Startups

Ein sauberer Start

Mit einer mobilen App will Gründerin Sandra Herbst das Hygienemanagement für Lebensmittelbetriebe vereinfachen. Der Anfang ist vielversprechend.

07.03.2016
Hygiene App
Sandra Herbst, Gründerin und Geschäftsführerin der HygieneApp GmbH

Sandra, es ist nichts Neues, dass Bäckereien oder Metzgereien für Hygiene sorgen und das auch dokumentieren müssen. Welches Problem soll eure HygieneApp lösen?

Ich komme familiär aus dem "Bäckerei-Umfeld" und habe damals direkt miterlebt, wie aufwendig etwas scheinbar so Simples wie das Planen, Nachverfolgen und Dokumentieren von Reinigungen ist. Das ist die reinste Zettelwirtschaft. Man druckt ständig Pläne aus, schickt sie hier hin und dort hin, dann bleibt mal etwas liegen, ein Nachweis geht verloren … Wenn dann der Prüfer von der Kontrollbehörde kommt, ist man ordentlich am Rotieren. Mir wurde damals klar: Wenn man diesen ganzen Prozess digitalisiert, kann man unheimlich Zeit sparen – und damit natürlich auch Geld.

Damals?

Tatsächlich hatte ich die Idee bereits vor zehn Jahren. Aber es gab zu dieser Zeit nur PC-Software und Kassensysteme – beides zu unpraktisch. Die neue Lösung sollte komfortabel sein, einfach, mobil. Als dann die Tablet-Revolution kam, schien mir die Zeit reif zu sein. Also habe ich einen Businessplan geschrieben, ein Entwicklerteam zusammengestellt und die HygieneApp GmbH gegründet. Das war im Mai 2015. Bereits im Juli hatten wir unseren ersten Kunden.

Eine App-Entwicklung kann teuer werden. Wie hast Du den Start finanziert?

Das war in erster Linie Eigenkapital. Ich habe Crowdfunding versucht, aber ehrlich gesagt: Das ging komplett in die Hose! (lacht) Es war anfangs schon sehr hart. Manchmal wussten wir nicht, wie wir eine Rechnung zahlen sollten. Aber das gehört dazu. Man muss sich durchbeißen und darf nicht in Schönheit sterben. Soll heißen: Viele IT-Startups versuchen, ein perfektes Produkt zu entwickeln – das dann nie fertig wird oder am Markt vorbeigeht. Mir war immer wichtig, ganz nah an den Bedürfnissen der Kunden zu sein. Das war richtig, kann ich jetzt nach einem knappen Jahr sagen. Wir haben beispielsweise in den vergangenen Monaten weit weniger Minus gemacht als zunächst realistisch kalkuliert.

Tatsächlich habt ihr heute bereits 14 Kunden, vom kleinen Fleischer bis zur großen Bäckereikette. Wie kam es dazu?

Da ich aus dem Metier komme, kenne ich viele Gastronomen und Lebensmittelbetriebe. Ich hatte also bereits ein Netzwerk und das ist sicher ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor für jedes Startup. Dann haben wir mit der App noch den 3. Platz beim IDEE-Wettbewerb des Kaffeekonzerns J. J. Darboven erzielt. Die so erreichte Aufmerksamkeit war enorm hilfreich. Allein über unsere Website bekommen wir heute täglich mehrere Anfragen potenzieller Neukunden. Aber wir ruhen uns auch nicht aus, sondern arbeiten bereits an weiteren Modulen. Als nächstes steht das Thema Qualitätskontrollen auf dem Programm.

Ihr präsentiert euer Startup im März auf der SCALE11, der Startup-Plattform der CeBIT in Hannover. Was erhofft ihr euch davon?

Vor allem neue Kontakte knüpfen. Das ist einfach das Wichtigste, gerade wenn das eigene Unternehmen noch jung ist. Jede Partnerschaft ist enorm viel wert. Sie verstärkt die Wertschöpfungskette. Inzwischen haben wir beispielsweise einen Partner, der ein Zusatzmodul für unsere App entwickelt. Wir haben Whitelabel-Anfragen, Kunden möchten ihr eigenes Branding in die App integrieren. Für all solche Dinge ist der persönliche Austausch unersetzlich – trotz der vielen Vorteile der digitalen Welt.

Mehr zur HygieneApp GmbH und zur SCALE11

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