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Erfolg in der Nische: Erfrischend andere Startups

Eine gute Idee neu verpackt – das ist oftmals das Geheimnis erfolgreicher Startups. Aber an die Spitze schafft es nur, wer dabei auch noch die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpft. Drei Beispiele von Unternehmen, die alteingesessenen Platzhirschen in ihrer Branche das Fürchten lehren.

17.01.2017
Business Plan Gründerszene iStock
Mehr als nur eine Cashcow: Drei Startups, die abseits von ausgetretenen Pfaden erfolgreich sind.

Von der Digitalisierung bleibt keine Branche verschont. Aber kaum einem Wirtschaftsbereich weht seit einiger Zeit ein ähnlich strammer Wind ins Gesicht, wie der Finanzindustrie. Während Banken und Versicherungen mit einem eher angestaubten Image daherkommen, drängen innovative Finanzdienstleister auf den Markt und konkurrieren immer stärker mit den traditionellen Anbietern. Allein 433 sogenannte Fintech-Unternehmen zählt ein Gutachten des Bundesfinanzministeriums seit 2007 in Deutschland, davon sind knapp 350 aktuell geschäftstätig.

Weitaus erfolgreicher und auf Platz 1 der erfolgreichsten Fintech-Firmen weltweit ist der chinesische Online-Versicherer Zhong An. Im Gegensatz zu den klassischen Versicherungsunternehmen gibt es hier keinen Papierkram, keine Büros und keine Vertreter: Das gesamte Geschäft wickelt Zhong An ausschließlich online ab.

Maßgeschneiderte Produkte dank Big Data

Und das mit riesigem Erfolg. Rund 8 Milliarden US-Dollar ist das Unternehmen derzeit wert, knapp 370 Millionen Kunden halten Versicherungen von Zhong An. Zum Portfolio gehören mehr als 200 verschiedene Versicherungen – die sich zum Teil deutlich vom Angebot anderer Anbieter unterscheiden. So konnten sich die Chinesen im vergangenen Sommer etwa gegen Temperaturen von mehr als 37 Grad Celsius versichern, zur Fußballweltmeisterschaft 2014 bezahlte Zhong An seinen Kunden Geld , wenn sie beim Sport schauen zu viel getrunken hatten und deshalb ins Krankenhaus mussten.

Und seit kurzem kann man sich dort auch gegen Flugverspätungen versichern: Startet der Flieger später als prognostiziert, bekommen die Versicherten noch im Wartebereich Gutscheine aufs Handy geschickt, die sie am Flughafen einlösen können.

Neben diesen Nischenprodukten gibt es natürlich auch normale Versicherungen. Aber der Hintergedanke ist bei allen gleich: Der gesamte Versicherungsprozess ist digital. Das Ergebnis sind maßgeschneiderte Produkte, die auf der Basis von Big-Data-Analysen und Social-Marketing entstanden sind .

Mit der App zum günstigen Essen

Einen weit weniger aufwändigen Ansatz fährt das Startup Lunchit. Dabei geht es auf den ersten Blick schlicht ums Essen. Auf den zweiten Blick dreht sich dann aber doch wieder alles ums Geld. Denn der Ansatz der beiden Gründer Florian Gottschaller und Dr. Ralph Meyer ist mehr netto für Mitarbeiter von Unternehmen – und zwar vom Staat.

Die Idee: Mit steuerfreien Zuschüssen des Arbeitgebers zum Mittagessen lässt sich für beide Seiten bares Geld sparen. Bislang funktioniert das meist über sogenannte Restaurant-Schecks, die in manchen Gastronomiebetrieben eingelöst werden können. Lunchit dreht den Spieß um: Die Mitarbeiter können essen, wo sie wollen, und müssen lediglich mit dem Smartphone den Kassenzettel fotografieren. Alles andere übernimmt das Startup. Der Arbeitgeber bekommt am Ende des Monats eine steuerkonforme Rechnung, die laut eigenen Angaben vom Finanzamt abgesegnet ist. „Das Schöne ist: Sie können überall essen gehen, solange Sie den Beleg mitbringen. Vom Kaffeehaus über Aldi oder Lidl, bis hin zum Fünf-Sterne-Restaurant", erklärt Gründer Florian Gottschaller. Eine Erstattung von bis zu 120 Euro netto monatlich sei damit möglich.

Die Kombination macht den Unterschied

Während sich Lunchit um bessere Bezahlung kümmert, mischt das Startup ProGlove die Arbeit an sich auf: Mit der Kombination aus intelligentem Arbeitshandschuh und Scanner will der Anbieter vor allem im Bereich Logistik die Arbeitsweise revolutionieren. Die Idee: Statt mit zusätzlichen Geräten sollen Arbeiter einfach per Hand Informationen aus Maschinen auslesen, Temperatur oder Strom messen. Dazu integriert das Startup verschiedene Sensoren in einen Handschuh. Ein Display zeigt die Daten an und kann direkt Feedback geben – also zum Beispiel ansagen, ob Arbeitsschritte richtig ausgeführt oder Fehler gemacht werden.

Mit diesem Ansatz räumten die beiden Gründer Thomas Kirchner und Paul Günther nicht nur den deutschen Gründerpreis 2016 ab, sondern gewannen auch etliche Kunden aus der Industrie, vor allem der Automobil- und Zulieferbranche. Der Maschinenbauer Festo etwa spielt bereits mit dem Gedanken , das Wearable weltweit in seinen Niederlassungen einzusetzen. Für ein Startup, das erst seit knapp zwei Jahren existiert, ein eindrucksvolles Ergebnis.

SCALE11: Erfolgschance für Nischen-Startups

Was alle drei Beispiele auszeichnet: Keiner der genannten besticht durch völlig neue Ideen oder noch nie dagewesene Technologie. Aber statt einfach nur ein Me-too-Produkt oder die nächste App auf den Markt zu werfen, haben sie ihre Nische genau analysiert und das richtige Werkzeug für einen offensichtlich danach dürstenden Markt entwickelt – und dabei voll auf die Digitalisierung gesetzt. Eine erfolgversprechende Kombination.

Auf der SCALE11 im Rahmen der CeBIT präsentieren sich aufstrebende Startups aus aller Welt. Unternehmen, egal ob groß oder klein, prüfen Kooperationsmöglichkeiten mit innovativen Geschäftsmodellen, um auch weiterhin immer den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Im vergangenen Jahr waren 350 ausstellende Startups aus 40 Nationen vertreten.

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