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Der Ping-Pong-Indikator: Startups und Tischtennis?

Experten haben einen Maßstab entdeckt an dem sich der Erfolg von Startups messen lassen soll: die Verkaufszahlen von Tischtennisplatten verrraten angeblich ein Geheimnis.

17.05.2016 Lisa Hegemann
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Was Tischtennis über Startups aussagen kann? Offenbar eine ganze Menge. (Foto: Paleontour / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Ohne Tischtennis geht im Silicon Valley gar nichts. "Wenn du keine Tischtennisplatte hast, bist du kein Tech-Unternehmen", sagt Sunil Rajasekar, Technologie-Chef bei Lithium Technologies. Der grüne oder auch blaue Tisch mit dem Netz in der Mitte steht für Teambuilding, Spaß - für "Startup“" schlechthin. Jetzt hat er noch eine weitere Bedeutung zuerkannt bekommen: Er gilt auch als Indikator für das Geschäftsklima der Unternehmen im kalifornischen Tech-Tal.

Ping Pong gebe eine Antwort darauf, ob die Tech-Blase platze, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Da die Tischtennisplatten in San Franciscos Startups nahezu heilig seien, gebe eine steigende oder sinkende Anzahl an Verkäufen einen Einblick, wo die Szene gerade stehe. Vereinfacht gesagt: Kaufen gerade viele Unternehmen Tischtennisplatten, haben sie keine Geldprobleme, ergo geht es der Branche gut. Sinkt der Verkauf, könnte dürfte das - eben dieser Argumentation folgend - ein Alarmsignal sein.

Glaubt man dieser Theorie, sieht es für Startups derzeit nicht so gut aus. Im ersten Quartal 2016 fielen die Verkäufe beim Tischtennisanbieter Billiard Wholesale um 50 Prozent verglichen mit den vorigen drei Monaten.

Twitter und Tischtennis? Passt derzeit nicht

So habe Twitter bis vor einigen Monaten regelmäßig Tischtennisplatten geordert - und dann plötzlich nicht mehr. Entweder hätten sie keinen Platz mehr, mutmaßt Billiard-Besitzer Simon Ng, oder sie hätten Probleme. Nachdem der Konzern mit dem blauen Vogel kürzlich seine Zahlen offengelegt hat, spricht zumindest einiges für letztere Theorie.

Die Beispiele lassen sich fortsetzen: Der kriselnde Yahoo-Konzern kaufte schon sehr lange nichts, Intel hat im vergangenen Jahr - kurz vor einem riesigen Jobabbau - aufgehört, Tischtennisplatten zu bestellen. Google hingegen hat erst kürzlich wieder eine Menge geordert, ganz seiner Umsatz- und Gewinnsteigerung im ersten Quartal entsprechend.

Stellt man den Tischtennisplatten-Verkäufen zusätzlich das Funding gegenüber, das Startups in diesem Jahr bekommen haben, wirkt der Ping-Pong-Indikator ebenfalls gar nicht so absurd: In den ersten drei Monaten 2016 gingen die Investitionen in Jungunternehmer um 25 Prozent zurück, wie Dow Jones VentureSource herausfand. Genau wie die Investitionen in die Tischtennisplatten.

Sagen uns Ping-Pong-Tisch-Verkäufe also künftig die Zukunft einer Tech-Firma voraus? Ganz so einfach ist es, wie so häufig, leider nicht. Verkäufer Ng sagte dem "WSJ", er würde seine Investments nicht nach Ping-Pong-Sales planen. Die Zahlen würden zwar die Entwicklung verfolgen, aber nicht voraussagen. Mark Cannice von der Universität von San Francisco sieht das ähnlich: Er würde mehr an die Einblicke von Wagniskapitalgebern glauben als an die Verkäufe von Tischtennisplatten, so der Professor im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung.

Ganz abtun sollte man den Ping-Pong-Index allerdings trotzdem nicht. Dass abseitige Indizes durchaus wertvolle Aussagen enthalten können, beweist der sogenannte "Big-Mac"-Index. Den hat der britische "Economist" 1986 ins Leben gerufen, um die Kaufkraft in verschiedenen Ländern zu messen. Statt Wechselkursen vergleicht man die Preise des McDonald's-Burgers in verschiedenen Ländern und trifft so eine Aussage über die aktuelle Lage einer Währung. Heute gilt der Index als eine wichtige Größe für die Definition der Kaufkraft.

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