Smart Cities

Die Stadt im Datenmeer

Während die Industrie mit aller Macht in die Digitalisierung strebt, ist in der öffentlichen Verwaltung noch recht wenig davon zu spüren. Dabei bieten Städte und Gemeinden enormes Potenzial für den Einsatz digitaler Technologien.

21.02.2017
Smart City: Die Stadt im Datenmeer
Städte werden smart: Die Digitalisierung erreicht endlich die Ballungszentren. (Quelle: Fotolia)

Spätestens dann, wenn man mit dem Auto an der dritten roten Ampel in Folge steht oder bereits zum x-ten Mal durch dieselbe Straße fährt, auf der Suche nach einem freien Parkplatz, stellt man sich die Frage: Geht das heutzutage nicht besser? Während in der Industrie das Thema Digitalisierung in aller Munde ist und ständig neue Möglichkeiten des Internets der Dinge entstehen, ist in den Städten davon noch wenig zu merken.

In Deutschland gibt es zwar mit Berlin, Hamburg und München bereits einige prominente Beispiele für Städte, die Smart-City-Programme aufgelegt haben. Solche Vorhaben sind allerdings mit hohen Investitionen verbunden, was ihre Verbreitung offenbar hemmt. Grundsätzlich geht es bei den meisten Konzepten um die intelligente Steuerung städtischer Systeme. Denn durch die Digitalisierung entstehen Unmengen von Daten, die ausgewertet und zusammengeführt werden können, um intelligente Lösungen für die Verkehrsführung, den Ressourcenverbrauch, die Gestaltung von und das Zusammenleben in Städten zu nutzen.

Automatisierung ja, aber zu wenig Digitalisierung

„Aktuell sind die Städte aber nicht ausreichend auf das digitale Zeitalter vorbereitet“, sagt Dirk Heuser vom Urban Software Institute (Halle 7, Stand A14), das Kommunen, Städte und Metropolregionen auf ihrem Weg durch die digitale Transformation berät. „Wir erleben heute zwar bereits einen hohen Grad an Automatisierung, aber daraus entstehen nur selten verwertbare Daten, die Mehrwert für die Bürger oder Unternehmen liefern“, so Heuser.

Dabei kommen die Großstädte in Zukunft gar nicht mehr daran vorbei, Informationen sinnvoll einzusetzen und gegebenenfalls auch Anderen zur Verfügung zu stellen. Mobilität und Versorgungslogistik sind nur zwei Bereiche, die sich in absehbarer Zeit nur schwerlich ohne Datenunterstützung meistern lassen werden.

Eine dynamische Plattform für alle Daten

„Dazu bedarf es im Prinzip zweierlei“, sagt Dirk Heuser, „einer Infrastruktur, die Daten erfassen kann, und der Möglichkeit, sie auszuwerten oder weiterzugeben.“ Mit „Urban Pulse“ liefert das Institut eine Plattform, die alle Daten sammelt und für unterschiedliche Interessengruppen bereitstellt. So laufen hier Informationen aus Sensoren und Fachabteilungen zusammen: aus Parkautomaten, Ampeln oder Kameras ebenso wie aus Meldeämtern und der Verkehrsüberwachung. Daraus lassen sich dann sinnvolle Schlüsse ziehen, beispielsweise eine dynamische Ampelschaltung oder individuelle Routenplanungen für Navigationsgeräte – und zwar in Echtzeit.

Interesse an smarten Städten hat auch ZTE, ein chinesischer Anbieter von Telekommunikationsausrüstung und Netzwerklösungen. „Smart City 3.0“ heißt die Lösung von ZTE (Halle 12, Stand D53) für die digitale Transformation von Städten und Gemeinden. Die Grundlage bildet ein Analyseprozess, an dessen Ende eine Empfehlung steht, welche smarten Lösungen für die Städte und Gemeinden am vordringlichsten sind und mit welchen Partnern sich ihre Anforderungen am besten umsetzen lassen.

Daten müssen verfügbar sein

ZTE setzt dabei auf ein PPP-Modell, das durch die Zusammenarbeit von privaten (private enterprises) und öffentlichen Partnern (public stakeholders) sowie den Bürgern (people) eine solide wirtschaftliche und soziale Grundlage zur Implementierung von Smart-City-Lösungen ermöglicht. Im Vordergrund stehen dabei die technische Infrastruktur und der Netzausbau in den Städten. Denn welchen Wert haben Daten, wenn sie nicht verfügbar sind?

Neben der Verkehrssteuerung und der Warenlogistik in Großstädten ist auch die Versorgung mit Energie und Wasser weltweit eine wachsende Herausforderung. Bereits heute leben rund 54 Prozent der Bevölkerung in urbanem Gebiet, bis zum Jahr 2050 sollen es bereits 66 Prozent sein, prophezeien die Vereinten Nationen . In diesem Zusammenhang ist auch die effiziente Nutzung von Energie ein lohnenswerter Bereich für Innovationen.

Riesiges Potenzial

Dazu zählt unter anderem der Einsatz sogenannter Smart Meter, intelligenter Zähler, die neben dem Verbrauch auch andere Werte messen und regeln können. Capgemini (Halle 7, Stand A44) etwa entwickelt gemeinsam mit Unternehmen wie Siemens, Microsoft oder SAP Lösungen für den effizienten Einsatz von Strom, beispielsweise mithilfe von Management-Plattformen oder cloud-basierten Systemen zur dynamischen Verteilung.

Ein Bereich mit gigantischen Wachstumschancen: Der Energieverbrauch von Gebäuden liegt zwischen 20 und 40 Prozent der gesamten Aufwendungen eines Landes. Experten schätzen daher, dass der Markt für Smart-Building-Technologie bis zum Jahr 2020 auf ein Volumen von rund 36 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. „Das Internet der Dinge ist ein enormer Beschleuniger der Digitalen Transformation”, sagt Olivier Sevillia , Geschäftsführer von Capgemini Application Services. „Eine konsistente Strategie und eine innovative Plattform für IoT-Services aufzubauen, ist dabei ein wesentliches Instrument für Unternehmen, um ihre Kunden zu unterstützen.“

Schon in wenigen Jahren ist die Welt online: 50 Milliarden Geräte kommunizieren bis 2020 im Internet der Dinge ununterbrochen miteinander, schätzen Experten. Daraus resultieren neue Möglichkeiten für Unternehmen, aber auch neue Risiken. Die CeBIT 2017 zeigt in Halle 12 neben einzelnen Bausteinen komplexer IoT-Ökosysteme auch vollständige End-to-End-Lösungen anhand spannender Use-Cases.

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