Virtual Reality

Der Palast im Kopf

Virtual Reality zur Unterstützung der Produktion ist bekannt. Aber auch beim Erlernen von Sprachen kann der virtuelle Raum helfen: Forscher der Uni Westminster entwickeln eine Software, die Sprachen mit der Methode des sogenannten Gedächtnispalasts vermitteln soll.

23.01.2017
Gedächtnispalast VR
Hilfe beim Gedächtnispalast mit Virtual Reality. (Foto: iStock)

Vor seinem geistigen Auge durchschreitet Sherlock Holmes ein riesiges Haus. In jedem Zimmer finden sich die komischsten Gegenstände, scheinbar völlig deplatziert. Immer schneller rennt der Detektiv durch die Räume, auf der Suche nach der Lösung, dem fehlenden Puzzleteil. Was in der BBC-Serie "Sherlock" mit schnellen Schnitten effektvoll in Szene gesetzt ist , geht auf eine Jahrhunderte alte Methode des Gedächtnistrainings zurück: den sogenannten Gedächtnispalast.

Um sich Dinge besser merken zu können, verknüpft man dabei Erlebtes, Wichtiges oder Interessantes mit Zimmern und Einrichtungsgegenständen eines imaginären Gebäudes. Durch den gedanklichen Gang speichert das Gehirn Informationen deutlich besser ab, als ohne einen Zusammenhang . Eine Methode, die schon in Schriftstücken aus dem 16. Jahrhundert erwähnt und bis heute angewendet wird.

Der Vorstellungskraft auf die Sprünge geholfen

Allerdings gehört dazu viel Übung und auch ein gewisses Maß an Vorstellungskraft, um sich seinen eigenen Gedächtnispalast zu erschaffen. Einfacher geht es mit der Unterstützung von Virtual Reality. An der Universität von Westminster in Großbritannien haben Forscher eine Software entwickelt, die auch ungeübten Nutzern die Möglichkeiten dieser Technik erschließt. Mithilfe von "Macunx VR" erschaffen Nutzer nicht unbedingt komplette Gebäude aus dem Nichts, sondern können bereits vorgefertigte Modelle mit ihren eigenen assoziativen Gegenständen, Bildern und Geschichten ausgestalten.

"Auf diese Art ist es möglich, viel schneller und effektiver zu lernen, als nur durch Wiederholung", sagt Dr. Aaron Ralby , Geschäftsführer des Startups Linguisticator , das die Software kommerziell einsetzt. "Sprachen oder auch medizinische Fachbegriffe, Wechselwirkungen von Medikamenten und andere komplexe Informationen lassen sich so sehr schnell erlernen und langfristig speichern."

Schneller lernen durch Assoziationen

Die Vorteile der virtuellen Realität liegen dabei auf der Hand: Unendlich viel Raum und praktisch unbegrenzte Möglichkeiten, Geschichten ganz nach der Vorstellung des Nutzers zu kreieren. Der sogenannte Guided Mode, also eine Möglichkeit, seinen Gedächtnispalast unter Anleitung zu entwerfen, verspricht dabei einen schnellen Einstieg und schnelle Erfolge.

Für Unternehmen könnte diese Art des virtuellen Lernens eine völlig neue Möglichkeit sein, Mitarbeitern komplexe Sachverhalte darzulegen. Gleichzeitig schult die Methode die Fähigkeit, schwierige Vorgänge ganzheitlich zu erfassen und neue Assoziationen zu schaffen, also die Kreativität anzuregen.

Virtuell reisen, real buchen

Virtuelle Gebäude zu betreten und zu durchschreiten ist zudem noch für eine ganz andere Branche höchst interessant: Die Firma realities.io etwa bringt Sehenswürdigkeiten aus der ganzen Welt ins heimische Wohnzimmer. Per Virtual-Reality-Brille reisen die Nutzer beispielsweise in die französische Grotte Chauvez und erkunden deren spektakuläre Wandmalereien. Wer danach Lust auf einen echten Trip bekommt, begutachtet möglicherweise bald sein Wunschhotel virtuell , bevor er bucht.

Und damit auch der Geldbeutel geschont wird, bietet etwa die Lufthansa virtuelle Flüge in der Ersten Klasse des Airbus A380 an. Mit einer Pappbrille und dem vorgeschnallten Smartphone wird so selbst der Flug in der "Holzklasse" zum spektakulären Ausflug.

Welche spannenden Herausforderungen und Chancen die virtuellen Welten zu bieten haben, erfahren Sie auf der CeBIT im Themenbereich Virtual & Augmented Reality und in der Startup-Halle 11 bei SCALE11 .

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