Security

Die NSA-Affäre könnte Hunderte Jobs vernichten

Ist Edward Snowden schuld daran, dass niemand mehr Agent werden will? Wie kann die NSA sich in Sachen Employer-Branding positionieren?

15.04.2015 Florian Blaschke

Nach der NSA-Affäre: Wer will schon nach Crypto City?

Dank Edward Snowden und NSA-Affäre will niemand mehr bei der NSA arbeiten.

Greenwald und Snowden Keynote
Interview mit Glenn Greenwald und Edward Snowden bei den CeBIT Global Conferences 2015.

In Sachen Employer-Branding ist Edward Snowden eine echte Niete gewesen – man würde sich schwer tun, ihn einen Markenbotschafter der amerikanischen Geheimdienste zu nennen. Seine Enthüllungen im Rahmen der NSA-Affäre haben nicht nur politisch etliche Steine ins Rollen gebracht, sie haben auch für die NSA selbst unangenehme Folgen. Denn die National Security Agency mit Sitz in "Crypto City" bekommt langsam, aber sicher Schwierigkeiten Nachwuchs zu finden. 1.600 neue Mitarbeiter will der größte US-Auslandsgeheimdienst dieses Jahr einstellen. Und es wird eng.

Hunderte der Nachwuchs-Agenten müssten aus Spezialgebieten wie Informatik oder Mathematik kommen, schreibt Geoff Brumfiel auf npr.org . Doch genau diese Spezialisten hätten irgendwie keine Lust mehr, für eine Behörde zu arbeiten, deren Ruf merklich gelitten hat. Früher sei es schon sein Wunsch gewesen, Agent zu werden, zitiert Brumfiel den 22-jährigen Daniel Swann, Informatik-Student aus Annapolis, einer Kleinstadt gerade mal 20 Meilen östlich von Crypto City. Doch heute sehe er sich nicht mehr bei der NSA. "Teilweise auch aus moralischen Gründen."

"Isn't it time to put your intelligence to work?"

Mit moralischen Gründen aber hatten schon ganz andere Branchen zu kämpfen. Die Zigarettenindustrie zum Beispiel, Pharmakonzerne, Tech-Unternehmen – oder Waffenhersteller. Und so scheint es an der Zeit, dass sich die NSA mal ernsthaft mit den Themen Employer-Branding und Recruiting auseinandersetzt. Und wie die Aussagen von NSA-Mitarbeiter Neal Ziring zeigen: So weit entfernt von den hippen, gefragten Unternehmen ist die NSA gar nicht. Vor einigen Monaten sei er auf einer Karrieremesse in Dartmouth gewesen – mit einem Stand direkt neben dem von Facebook. Und da habe er gemerkt: Facebook und die NSA suchen eigentlich dasselbe.

Doch ein Blick auf die Internetseite der Behörde zeigt: In Sachen Recruiting hat die NSA drastischen Nachholbedarf. "Eine Karriere bei der NSA bietet dir die Chance, mit den Besten zu arbeiten, den Lauf der Welt mitzubestimmen und deine eigene Zukunft zu sichern", heißt es auf den Karriere-Seiten des Geheimdienstes . "Isn't it time to put your intelligence to work?" Und unter „Benefits“ erfährt man noch, was es alles an Boni für Agenten gibt: bezahlte Auszeiten ("Life is too short to spend it all at work."), Programme zur Sicherung der Work-Life-Balance, Gesundheitsvorsorge und Versicherungspakete sowie – natürlich – eine ordentliche staatliche Altersvorsorge.

Trotz NSA-Affäre: Staub vom Anzug klopfen und Krönchen richten

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Selbst nachts nicht schön: Das NSA-Hauptquartier in Fort Meade, Maryland. (Foto: Creative Time Reports / Lizenz: CC0)

Das Problem: All das gehört längst zum Standard. Wer sich anschaut, womit Startups und die großen Tech-Konzerne ihre Mitarbeiter ködern, weiß: Die Work-Life-Balance ist kein Bonus, sie ist ein Must-have. Und bezahlte Auszeiten? Bekommen in der Schweiz inzwischen selbst Lehrer . Dazu kommt: Wer den Google-Campus schon enttäuschend findet, wird auf dem NSA-Gelände vermutlich recht schnell Depressionen kriegen. Ein neues Raumkonzept muss her.

Doch viel wichtiger ist das, was man auf den Karriere-Seite der NSA nicht findet: Informationen über die wirklich wichtigen Benefits. Kann ich als Agent meinen Hund mit ins Büro bringen? Gibt es eine Snackbar? Ein Bällebad? Oder wenigstens einen Kickertisch? Wie sieht es aus mit Fitnessstudios, Kickbox- oder Golfkursen, einem Volleyballfeld oder Yoga- und Pilates-Angeboten? Und fahren NSA-Abteilungen auch schon mal zum Laser-Tag, zum Paintball oder in den Ski-Urlaub? Bei solchen Goodies – das haben schon ganz andere Unternehmen bewiesen – spielt Moral keine Rolle mehr.

Und nicht zuletzt fehlen der NSA ihre Markenbotschafter – nicht erst seit der NSA-Affäre . Wer kennt schon einen Agenten, der über seine Mittagspausenerlebnisse twittert, der auf Instagram Bilder von seinem letzten Undercover-Einsatz postet oder auf YouTube ein Video vom Tag der offenen Tür hochlädt? Wir alle haben doch nur Bilder von James Bond, Michael Corben oder – noch schlimmer – Ethan Hunt im Kopf. Edward Snowden hat eine Menge kaputt gemacht. Jetzt ist es an der NSA, wieder aufzustehen, sich den Staub vom Maßanzug zu klopfen, das Krönchen zu richten und nach vorne zu gucken. An die 1.600 neuen Mitarbeiter zu denken. Denn sonst wird das eng.

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