Internet of Things

Der Mann für die Welt von übermorgen

Jeremy Rifkin denkt in ganz großen Kategorien: Nun prophezeit er ein "Super-Internet der Dinge" und das Ende des Kapitalismus durch die Sharing-Economy. Ein kleiner Vorgeschmack auf seine Rede im Rahmen der CeBIT Global Conferences.

23.03.2015
Jeremy-Rifkin-Konferenzbühne

Ihr Haus erzeugt mehr Energie als es verbraucht. Sie laden damit ihr Elektroauto und was dann noch übrig ist, speisen sie ins öffentliche Stromnetz ein. Was wie eine Utopie klingt, ist – wenn es nach Jeremy Rifkin geht – die Zukunft.

Nach Überzeugung des amerikanischen Vordenkers sind in absehbarer Zeit nicht nur die Energie-, sondern auch die Logistik- und Kommunikationsinfrastruktur weltweit in einem "Super-Internet der Dinge" miteinander vernetzt: natürliche Ressourcen, industrielle Produktion, Recyclingströme, Wohnräume, Büros, Geschäfte, Fahrzeuge, sogar Menschen könnten mit Sensoren versehen sein, deren Daten ein globales Netz speisen.

Nichts weniger als eine dritte industrielle Revolution nennt der 69-jährige Universalgelehrte diese Perspektive, die er in seinem aktuellen Buch "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft" ausarbeitet: In diesem Internet der Dinge sinken die Grenzkosten, also die Kosten für jede zusätzlich produzierte Einheit gegen null, so Rifkins Credo. Egal ob Energie, Logistik oder Kommunikation: Wenn die Infrastruktur einmal steht, ist es fast egal, ob man zehn, tausend oder eine Million Kunden bedient. Zusätzliche Kunden kosten die Firmen praktisch nichts.

"Das Internet der Dinge ermöglicht die Sharing Economy, also die Teil- und Tauschwirtschaft, sowie die Ökonomie der kollaborativen Gemeingüter. Das ist ein bemerkenswertes historisches Ereignis. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts hat sich der Kapitalismus transformiert", sagt Rifkin.

3-D-Drucker revolutionieren die Industrie

Die disruptiven Auswirkungen der Sharing-Economy sind schon jetzt zu sehen: Die Verkäufe in der Musikindustrie sinken , Verlage geraten durch Self-Publishing und Blogs immer stärker unter Druck, E-Learning konkurriert mit klassischen Universitäten und Solarzellen auf dem eigenen Hausdach machen uns zumindest teilweise von Stromkonzernen und fossilen Brennstoffen unabhängig.

Rifkin ist vollkommen überzeugt, dass in Zukunft Kooperativen an den Schalthebeln sitzen werden: "1,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten arbeiten in Kooperativen. Das zweitgrößte Bankensystem in Frankreich besteht aus Kooperativen. In Deutschland sind die erneuerbaren Energien in der Hand von Kooperativen. Sie teilen ihre Ressourcen und ihren Gewinn. Und bald steht in jeder Schule ein 3-D-Drucker", sagt er.

3-D-Drucker sind ein weiterer Pfeiler in Rifkins Gedankengebäude von der dritten industriellen Revolution. Schicht für Schicht bauen sie nach den Vorgaben einer Computersoftware alle möglichen Dinge auf: Mit den entsprechenden Materialien kann man schon heute Nudeln, Schmuck, Smartphones, Autos oder sogar Häuser herstellen. 3-D-Drucker könnten vor allem die Industrie revolutionieren: kaum mehr Lagerkosten, viel geringerer Energieverbrauch bei der Produktion und viel weniger Transportverkehr, weil ja das meiste ausgedruckt werden kann.

Weltweit gefragter Politikberater

Solche Gedanken stoßen auch bei der Politik auf Resonanz. Rifkin ist ein weltweit gefragter Politikberater. Er hat zahlreiche Regierungen beraten, auch Bundeskanzlerin Merkel und die EU. In diesem Geschäft ist er schon seit 1977 unterwegs, als er die "Foundation on Economic Trends" gründete; einen Think Tank, der nationale und internationale Politiker in Zusammenspiel von Wirtschaft, Umwelt und Klimawandel berät. Die Grundlagen dafür holte sich der Mann aus Denver, Colorado, als er in den Sechzigern Ökonomie und internationale Beziehungen studierte. Auch als Publizist ist Rifkin sehr umtriebig: Er packt seine oft steilen Thesen ständig in neue Bücher, die davon handeln, wie Technologie und Wissenschaft die Gesellschaft und Ökonomie verändern. Inzwischen sind seine mehr als 20 Bücher in 35 Sprachen übersetzt worden und an Hunderten Unis im Einsatz.

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