Digitale Transformation

Die Vorausschauer

Wer sich nicht anpasst, verschwindet vom Markt. Diese Binsenweisheit war nie aktueller, als heute. Die digitale Transformation siebt gnadenlos aus – erschafft aber auch neue Geschäftsmodelle, Ideen, Lösungen. Die besten zeichnet die Wirtschaftswoche mit einem Preis aus.

10.03.2015
Vorausschauer

Industrie, Einzelhandel, Dienstleistungsgewerbe – sämtliche Branchen und Unternehmen stehen aktuell vor elementaren Umwälzungen in Sachen Technologie und Kundenverhalten. Eine Musterlösung hat in der Regel niemand parat, Umdenken in jeder Richtung ist gefordert, um den Veränderungen zu begegnen. "Digitale Transformation" nennen Fachleute diesen Prozess. Er kann Unternehmen in kürzester Zeit in den Ruin führen – oder an die Spitze.

Prominentestes Beispiel: Kodak. Als Weltmarktführer in der Herstellung analoger Farbfilme mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden US-Dollar verpasste das Unternehmen in den 80er und 90er Jahren die Digitalisierung und musste 2012 schließlich Insolvenz anmelden.

In einer empirischen Untersuchung haben die Strategieberatung "Neuland" und die Wirtschaftswoche untersucht, welche Faktoren zu einer erfolgreichen Transformationsstrategie gehören und welche Handlungsfelder bespielt werden müssen, um erfolgreich zu sein. Die Ergebnisse sind im "Digital Transformation Report" zusammengefasst, die erfolgreichsten Unternehmen der Untersuchung wurden mit dem "Digital Transformation Award" (DT-Award) ausgezeichnet.

Neue digitale Fähigkeiten sind gefordert

"Information ist der Kitt unserer Gesellschaft, und dieser Kitt ist nicht mehr Holz und Papier, sondern Information pur, körperlos, digital, in unvorstellbarer Menge. Nicht mehr der Transport ist entscheidend, also das Trägermedium und der Zeitungsträger, sondern die Gewichtung, Sichtung, Qualität. Und das für die öffentliche Meinung, die unser aller Leben bestimmt", schreibt Roland Tichy, ehemaliger Chefredakteur der Wirtschaftswoche im Vorwort des Reports.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem, die vorhandenen Informationen nutzen und sie neu interpretieren. Technologien wie Social Media, Cloud Computing und Mobile Enterprise verändern zudem die Möglichkeiten, mit Kunden zu kommunizieren und Daten zu verarbeiten, sie zu nutzen. Dabei spielt die Größe des Unternehmens nur eine untergeordnete Rolle. So finden sich unter den Preisträgern des DT-Awards kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern ebenso wie Konzerne, produzierendes Gewerbe ebenso wie Dienstleister.

Ausschlaggebend ist lediglich, dass sie neue digitale Fähigkeiten erlangen, um ihr Geschäft zukunftsfähig zu gestalten. Nicht weniger als acht Handlungsfelder identifiziert der Report innerhalb des sogenannten Digital Maturity Models, das zusammen mit der Hochschule Reutlingen entwickelt wurde. Damit soll sich die "digitale Reife" ermitteln lassen. In der Folge können Unternehmen dann Handlungsfelder und konkrete Optimierungspotenziale in Einzelbereichen aufdecken.

Acht Handlungsfelder für die digitale Transformation

Der Untersuchung zufolge gibt es aktuell drei Stoßrichtungen der digitalen Transformation, die allerdings nicht immer trennscharf sind: "Zum einen steigern Unternehmen durch die digitale Transformation das digitale Kundenerlebnis, um Dialogfähigkeit, Kundennähe und Image/Vertrauen zu verbessern. Dabei rückt die digitale Produkt- und Service-Innovation in den Fokus, um beispielsweise etablierte Produkte und Serviceleistungen durch digitale Lösungen zu ersetzen", stellen die Autoren der Studie fest. Etwa beim kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg (Lippe). Der IT-Dienstleister setzt konsequent auf Digitalisierung und unterstützt Gemeinden dabei, Prozesse wie etwa die Berechnung der Elternbeiträge für Kindertagesstätten, ins Netz zu verlagern und damit bürgerfreundlicher zu agieren. So können etwa Auskünfte deutlich schneller und kostengünstiger erteilt werden.

Die zweite Stoßrichtung der Digitalen Transformation ist die Vernetzung mit den Kunden. Einer der Preisträger des DT-Awards ist beispielsweise die Fidor Direktbank aus München. Sie bezieht ihre Kunden und deren Bedürfnisse in die Entwicklung neuer Angebote mit ein. Aus diesem Ansatz ist auch die Idee des "Dispo Like-Zins" entstanden: Die Fidor Bank bietet ihrer Community die Möglichkeit, die Höhe des Dispo-Zinssatzes aktiv mitzubestimmen.

Und der dritte Bereich der digitalen Transformation schließlich fällt in den Bereich Effizienzsteigerung innerhalb des Unternehmens. So sorgt etwa die DB Netz mit einer europaweiten Logistikplattform für eine vereinfachte Buchung von Güterwaggons und Personenzügen und eine bessere Auslastung des Schienennetzes.

Mehr als 100 Bewerbungen für den Digital Transformation Award hat die Jury geprüft und mit Hilfe des Digital Maturity Models unter die Lupe genommen. Viele der Unternehmen, die sich beworben haben, finden Sie auch auf der CeBIT. Den ausführlichen Digital Transformation Report können Sie nach Registrierung hier herunterladen.

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