Internet of Things

Drei Fragen, die Unternehmen umtreiben

Cloud, Big Data, M2M, Sensorik und Security – das sind die Trends der Digitalisierung. Jeder Bereich ist für sich in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch nun wachsen die Technologien zu einem Megatrend, dem "Internet der Dinge", zusammen - und krempeln ganze Branchen um.

07.03.2016 Reinhard Clemens - Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, T-Systems.
Reinhard Clemens

Alles wird digital, keine Dienstleistung und kein Prozess bleibt analog. Kein Unternehmen vom digitalen Wandel unberührt. Denn der Privatkunde ist längst in der digitalen Welt zu Hause. Er will Produkte und Dienstleistungen von überall, schnell und individuell bekommen. Mit diesem Wunsch katapultieren er sich vom Ende der Produktionskette in den Produktionsprozess hinein. Er will wissen, wo sein Paket gerade ist und wann die Pizza geliefert wird, die er per App bestellt hat.

Alle Unternehmen, mit denen ich spreche, wollen drei Dinge wissen. Vor allem: Wie kann ich neue Geschäftsmodelle entwickeln? Zweitens: Welche "smarten Services" muss ich anbieten, um Kunden zu halten und zu gewinnen. Und nicht zuletzt: Wie kann ich damit meinen Gewinn steigern ?

Licht in den IT-Dschungel bringen

Die erste Frage macht deutlich: Unternehmen sind auf der Suche nach einer neuen digitalen Identität. Und sie brauchen Unterstützung dabei. Für ICT-Anbieter geht es nicht mehr nur darum, Produkte zu verkaufen; es geht darum, eine Beziehung zum Kunden aufzubauen, ihn umfassend zu betreuen und die Digitalisierung einfach zu machen. Wer Kunden alles aus einer Hand bieten kann, von Netz bis Software, ist im Vorteil. Denn der Markt ist gigantisch - und gigantisch unübersichtlich.

Innerhalb von 20 Monaten hat sich die Anzahl der Unternehmen, die Lösungen für das Internet der Dinge (IoT) anbieten, verdreifacht. Wir sprechen mittlerweile über mehr als 2.000 IoT-Anbietern, die den Markt mit ihren Lösungen überschwemmen. Und umkrempeln.

Disrupt or be disrupted

Die Antwort auf Frage 2 lautet: Schau, was um dich herum passiert. Nicht nur in Deutschland. Und entwickele deine Produkte nah am Kundenanspruch. Wer den Weitblick nicht hat und die wachsende Konkurrenz aus anderen Branchen unterschätzt, guckt früher oder später in die Röhre. Wie Kodak, das die digitale Fotografie lange ignoriert hat. Airbnb rollt die Hotellerie auf, ohne in ein einziges Bett zu investieren. Das Unternehmen ist eine ernstzunehmende Gefahr für Hotelketten geworden.

Auch in der Automobilindustrie prallen die Welten aufeinander: Die "traditionelle" Welt der bewährten Hersteller, die vom Produkt her denken, und die "neue" Welt der Internetkonzerne, die von der Vernetzungstechnologie kommen. Rund um den Globus entstehen gerade Teststrecken für das autonome Fahren. Den Startschuss für dieses Konzept hat vor sechs Jahren ausgerechnet Google gegeben. Hier wird klar: Die Digitalisierung diktiert das Tempo und nicht wie bisher die Branchengrößen.

Bedenkt man, wie viel Zeit wir auf vier Rädern verbringen, macht es Sinn, Autos digital aufzurüsten. Laut McKinsey sitzen US-Amerikaner pro Jahr 750 Stunden hinterm Steuer, Europäer etwa 300. Während sie nur wenige Stunden pro Jahr im Autohaus verbringen. Im Auto entstehen zukünftig völlig neue Möglichkeiten der Kundenbindung. Und damit auch Umsatzpotentiale - womit wir bei Frage 3, der Gewinnsteigerung, angekommen sind.

Bis zu 50 Prozent Einsparung durch IoT

Ein Beispiel aus dem Bereich der vorausschauenden Wartung: Ein weltweit führender Anlagenbauer muss mehr als eine Million Maschinen mehrmals im Jahr warten. Die Service-Mannschaft ist riesig. Deshalb möchte der Konzern den Zustand der Maschinen möglichst "remote" überwachen. Schäden und Abnutzung sollen von der "intelligenten Anlage" automatisch gemeldet werden, mithilfe von Sensoren und natürlich nur über die Cloud. Spannend wird es, wenn Data-Analytic-Lösungen aus den vielen Statusmeldungen typische Verläufe erkennen und sich dadurch Schäden voraussagen lassen, bevor sie entstehen.

Mit "predictive Maintenance" kann der Hersteller bis zu 50 Prozent seiner Wartungskosten einsparen. Welche Technologie braucht man dafür?

Netz, Cloud und Data Analytics –die Mischungs macht's

Das Grundrezept für alle Vernetzungskonzepte lautet: Netz, Cloud-Plattformen und Data-Analystics-Lösungen. Beim branchenübergreifenden Konzepten wie dem autonomen Fahren gibt es eine Besonderheit: Nicht irgendeine IT-Plattform ist gefragt, sondern nur eine einzige. Ein Standard, der alle Daten - von den Autos und der Umgebung - in eine Sprache übersetzt, die jedes Auto versteht. Je größer dabei die vorhandene Datenbasis, desto genauer und fehlerfreier sind die Aussagen: Ein soeben entstandenes Stauende kann beispielsweise in Echtzeit an alle herannahenden Fahrzeuge gesendet werden, um gegebenenfalls unfallvermeidende Bremsvorgänge auszulösen. Eine Übertragungsverzögerung von Millisekunden kann schon gefährlich sein.

Deshalb bauen wir das LTE-Netz kontinuierlich und europaweit aus und arbeiten an neuen Mobilfunkstandards wie 5G oder an Spezifikationen für die Kommunikation vernetzter Fahrzeuge. Der nächste Vernetzungsstandard, die eSIM, steht auch schon in den Startlöchern. Im Gegensatz zur SIM-Karte ist sie aus der Ferne programmierbar und kann alle vernetzten Geräte eines Kunden - inklusive Auto - schnell miteinander verbinden.

Das Netz der Zukunft

Um eine durchgängig hohe Netzqualität zu gewährleisten, braucht es die enge Zusammenarbeit der Telekommunikationskonzerne. Ein gutes Beispiel ist die neue Netzallianz ngena, die die Telekom für Geschäftskunden gegründet hat. Mit Hilfe von Cloud- und Virtualisierungs-Technologie verknüpft ngena die Netze aller Partner-Unternehmen zu einem Weltnetz.

Was hat der Kunde davon? Viele Geschäftskunden haben Standorte in mehreren Ländern. Sie wollen Netzverbindungen leicht einrichten und managen. Am liebsten mit einem einzigen Telekommunikations-Anbieter. Aber keiner hat ein lückenloses Netz. Das Geschäftsmodell von ngena löst dieses Problem und ist im Großkundenmarkt einzigartig.

Wir stehen erst am Anfang einer digitalen Reise, die Wandlungsfähigkeit, Offenheit und Schnelligkeit erfordert. Wer den Wunsch des Kunden bedienen will, muss diese Tugenden mitbringen. Sonst bleibt seine digitale Welt ein Dorf.

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