Internet of Things

Die Smart City muss den Bürger miteinbeziehen

Städte der Zukunft werden intelligent sein. Bis es aber soweit ist, muss noch viel passieren. Die Schlüsselfaktoren für den Erfolg der Smart City sind Partizipation und Wettbewerb.

17.03.2016
Smart City 1

Wie macht man eine Stadt überhaupt smart? "Man braucht Investitionen in die Verkehrs-, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur aber auch in das Human- und Sozialkapital," verriet Prof. Dr. Alkis Henri Otto vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) am Donnerstag bei seinem Vortrag auf der CeBIT. "Die Stadt muss für die Einwohner lebenswerter, zugleich aber auch effizienter und dynamischer werden."

Dabei sei es wichtig zu verstehen, dass eine Smart-City-Strategie für jede Stadt individuell entwickelt werden muss, da die Ausgangslagen der einzelnen Städte höchst unterschiedlich sind. "Am Anfang muss eine Vision sowie eine Priorisierung von Zielen und Maßnahmen stehen", betonte Otto.

Ein Blick nach Hamburg macht die Probleme deutlich

Betrachtet man aktuelle Zahlen aus Hamburg, wird deutlich, warum die Stadt der Zukunft zwingend smart sein muss: rund 50 Prozent des Berufsverkehrs legen die Pendler dort im Auto zurück. Die Folge sind Staus im Stadtgebiet. Laut TomTom beträgt die Stauverzögerung in Hamburg durchschnittlich 32 Prozent der eigentlichen Fahrzeit, in der Rushhour sind es sogar 50 Prozent.

Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass sich allein die Kosten durch Verzögerungen bei beruflichen Wegen auf etwa 125.000 Stunden täglich belaufen. Würde diese Zeit in Arbeit investiert, würde die Wertschöpfung Hamburgs bei gleichbleibender Produktivität um etwa zwei Prozent steigen.

Die Ursachen für die ineffiziente Straßennutzung liegen vor allem in der unzureichenden Information und Koordination der Autofahrer. Der Verkehrsleitung stehen nur wenige Instrumentarien zur Verfügung, um auf das lokale und temporäre Verkehrsaufkommen zu reagieren und einzugreifen.

In einer Smart City würden hingegen Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung stehen – sowohl der Verkehrsleitung als auch den Verkehrsteilnehmern. Es gäbe Empfehlungen, für welche Strecke man zu welcher Uhrzeit am besten welches Verkehrsmittel nutzt, wo es freie Parkplätze gibt, welche Ausweichstrecken zur Verfügung stehen und so weiter. Auch das Thema Car Sharing spielt dabei eine wichtige Rolle.

Netzwerkeffekte müssen genutzt werden

Die Nachfrage nach Leistungen der Smart City wird häufig durch Netzwerkeffekte geprägt, denn der Wert eines Gutes beziehungsweise einer Dienstleistung nimmt mit der Größe des Netzwerks zu. In einer Smart City ergeben sich diese Netzwerkeffekte unter anderem durch eine verbesserte Interaktion und effizientere Koordination von individuell geplanten Tätigkeiten in der Stadt. Ein einfaches Beispiel dafür ist die Vermittlung privater Parkplätze.

Was müssen Städte tun?

"Bereits heute liegen für Städte zahlreiche Datensätze zur Nutzung des öffentlichen Raumes bei Unternehmen vor. Ein erster Ansatz staatlicher Aktivität sollte die Sammlung und Aufbereitung bereits existierender Daten sein", erklärte Otto. "Außerdem sind für eine künftige Zusammenführung unterschiedlicher Datensätze gemeinsame Standards notwendig."

Firmeneigene proprietäre Datensätze zur Stadtnutzung seien in diesem Zusammenhang eher suboptimal, da sie den Markteintritt neuer Anbieter verhindern und einen Wettbewerb auf Ebene der Dienstleister hemmen würden. "Zur Sicherung des Wettbewerbs und einer nachhaltigen Stadtentwicklung sollten Datensätze als Open Data sowohl der Wissenschaft als auch der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Das wäre der Optimalfall. Städte sollten auf einheitliche technologische Standards hinwirken, um zügig Netzwerkeffekte und damit Marktgröße zu ermöglichen", ergänzte der HWWI-Vertreter.

Die E-Mobility in Deutschland zeigt, wie es nicht geht

Am Beispiel der Elektromobilität machte Otto deutlich, mit welchen Problemen die Smart City zu kämpfen hat: In Hamburg gibt es derzeit noch viel zu wenige Ladepunkte für Elektroautos. Und von den wenigen, die es gibt, sind viele bei Behörden oder Unternehmen, und somit für Privatpersonen nicht nutzbar.

Für die Bewohner heißt das: Es ist nicht attraktiv, ein Elektroauto zu kaufen, da man dieses nicht aufladen kann, wenn man keine Garage hat oder in der Nähe einer Ladesäule wohnt. Für die Unternehmen folgt daraus, dass es nicht lukrativ ist, in Ladesäulen zu investieren, da die Dichte an E-Autos zu gering ist.

"Das ist ein typisches Koordinationsproblem. Hier muss der Staat aktiv werden und als Inkubator eingreifen", forderte Otto. "Eine rein marktgelenkte Entwicklung führt zu Insellösungen und die Smart City droht, Stückwerk zu bleiben."

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