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Ein halbes Jahr länger leben

Experten rechnen mit zehnfachem Marktwachstum für Wearables – und mit einer Revolution des Gesundheitswesens.

15.12.2014

Wie mobile Mini-Computer der Gesundheit nützen

wearables

Nur ein kurzlebiger Trend? Von wegen. Die sogenannten Wearables – am Körper getragene Mini-Computer wie beispielsweise Smartwatches – verkaufen sich besser als je zuvor. Branchen-Experten prophezeien ihnen eine glorreiche Zukunft. Kürzlich sprang Microsoft mit dem Microsoft Band erfolgreich auf den Wearables-Zug auf: die Mischung aus Smartwatch und Fitnessarmband funktioniert plattformübergreifend und war vermutlich nicht zuletzt deshalb binnen weniger Tage ausverkauft. Dasselbe dürfte in Kürze für die Apple Watch gelten, deren Marktstart für das erste Quartal 2015 angekündigt wurde.

Mit den Dickschiffen Microsoft und Apple sind zwei Player auf dem noch jungen Wearables-Markt, die dem Trend zu mobilen Datensammlern deutlich vorantreiben. Das Marktforschungsunternehmen ABI Research rechnet damit, dass sich der Markt für Wearables bis 2019 verzehnfacht und sieht nicht nur für Fitness-Freaks, sondern vor allem für medizinische Diagnosegeräte und Sportsensoren eine große Zukunft. Die großen Technologie-Unternehmen sprechen gar von einer "Revolution des Gesundheitswesens".

Drei Schritte für ein längeres Leben

Wie soll die aussehen? Die Prognosen der Gesundheitsexperten lassen sich in drei Stufen der Automatisierung unterteilten. Stufe eins ist in Teilen bereits erreicht: Wearables liefern dem Nutzer gesundheitliche Messdaten, beispielsweise zur Herzfrequenz, dem Schlafverhalten oder der Körpertemperatur. Für die Auswertung ist der Nutzer selbst verantwortlich. Er kann so herausfinden, welche Faktoren sein Wohlbefinden beeinflussen und diese entsprechend der Messungen anpassen.

Auf Stufe zwei funktionieren die Diagnosegeräte wie das Alarmsystem in einem Auto: Der Mensch muss die Daten nicht mehr selbst interpretieren. Das Diagnosegerät meldet sich, sobald Ungereimtheiten im Herzrhythmus oder den Blutwerten auftauchen – ansonsten hat der Nutzer seine Ruhe.

Auf Stufe drei werden die Messwerte direkt zum Arzt übermittelt. Der Patient muss also nicht mehr in eine Praxis gehen, um bestimmte Tests durchzuführen, sondern nimmt die Messungen selbst vor und schickt lediglich die Ergebnisse zum Arzt.

Eine nie gekannte Fülle an Patientendaten

Derartige Entwicklungen könnten das gesamte Gesundheitssystem erneuern: Zum einen wäre eine 24-Stunden-Beobachtung, Analyse und Betreuung von Patienten über die Distanz möglich. Zum anderen könnte eine nie gekannte Fülle von Daten dazu führen, dass Behandlungsmethoden perfektioniert und auf einzelne Patienten ganz individuell abgestimmt werden.

Die Central Krankenversicherung in Köln nutzt bereits die Möglichkeiten mobiler Technologien zur Gesundheitsvorsorge: Sie stattet Diabetes-Patienten mit Smartphones und Blutzuckermessgeräten aus. Damit protokollieren die Patienten alle krankheitsrelevanten Daten und übermitteln sie direkt an Fachleute. Die drängendste Herausforderung für die Hersteller derzeit: eine Möglichkeiten, den Blutzucker von Wearables auf nicht invasive Weise messen zu lassen. Damit ließen sich die Werte mit nur einem Gerät aufnehmen, dokumentieren und kommunizieren.

Die Folge: ein längeres Leben.

Das prognostiziert zumindest das Marktforschungsinstitut Gartner. Einer aktuellen Untersuchung lassen Wearables, die medizinisch relevante Daten messen, die Lebenserwartung in den Industrienationen um sechs Monate ansteigen. Bereits im Jahr 2020 sollen sie zudem die Behandlungskosten von Diabetes um zehn Prozent gesenkt haben.

Welche Trends das nächste Jahr in Sachen Wearables und mobile Technologies bereit hält, erfahren Sie auf der CeBIT 2015.

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