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Die Intelligenz der Masse

Microsoft und Facebook haben Teile ihrer Programmcodes offen gelegt, Autobauer Tesla will seine Patente freigeben. Ist die Zukunft Open Source?

20.03.2015
Social Business

Elon Musk sorgte im vergangenen Jahr für großes Aufsehen in der Automobilbranche. Der Tesla-CEO kündigte an, dass der Hersteller von Elektro-Autos seine Patente offenlegen werde . Andere Autobauer könnten Ideen und Erfindungen übernehmen oder weiterentwickeln – ohne dass Tesla dagegen Klage erheben würde. "Wir sind überzeugt, dass Tesla, aber auch andere Hersteller von Elektrofahrzeugen und natürlich die Welt von einer gemeinsamen, sich schnell entwickelnden Technologie-Plattform profitieren", begründete Musk die Entscheidung.

Damit transportierte Tesla ein Konzept in die Automobilindustrie, das bisher vor allem im Bereich Softwareentwicklung angewandt wurde: Open Source. Die Idee, dass offener Zugang zu Programmcodes – und damit die Weiterentwicklung und Kontrolle durch tausende Programmierer weltweit – zu besseren Programmen führt und letztendlich sowohl Unternehmen als auch Nutzer davon profitieren.

Open Source hat die höhere Qualität

Was unter anderem mit der Veröffentlichung des Quellcodes des Browsers Netscape Navigator begann und in seinem Fall zum Mozilla-Projekt führte, erfreut sich bei Unternehmen längst großer Beliebtheit. Zumindest, wenn es um die Nutzung von Open-Source-Programmen geht. So setzten laut einem Bericht der Linux Foundation immer mehr Unternehmen auf Linux-basierte Serverlösungen – vor allem im Cloud-Bereich sei die Open-Source-Variante besonders beliebt. Nicht verwunderlich hat Linux doch den Ruf, besonders sicher zu sein. Doch das gilt nicht nur für Linux, wie man dem letztjährigen Coverity Scan Report entnehmen kann. Die jährliche Untersuchung misst die Qualität von Open-Source-Lösungen und vergleicht sie mit proprietärer Software. Im aktuellsten Bericht schnitten die frei zugänglichen Lösungen nicht nur im Punkt Sicherheit besser ab als Software mit geschütztem Code, sondern auch hinsichtlich der Qualität.

Microsoft und Facebook ziehen blank

Da verwundert es wenig, dass auch die großen Player der IT-Branche dem Open-Source-Gedanken mittlerweile – zumindest in Teilen – offen gegenüber stehen. Microsoft hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt , dass sein .NET-Framework in Zukunft als Open-Source-Software zur Verfügung stehen wird. Damit ist der Code nicht nur Entwicklern öffentlich zugänglich, sie dürfen ihn auch für kommerzielle Produkte verwenden. Für den IT-Riesen ist das nur einer der Schritte in Richtung Open-Source-Company: Er hatte bereits die nächsten Versionen der Programmiersprachen C# und Visual Basic als Open-Source-Projekte deklariert.

Auch Facebook möchte sich bei seiner Weiterentwicklung die Intelligenz der Masse zu Nutze machen. Im Dezember vergangenen Jahres kündigte der Social-Media-Konzern an, verschiedenste Quellcodes den Entwicklern in aller Welt zugänglich zu machen. Für das Unternehmen schließt sich damit ein Kreis:

"Wir haben Facebook von Beginn an auf der Open-Source-Software anderer Menschen aufgebaut. In gewissem Maß haben wir eine Verpflichtung, etwas zurückzugeben",
erklärt James Pearce, der Chef der Open-Source-Abteilung des Unternehmens

Branchentreffen auf dem Open-Source-Forum

Letzten Endes zeigen die Entwicklungen bei Microsoft und Facebook, dass eine Zukunft ganz ohne Open Source schwer vorstellbar ist. Renommierte Einrichtungen wie das Fraunhofer Institut veranlassen sie sogar zu Diskussionsrunden darüber, ob das Modell "Patent" ausgedient hat. Wo sich die aktuellen Entwicklungen hinbewegen, können Sie in jedem Fall innerhalb des Open-Source-Forums auf der Cebit 2015 sehen. Dort finden Sie nicht nur Informationen zu den neuesten Projekten und Trends, sondern erhalten Wissen aus erster Hand von ausgewählten Vertretern der Branche.

Zudem hat der Branchenverband BITKOM einen rechtlichen Leitfaden für den Umgang mit Open-Source-Software erstellt.

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