und es funktioniert.

Chance und Gefahr zugleich

Wie kommt es dazu, dass so viele Startups auf das Erfolgsmodell Vermittlung zurückgreifen? Es bietet einen entscheidenden Vorteil: Das Gründen ist so einfacher denn je. Startups können auf ein etabliertes Modell zurückgreifen, sich an den Erfolgen und Fehlern von hunderten Vorgängern orientieren und vergleichsweise schnell und mit geringem Aufwand die erforderliche Technologiebasis im Hintergrund aufbauen. Das macht das Plattformmodell für junge Gründer planbar und attraktiv.

Diese Einfachheit ist aber noch lange kann kein Freibrief für Erfolg. Sie kann sich auch als zweischneidiges Schwert erweisen. Einerseits ermöglicht die niedrigere Einstiegsschwelle für Gründungen guten und zukunftsträchtigen Ideen einen recht reibungslosen Start. Auf der anderen Seite bedeutet die Einfachheit aber eben auch, dass eine Vielzahl an Kopisten in kürzester Zeit auf erfolgreiche Ideen und Geschäftsmodelle aufspringen. Das Resultat: Die Gründerszene wird überschwemmt von Produkten und Services, die sich nicht durch Innovation auszeichnen, sondern einfach nach dem Vorbild von Airbnb und Co. auf schnellen Umsatz hoffen.

Der Weg des geringsten Widerstands

Schuld daran sind aber nicht die Startups allein. Auch ihre Unterstützer sind mitverantwortlich. Investor Chamath Palihapitiya, der sich als Gründer von Social Capital einen Namen im Silicon Valley gemacht hat, findet im Interview mit Vanity Fair dafür klare Worte: "Wir sind nicht genug Risiko eingegangen und haben schlechte und wertlose Projekte finanziell unterstützt". Beide Seiten, Gründer und Investoren, zeigten häufig die Tendenz, den schnellen Erfolg zu suchen und deswegen den Weg des geringsten Widerstands zu nehmen. Bewährte Ansätze wie das Plattformmodell schaffen hierfür schließlich einen perfekten Rahmen. Gründer können Aufwand und Ressourcen sparen und sich ganz auf ihren wirtschaftlichen Erfolg konzentrieren: mehr Marketing, mehr Vertrieb, mehr Investoren.

Die USP als Quintessenz für langfristigen Erfolg

Die mangelnde Substanz eines Geschäftsansatzes lässt sich wirksam vernebeln. Welche Lehren können Gründer aus diesem Trend ziehen? Der wichtigste Faktor für den Durchbruch und dauerhaften Erfolg eines jungen Unternehmens ist seine Unique Selling Proposition (USP), sein Alleinstellungsmerkmal. Gründer müssen ihre Alleinstellungsmerkmale entwickeln und betonen, um aus der Masse von Startups hervorzustechen, die gleichzeitig ihre Chancen in einem bestimmten Marktumfeld suchen. Erst wenn es Startups gelingt, neben einer einzigartigen Idee auch eine langfristige Vision zu präsentieren, verschaffen sie sich die nötige Aufmerksamkeit, um vertrauenswürdige, starke Investoren zu gewinnen – und sich nachhaltig auf dem Markt zu etablieren.

SCALE11: Wo sich einzigartige Ideen entfalten können

Startups müssen nicht zwingend mit hunderten von Konkurrenten um die Gunst von Kunden und Investoren buhlen. Die SCALE11 2017, der Startup-Bereich der CeBIT, bietet Gründern die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen einem interessierten Fachpublikum vorzustellen und sich gleichzeitig Tipps von erfahrenen Branchenkennern einzuholen. Ein ideales Umfeld zur Eigenpräsentation und zum Knüpfen wertvoller Kontakte.

Alle Informationen zur SCALE11 gibt es hier.

Startups RSS Feed abonnieren