Startups

Der Gründer ohne Furcht-Gen

Shai Agassi hat schon oft für Furore gesorgt: Als Startup-Gründer, als SAP-Vorstandsmitglied und als Pionier der Elektromobilität. Jetzt steht sein nächstes großes Ding an. Auf der CeBIT gibt er im Rahmen der Global Conferences einen Ausblick darauf.

11.03.2015
Shai Agassi

Eine Handvoll Firmen gegründet, SAP-Vorstand, weltweite Aufmerksamkeit und eine Pleite mit einer eigentlich zukunftsweisenden Idee: Shai Agassi hat mit 46 schon mehr erlebt, als andere in ihrem ganzen Leben. In ihm müssen also Unternehmergeist, Mut und Selbstbewusstsein stecken. Risiko scheint für den israelisch-amerikanischen Unternehmer ein Fremdwort zu sein. "Manche Leute sagen, dass mir das Furcht-Gen fehlt", sagte Agassi einmal der New York Times . "Er hat ein sehr hohes Selbstwertgefühl. Er sieht sich als weltweit anerkannte Persönlichkeit", ergänzt Idan Ofer, ein früherer Geschäftspartner. Die Wahl zu einem der 100 einflussreichsten Geschäftsleute durch das TIME Magazin dürfte diese Selbstwahrnehmung noch gefördert haben.

Multimillionär mit 33

Schon als Junge begeisterte sich Agassi für Computer und lernte früh Programmieren. Mit 14 überzeugt er seinen Vater Reuven, einen israelischen Offizier, ihm einen Apple-Computer zu kaufen, indem er ihm zehn Prozent aller künftigen Gewinne aus seiner Softwareentwicklung versprach. In den Neunzigern gründete Agassi vier Software-Startups. Das erfolgreichste davon hieß TopTier Software. Hauptprodukt war ein Portal, das Firmen half, ihren internen Informationsfluss zu organisieren. Das war der Durchbruch: 2001 verkaufte der damals 33-jährige Agassi TopTier Software für 400 Millionen Dollar an den deutschen Software-Giganten SAP - nicht ohne sich dort einen Vorstandsposten zusichern zu lassen. Agassi war für die Technologie-Strategie zuständig, blieb aber weiter in der Software-Entwicklung operativ tätig. Sein nächstes Ziel war der SAP-Vorstandsvorsitz. Als jedoch 2007 der damalige SAP-CEO Henning Kagermann noch zwei Jahre dranhängte, schmiss Agassi hin und machte sein eigenes Ding: Er gründete die Elektromobilitäts-Firma Better Place. Die Idee dazu hatte er schon 2005 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Damals fragte Weltwirtschaftsforums-Gründer Klaus Schwab: "Wie können wir bis 2020 die Welt zu einem besseren Ort machen?" Agassi dachte sich: "Indem sich die Menschheit vom Erdöl für den Individualverkehr lossagt und auf erneuerbare Energie setzt." Die Vision von Better Place war es, eine Infrastruktur für den Massenbetrieb von Elektroautos aufzubauen. Statt Batterien von Elektroautos stundenlang zu laden, setzte Better Place auf den Austausch von Batterien innerhalb weniger Minuten. In Israel und Dänemark zog Better Place eigene Batterie-Tauschstellen hoch, Renault baute entsprechende Elektroautos. Doch letzten Endes setzte sich die Idee nicht durch: Die breite Öffentlichkeit sprang nicht richtig an, 2013 ging Better Place bankrott. Agassi hatte sich schon 2012 aus dem Vorstand zurückgezogen.

Lieber chauffieren lassen - natürlich elektrisch

Danach wurde es ein bisschen ruhiger um ihn. Doch Agassi wäre nicht Agassi, wenn er nicht schon eine neue Idee in petto hätte. Anfang 2014 gründet er zusammen mit seinem Vater Reuven das Energie Newergy. Was genau das Unternehmen macht, ist noch nicht offiziell bekannt, doch der Name legt nahe, dass es wieder um erneuerbare Energie gehen wird. Die israelische Wirtschaftszeitung Globe vermutet , dass es dieses Mal um öffentlichen Nahverkehr auf elektrischer Basis geht. Dazu passt auch Agassis jüngster LinkedIn-Artikel , in dem er seine Version von der Mobilität der Zukunft erörtert: "Mobilität wird zu einer Dienstleistung werden. Ganze Flotten automatischer E-Mobile werden Leute von A nach B transportieren. Die meisten Leute werden lieber chauffiert werden anstatt selbst Auto zu fahren." Unter einer großen Zukunftsvision macht es Shai Agassi einfach nicht.

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