Artificial Intelligence

Die Zukunft der Suche: Das kann der Google Assistant

Mit dem Google Assistant will Google den Umgang mit Smartphones revolutionieren. Aber was genau ist dieser Assistant eigentlich?

20.10.2016 Andreas Floemer

Mit seinem Assistant hat Google die Absicht, ein individualisiertes Google-Erlebnis für jeden Nutzer anzubieten. Zwar bieten die Google-Suche und Google Now Ansätze in diese Richtung, mithilfe der integrierten künstlichen Intelligenz kann der Google Assistant aber als eine Art "Google Now auf Speed" verstanden werden – mit der Zeit lernt der Assistent den Nutzer besser kennen und passt sich seinen Interessen an. Darüber hinaus ist der Assistant darauf optimiert, Befehle und Anfragen per Sprache zu erhalten, wenngleich im Allo-Messenger auch per Text Anfragen gestellt werden können.

Mit der geballten Sammlung des Google-Wissens im Rücken ist der Assistant dazu in der Lage, auf Fragen zu antworten – ein konversationaler Austausch ist im Ansatz möglich. Das bedeutet, dass der Nutzer während einer Unterhaltung mit dem Assistant den Bezugsrahmen nicht stets erneut festlegen muss. Wenn er beispielsweise nach Filmen mit Til Schweiger sucht, aus der aufgeführten Liste anschließend einen bestimmten Film auswählt und anschließend fragt: "Wer ist der Regisseur?", kommt umgehend eine Antwort, ohne weitere Informationen zum Kontext zu geben. Die Konversation kann unendlich fortgesetzt werden: Der Nutzer kann sich Fotos anzeigen lassen oder erfahren, mit wem der Regisseur verheiratet ist, und sich im Assistant auch einen Filmtrailer von "Honig im Kopf" einspielen lassen.

Der Assistant ist selbstredend mit anderen Google-Apps wie Kalender, Fotos oder Maps verbunden. Entsprechend kann der Nutzer im Assistant Termine und Erinnerungen erstellen oder sich in Google Maps auf einer Route liegende Cafès, Restaurant oder Tankstellen einblenden lassen. Einige Funktionen sind zum Deutschlandstart noch nicht nutzbar, sollen aber im Laufe der kommenden Monate verfügbar gemacht werden – wie zum Beispiel die Suche nach Fotos aus einem bestimmten Zeitraum oder Kontext.

Das ist aber bei Weitem nicht alles, wozu der Assistent verwendet werden kann. Auf einer Übersichtsseite zum Amazon-Echo-Konkurrenten Google Home findet sich ein Überblick der verfügbaren und kommenden Funktionen, Partner und unterstützten Apps . Den Angaben zufolge können Nutzer bald Begriffe übersetzen, Rechenaufgaben lösen, aktuelle Termine zusammenfassen, aber auch Medieninhalte wiedergeben lassen – zum Beispiel per Chromecast . Google Home kann im Speziellen dabei helfen, über Heimvernetzung das Licht und die Temperatur zu regeln. Dagegen ist noch nicht vorgesehen, über den Assistant Einkäufe möglich zu machen.

Das langfristige Ziel Googles ist es, die Interaktion mit technischen Geräten zu vereinfachen. Das Unterfangen verfolgt Google schon mindestens seit 2011 mit dem Project Majel . Der Name des Projekts ist an die Stimme des Computers der Science-Fiction-Serie Star-Trek angelehnt. Dessen Stimme stammt von der Schauspielerin Majel Barrett-Roddenberry. Interessant in diesem Kontext: Google-Designer Matias Duarte sprach 2011 in einem Interview mit Slashgear davon, dass man sich bei der Entwicklung der Android-Spracheingabe an Star Trek anlehne.

Google-teaser
(Bild: Google)

Drei Geräte, drei unterschiedliche Einsatzzwecke für den Google Assistant

Je nach Produkt bietet der Google Assistant unterschiedliche Einsatzszenarien an. Mit Google Home bekommt der Nutzer den Assistenten fürs Zuhause. Der Funktionsumfang entspricht in etwa dem, was Amazon mit Echo und dem Assistenten Alexa bietet: Der Nutzer spricht in die kleine Google-Dose und diese antwortet per integriertem Lautsprecher darauf. Auch das Setzen von Alarmen, Erinnerungen und Co. wird unterstützt. Mit Google Home lässt sich das gesamte Smart-Home steuern– zumindest nach aktuellem Stand.

Auf Googles eigenen Pixel-Smartphones funktioniert der Assistant in etwa wie Apples Siri oder Microsofts Cortana – aber auf Steroiden. Per Druck auf den Homebutton oder dem Hotword "Ok Google" wird der Service aktiviert. Im Unterschied zu Google Now gibt es keine Möglichkeit, Text einzutippen – der integrierte Assistant auf dem Pixel lässt sich nur per Sprache bedienen. So lassen sich unter anderem YouTube-Videos abspielen, Nachrichten senden oder nach diversen Informationen suchen – es ist also praktisch an die Stelle von Now on Ta p gerückt. Das ehemalige Google Now heißt jetzt Feed und kann auf den Pixel-Phones noch per Wischgeste auf dem linken Homescreen erreicht werden – es ist fraglich, ob das langfristig so bleibt.

Das bislang dritte Zuhause des Assistant ist bekanntlich Allo . Dieser dient im Messenger, der für Android und iOS angeboten wird, als eine Art Chatbot, der unter anderem dabei helfen kann, Informationen zu liefern, die in einer Konversation benötigt werden. Zur Steuerung des Smartphones ist er an dieser Stelle nicht zu gebrauchen. Langfristig lässt sich davon ausgehen, dass die Funktionen des Assistant auf jedem Gerät genutzt werden können.

Der Google Assistant wird für Drittanbieter geöffnet

Von Dezember an wird Google die Schnittstellen des Assistant für weitere Dienste öffnen. Mithilfe der "Actions on Google" können Drittentwickler ihre Services mit dem Assistant verknüpfen. Damit werden direkte Aktionen ermöglicht – wie die Steuerung einer Musik-App zum Abspielen von Musik.

Die Actions on Google unterstützen aber auch Konversationen, um zum Beispiel ein Taxi oder Uber zu bestellen. Im Gespräch mit dem Assistent werden notwendige Zusatzinformationen zur Bestellung geklärt. Zur Nutzung des Fahrdienstes muss nicht einmal die entsprechende App vorinstalliert sein. Hierfür könnte Google womöglich auf Elemente seiner neuen "Android Instant Apps" setzen.

… und für viele Geräte – selbst den Raspberry Pi

Dass der Assistant nicht exklusiv auf Googles Hardware bleibt, war abzusehen. Zur breiten Integration in andere Geräte, die auf freiwilliger Basis stattfindet, bietet Google ein Entwickler-Kit an. Das Embedded Google Assistant SDK ermöglicht die Integration nicht nur in die üblichen Geräte wie Smartphones, Tablets oder Google-Home-Boxen – Google hat offensichtlich auch Bastler im Sinn, die den Assistent auf den Raspberry Pi bringen wollen. Soviel zum Walled Garden oder einem zweiten Apple.

Google Now ist Teil des Google Assistant

Der Google Assistant wird mit Android 7.1 Nougat den bisherigen Standard in Form der Sprachsuche und Google Now ersetzen. Genauer gesagt, wird Google Now mitsamt der Sprachsuche ein Teil des Assistant , wie sich bereits angedeutet hatte. Eile mit der Umstellung und der raschen Verbreitung hat Google aber nicht, denn Android 7.1 Nougat steht vorerst nur für die hauseigenen Pixel-Smartphones bereit, im Laufe des Jahres 2016 sollen die ersten Nexus-Geräte eine Entwickler-Vorschau erhalten. Im Laufe des ersten Quartals 2017 dürften dann voraussichtlich auch andere Hersteller den Assistant auf ihren Geräten installieren.

Der Assistant ist aber nicht nur in den Pixel-Smartphones beheimatet, sondern auch in Googles Messenger Allo und der schon erwähnten Amazon-Echo-Alternative Google Home. Allo ist dabei schon für alle Nutzer verfügbar, aber aktuell nur auf Englisch nutzbar. In Kürze dürfte aber auch die deutsche Version ausgerollt werden. Google Home soll im Laufe des Frühjahrs 2017 in den deutschen Handel kommen.

Google Assistant: Nichts geht ohne eure Daten

Eines dürfte klar sein: Das Mehr an künftigem Bedienkomfort hat ihren Preis. Um den Google Assistant in vollem Umfang nutzen zu können, geben die Nutzer ihre Daten her. Alles, was der einzelne Nutzer dem Google Assistent aufträgt, oder einsprecht, landet auf Googles Servern. Dazu gehören auch die Bewegungsmuster, das Einkaufsverhalten und die Surf-Historie und alles, was mit Google geteilt wird. Das ist im Grunde nicht neu, schon mit Chrome, Google Now, der Sprachsuche und allen anderen Google-Diensten wandern diese Informationen zum Internetriesen.

Die Daten werden wie bisher weiterverarbeitet und für eine gezielte Ausspielung von Werbeanzeigen verwendet. Immerhin zeigt Google, was das Unternehmen über seine Nutzer weiß . Wenn ihr nicht wollt, dass Google eure Daten analysiert, hilft nur eins: eine passende Alternative finden. Bei Suchmaschinen geht das vielleicht noch , aber bei mobilen Betriebssystemen sieht es recht mau aus . Und auch die Konkurrenz von Apple oder Microsoft sollte in dieser Hinsicht besser nicht unterschätzt werden.

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