Digitale Transformation

Digitale Transformation mit Hindernissen

funkschau hat zusammen mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) eine Umfrage unter Mittelständlern durchgeführt, die einen interessanten Einblick in deren Digitalisierungsprozess verschafft. Noch gibt es zahlreiche Hemmschwellen, die den Prozess verlangsamen.

13.10.2017 Quelle: funkschau Stefan Adelmann
Digitalisierung_Mittelstand
Bildquelle: funkschau

Die meisten mittelständischen Unternehmen stehen der Digitalen Transformation grundsätzlich positiv gegenüber. Das ergab eine gmeinsame Umfrage von funkschau und BVMW unter deutschen Mittelstandsentscheidern aus den unterschiedlichsten Branchen – von Handwerk über Marketing und Handel bis hin zu Maschinenbau – deren Ergebnisse zwar nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Mittelständler sind, und doch einen mehr als spannenden Einblick in ihre Digitale Transformation gewähren. So erklärten rund 79 Prozent der über 420 Teilnehmer, dass sie in der Digitalisierung viel Potenzial sehen, nur etwa vier Prozent erwarten sich keinerlei Vorteile oder Folgen von der aktuellen Entwicklung. Die Entscheider berichten dabei von der Stimmungslage aus Unternehmen der unterschiedlichsten Größenordnung. Während ein großer Teil (knapp 40 Prozent) in Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten arbeitet, sprechen rund 20 Prozent der Teilnehmer für Unternehmen mit elf bis 99 und über 26 Prozent für Unternehmen mit 100und mehr Mitarbeitern. Es sind also längst nicht nur Konzerne, die sich mit der Thematik Digitalisierung auseinandergesetzt haben und diese selbst vorantreiben.

Während viele der Teilnehmer der Digitalisierung im Grunde sehr positiv und aufgeschlossen gegenüberstehen, sind sich noch nicht alle Unternehmen in Hinblick auf die Effekte der voranschreitenden Transformation einig. Knapp die Hälfte der Befragten (45,5 Prozent) bewertet die zunehmende Technisierung der Prozesse als entscheidenden Faktor für den eigenen Erfolg, rund 22 Prozent können den Einfluss auf den Betrieb hingegen noch nicht bemessen. Keinerlei Effekte auf den eigenen geschäftlichen Erfolg erwarten anscheinend aber nur die wenigsten Unternehmen. Lediglich 4,5 Prozent gehen von einem ausbleibenden Einfluss aus.

Noch heterogener fällt die jeweilige Höhe der Investitionen in die eigene Digitalisierung aus. Während elf Prozent der Befragten über zehn Prozent des Umsatzes für Digitalprojekte ausgeben, bilden die größte Gruppe mit rund 24 Prozent die Unternehmen, die zwei bis fünf Prozent investieren. Gleich dahinter folgen mit mehr als 22 Prozent die Teilnehmer, die aktuell zwei Prozent des Umsatzes oder weniger in die Hand nehmen.

Die Technik ist komplex, unverständlich

In Zukunft wollen die Mittelständler die Ausgaben für Technologien, Schulungen und andere Teilbereiche der Digitalisierung aber erhöhen. So wächst der Anteil jener Unternehmen, die in Zukunft mehr als zehn Prozent investieren wollen, von elf auf 13 Prozent. Teilnehmer, deren Betriebe planen, zwischen fünf und zehn Prozent auszugeben, machen rund 21 Prozent aus. Bei den aktuellen Investitionen hat diese Gruppe hingegen nur einen Anteil von 15 Prozent.

Einen interessanten Einblick in den Prozess hat auch die Frage ermöglicht, in welchen Bereichen und Abteilungen aktuell schon digitale Werkzeuge und Methoden zum Einsatz kommen. Entsprechend der unterschiedlichen Branchen waren die freien Antworten enorm vielfältig. Schwerpunkte sind jedoch die Unterstützung des Vertriebs durch Tools für Kundenakquise- und -datenerfassung wie beispielsweise CRM-Systeme, Datenspeicherung, Digital- und Online-Marketing, Webauftritte, onlinebasierte Trainings sowie automatisierte Produktionsprozesse und Lösungen für die in- sowie externe Kommunikation. In Ausnahmefällen sollen sogar schon alle Prozesse des Unternehmens digitalisiert sein. "In nahezu allen Bereichen. Von der Werbung über die Speicherung der Kommunikation mit Kunden bis zum Dokumentenmanagement", schreibt ein Teilnehmer. Das Unternehmen habe ein nahezu papierloses Büro. Ein weiterer Befragter sagt: "Unser Unternehmen setzt fast zu hundert Prozent auf Digitalisierung. Das betrifft sogar die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander als auch die Kommunikation mit unseren Kunden." Nur der Kaffee und der Tee seien noch nicht digitalisiert, schreibt der Teilnehmer. "Wir arbeiten aber daran." Die Einsatzszenarien der Werkzeuge sind vielfältig, teilweise handelt es sich sogar um branchenspezifische Speziallösungen. Nur einer der Befragten gab hingegen an, dass in seinem Unternehmen aktuell noch keine digitalen Lösungen zum Einsatz kommen würden.

Sorgen und Nöte

Die Erwartungen an die Digitalisierung scheinen unter funkschau-Lesern und BVMW-Mitgliedern hoch, die Stimmung in Hinblick auf die Transformation gleichzeitig sehr positiv. Noch gibt es aber zahlreiche Bedenken und Hemmschwellen im deutschen Mittelstand, die es zu überwinden gilt. So geben viele Teilnehmer Security, Datenschutz und Kontrollverslust über die eigenen Daten, Kosten, Zeit oder den hohen Implementierungsaufwand als ausbremsende Gründe an. Ein Teilnehmer kritisiert hingegen, dass es sich bei der Digitalisierung aktuell hauptsächlich um ein Schlagwort handeln würde, Beispiele für eine konkrete Umsetzung sollen hingegen noch fehlen. Darüber hinaus ist die Netzverfügbarkeit ein entscheidender Punkt. Immerhin sind knapp 20 Prozent der Befragten mit ihrem Breitbandanschluss nicht zufrieden oder es herrsche in der Region sogar "Internet-Notstand".

Nicht zuletzt gaben zahlreiche Teilnehmer der Umfrage an, dass viele Digitalisierungsbestrebungen aktuell noch an den Mitarbeitern scheitern würden, die teils nur wenig Motivation aufbringen oder nicht offen für Neues sein sollen. "Die Technik ist komplex, unverständlich", so der eine Teilnehmer, ein anderer schreibt: "Es ist schwierig am Ball zu bleiben und nach Weiterentwicklungen nicht stehenzubleiben."

Gerade die Frage nach den Bedenken und Hemmschuhen zeigt besonders eindrücklich, wie gespalten der deutsche Mittelstand beim Thema Digitalisierung teils noch ist. Während die einen Teilnehmer ein schnelleres Entwicklungstempo in Deutschland fordern, um international nicht den Anschluss zu verlieren, hinterfragen einige Unternehmen den Nutzern der Digitalisierung gänzlich oder kämpfen mit der zunehmenden Komplexität der technologischen Welt. Hier ist der gesamte Markt gefragt, um etwaige Vorbehalte abzubauen, die Digitale Transformation in alle Branchen zu tragen und letztlich zu verhindern, dass der Graben zwischen digitalen Vorreitern und technischen Nachzüglern zu weit aufklafft.

Zur Umfrage:

Die funkschau und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) haben zwischen dem 29. Juni 2017 und dem 31. August 2017 Mitglieder sowie Leser über die Online-Plattform funkschau.de zur Digitalisierung im Mittelstand befragt. Insgesamt 426 Personen aus Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen haben teilgenommen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, ergeben jedoch einen interessanten Einblick und ein aussagekräftiges Stimmungsbild.

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