Digitale Transformation

Digitalisierung ohne Kulturwandel funktioniert nicht

Auf Technologie zu setzen ist wichtig. Aber ohne eine Unternehmenskultur, die Mitarbeiter in Veränderungsprozesse einbindet, klappt die Digitalisierung trotzdem nicht, sagt eine Studie von Capgemini.

17.10.2017 Quelle: t3n Ekki Kern
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Studienteilnehmer nach Ländern (Grafik: Capgemini)

Eine digitale Unternehmenskultur sorge für höhere Gewinne und zufriedenere Mitarbeiter, lautet ein Ergebnis der Studie "Culture First! Von den Vorreitern des digitalen Wandels lernen" des Beratungsunternehmens Capgemini Consulting, die sich mit dem Wandel zum digitalen Unternehmen beschäftigt.

Technologie, heißt es dort, sei für diesen Prozess "zwar notwendige Voraussetzung", aber eben "nicht allein maßgebend". Um die Digitalisierung erfolgreich voranzutreiben, sagen die Studienautoren, bedürfe es einer festen Verankerung der digitalen Strategie in der Unternehmenskultur und wirkungsvoller Ansätze, "um Befürchtungen der Mitarbeiter zu zerstreuen".

Bestehende Verhältnisse oft zementiert

Die Umsetzung dieses möglicherweise wesentlichen Ziels klappt jedoch offenbar nicht immer auf Anhieb. Häufig, legt die Studie nahe, würden die bestehenden Verhältnisse "vehement verteidigt", obwohl 72 Prozent der deutschen Befragungsteilnehmer (international: 62 Prozent) die etablierte Unternehmenskultur als "eines der größten Hemmnisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation" betrachten.

Das heiße, wie die Studienautoren ausführen: Wenn die Digitalisierung in Unternehmen einen messbaren Mehrwert erzeugen solle, dann schaffe die Technik lediglich die nötigen Voraussetzungen. Obendrein müsse aber auch die Unternehmenskultur entsprechend verändert werden, damit Führungskompetenzen sowie Einstellung und Verhalten der Mitarbeiter in den digitalen Kontext passen.

Nicht jedes Unternehmen sei in dieser Beziehung erfolgreich, zeigt der qualitative Teil der Studie. Ein Großteil, nämlich 80 Prozent der fortschrittlicheren Firmen, mache die Digitalisierung und die digitale Kultur zur Chefsache, während der Rest diese Aufgabe zu 90 Prozent an Fachabteilungen abgebe.

Vertrauenskultur gefragt

Bessere Ergebnisse erziele jedoch ein sogenannter Top-Down-Ansatz, bei dem die Geschäftsleitung federführend agiert. "Viele Unternehmen messen dem Faktor Mensch noch zu wenig Bedeutung bei. Als besonders erfolgreich auf dem Weg zum digitalen Unternehmen erweisen sich Betriebe, die diesen Aspekt ebenso stark berücksichtigen wie die Technologie selbst. Sie passen den Führungsstil an und schaffen eine Vertrauenskultur, die Fehler zulässt und die Mitarbeiter frühzeitig in Veränderungsprozesse einbindet", sagt Claudia Crummenerl, Head of Executive Leadership und Change bei Capgemini.

Eine mangelnde Kommunikation mit den Mitarbeitern und ein unzureichender Umgang mit deren Befürchtungen würden hingegen bremsen und für Unsicherheit sorgen. "Nur, wer die Vorteile der Digitalisierung allen Mitarbeitern glaubhaft darlegt, löst die Furcht vor der Veränderung auf und schafft die Einsicht dafür, dass die Neuerungen allen nutzen", sagt die Expertin.

Ressourcen für Coachings und Trainings

Darüber hinaus weisen die Studienergebnisse darauf hin, dass digital fortschrittliche Unternehmen in ihre Mitarbeiter investieren und Ressourcen für entsprechende Coachings und Trainings sowie Wissensmanagement zur Verfügung stellen.

Außerdem würden Unternehmen ihren digitalen Charakter fördern, indem sie mehr Talente mit "starkem digitalem Kulturverständnis" anheuern, wie es heißt. Neue Ansätze, die Fortschritte messbar machen, dienten zusätzlich als Erfolgsbeleg und seien Motivationshilfe für weitere Schritte.

Die vielleicht gute Nachricht für so manches etwas abgehängte Unternehmen: Längst nicht alle digitalen Kompetenzen können und müssen bereits in der Firma vorhanden sein, beruhigen die Studienautoren. In Deutschland würden daher rund ein Drittel der Großunternehmen mit Startups zusammenarbeiten.

Auch für Mittelständler könnten Zukäufe oder ein entsprechendes Netzwerk Wege sein, um früher an Innovationen zu gelangen und wichtige Erfahrungen mit einer digitalen Kultur zu sammeln, heißt es in der Studie. Neu gegründete digitale Geschäftseinheiten, die Teile oder das gesamte Digitalgeschäft bündeln, würden dem kulturellen Wandel ebenfalls den Weg ebnen.

"Trial and Error" als Erfolgsrezept?

Jedes zweite Unternehmen, nämlich 50 Prozent, mit einer ausgeprägten digitalen Kultur führe eine solche Geschäftseinheit ein und passe ihre Prozesse an. Demgegenüber habe keine einzige der befragten Firmen mit gering ausgeprägter digitaler Kultur eine digitale Geschäftseinheit aufgebaut.

Grundsätzlich könne eine entsprechende Organisationsstruktur dabei helfen, neue Ansätze auszuprobieren. Laufe irgendwann alles wie beabsichtigt, so könne das Gelernte dann auf die gesamte Organisation ausgerollt werden, schlagen die Autoren vor.

Man spreche bei der Digitalisierung von der Umstellung der gesamten Organisation auf das digitale Zeitalter, heißt es von Capgemini. Für Unternehmen bedeute das nicht weniger, als "kulturell neue Schaltkreise einzuziehen, neu zu denken und neu zu interagieren". "Ohne den Willen und die Unterstützung aller Mitarbeiter kann das nicht funktionieren", sagt Claudia Crummenerl.

Für die Studie sind qualitative Interviews mit 20 Wissenschaftlern und Vorreitern der digitalen Transformation geführt worden. Darüber hinaus wurden 1.139 Arbeitnehmer „verschiedenster Branchen” aus mehr als zehn Ländern und zehn Experten aus digital fortschrittlichen Unternehmen befragt. Das Forschungsprojekt ist eine Weiterführung der globalen DTI-Studie "The Digital Culture Challenge: Closing the Employee-Leadership Gap".

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