Smart Cities

Die neuen Kaiserreiche

Planstädte sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon Alexander der Große erkannte das Potenzial, die Infrastruktur für die Bevölkerung vorzubereiten, anstatt sie anzupassen. War Alexandria die erste "Smart City"?

03.03.2015
Kaiserreiche

Vor fast 2.000 Jahren trifft Alexander der Große, König von Makedonien, eine folgenschwere Entscheidung. Am Ufer des Nils, im Norden des heutigen Ägypten, legt er den Grundstein für eine neue Stadt. Innerhalb kürzester Zeit wächst Alexandria zu einer der bedeutendsten Städte der Antike heran, vermutlich leben zur Hochzeit fast 750.000 Menschen hier, eine echte Mega City. Was Alexandria von anderen Städten unterscheidet: Kaum etwas war dem Zufall überlassen. Die Hauptachse der Stadt ist nach dem Stand der Sonne an Alexanders Geburtstag ausgerichtet , daran entlang sind alle wichtigen Gebäude angesiedelt. Die restlichen Straßen liegen in einem genauen Raster, breit genug, um sie mit einem Wagen zu passieren.

Was für Alexander intuitiv richtig war, fassen Politiker von heute gerne in bedeutungsvolle Worte. Wie etwa Dr. Michael Häupl , Bürgermeister der "Smart City" Wien: "Die Herausforderungen für Städte des 21. Jahrhunderts liegen vor allem in einer zielgerichteten Stärkung der Ökonomie als Basis für soziale Gerechtigkeit und in einem schonenden Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen." Mit Entwicklungskonzepten, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten, soll dies gelingen.

Was macht eine Smart City aus?

So rücken große Technologie-Konzerne wie etwa Siemens das Thema in den Fokus. Das Ziel : "Das Leben in Städten mit nachhaltigen Technologien verbessern." Denn letztendlich stehen hinter dem Zukunftskonzept dieselben Trends, wie in allen anderen Bereichen: Vernetzung und Informationsaustausch. Aber was macht eine Smart City aus? Eine effiziente Abwasserversorgung? Etwa wie in Berlin, wo "Lisa", das smarte " Leit- und Informationssystem Abwasser ", rund 300 Pumpwerke, Regenspeicher und weitere Anlagen steuert und überwacht.

Oder ein niedriger Energieverbrauch? So wie beispielsweise in Fujisawa. Der Vorort von Tokio gilt als Modellsiedlung einer Smart City, in der unter anderem Elektroautos, E-Bikes und Car-Sharing-Modelle zentral gemanagt werden. Oder ein angenehmeres Miteinander der Bewohner? Für Hilmar von Lojewski, Leiter des Dezernats Stadtentwicklung des Städtetages Nordrhein-Westfalen, ist klar : "Ohne eine breite und transparente Bürgerbeteiligung und ohne eine breite gesellschaftspolitische Diskussion wird Stadtentwicklung künftig kaum mehr machbar sein."

Spielfeld für Unternehmen oder Zukunftsvision?

Während manche bei dem Schlagwort Smart Cities an ein Spielfeld für Unternehmen denken, eine "technokratische Vision, in der die Bewohner überwacht werden", erwarten andere darin einen Wachstumsmarkt schier unglaublichen Ausmaßes .

Fakt ist: Smart Cities sind der Versuch, sich auf die Herausforderungen künftigen urbanen Lebens vorzubereiten. Bereits heute leben 3,5 Milliarden Menschen weltweit in Städten, bis 2050 soll die Stadtbevölkerung auf 6,3 Milliarden steigen. 29 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden derzeit in 120 Städten erwirtschaftet; bis 2025 sollen 600 Städte allein für 65 Prozent des weltweiten BIP-Wachstums sorgen .

Ob mit Sensoren zur Überwachung kritischer Werte, intelligenter Straßenbeleuchtung oder Apps für Autofahrer , die mithilfe von RFIDs freie Parkplätze melden – Raum für Entwicklung gibt es genug. Ein Ausblick darauf, welche Möglichkeiten Smart Cities bieten, vermittelt die CeBIT.

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