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Der CDO ist in Deutschland ein seltenes Exemplar

Selbst bei den Großen scheint es schwierig: Die Digitalisierung ist in DAX-Unternehmen noch zu wenig verankert. Meist verzichten sie auf einen Chief Digital Officer und überlassen die digitale Transformation anderen C-Level-Managern.

28.10.2015 Mark Lubkowitz
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In deutsche Unternehmen ist der CDO bislang noch eine Randerscheinung. (Foto: Saklakova / shutterstock.com)

Digitale Transformation

Wenn in der Business-IT von der digitalen Transformation die Rede ist und die Frage aufkommt, wer denn in den Unternehmen für den nötigen Wandel sorgen soll, dann fällt immer öfter ein Begriff: Chief Digital Officer (CDO). Weltweit bekleiden bislang zwar nur ungefähr 1000 Manager diese Stellung. Doch schon bis Ende des Jahres soll sich ihre Zahl auf rund 2000 verdoppeln. Das prognostiziert jedenfalls der CDO Club, der 2011 in New York gegründete erste Berufsverband, der sich speziell um die Belange dieser neuen C-Level-Position kümmern will.

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Foto: com-professional

Der CDO soll als maßgeblicher Innovationstreiber alle Fäden der Digitalisierung in seinem Unternehmen zusammenführen. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört es, die Zielgruppen des Unternehmens passgenau zu bedienen und Produkte und Dienstleistungen auf ihre besonderen Eigenheiten zuzuschneiden – über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg. Er soll neue Technologien einführen und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

80 Konzerne im Fokus

Während global betrachtet der CDO auf dem Vormarsch ist, offenbart eine Studie des Personalberatungsunternehmens Heidrick & Struggles allerdings, dass dem Chief Digital Officer in Deutschland noch keine herausgehobene Rolle zugesprochen wird.

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Chief Digital Officers weltweit: Nach bescheidenen Anfängen verdoppelt sich die Anzahl der CDOs mittlerweile von Jahr zu Jahr.(Foto: com-professional)

Für die Untersuchung mit dem Titel „The german digital governance & leadership study” haben Heidrick & Struggles 80 Konzerne zum Umgang mit der digitalen Transformation in ihrem Unternehmen befragt und sie dahingehend abgeklopft, wer für die Transformation federführend zuständig ist. Das ernüchternde Ergebnis: In Deutschland sind Chief Digital Officers noch extrem selten.

Organisatorisch weit vom digitalen Zeitalter entfernt

Nur 5 Prozent, also vier der 80 deutschen Unternehmen, die im DAX 30 und MDAX 50 gelistet sind, haben bislang einen Posten in ihren Reihen geschaffen, der die Verantwortung für die digitale Transformation tragen soll und als Chief Digital Officer bezeichnet wird.

Und nur ein einziges dieser vier Unternehmen, die ProSiebenSat.1-Gruppe, hat den CDO auf der Ebene des Vorstands angesiedelt: Christian Wegner leitet als Vorstand Digital & Adjacent den Bereich Diversifikation der ProSiebenSat.1 Media SE.

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Christian Wegner: Laut Handelsblatt der einzige Chief Digital Officer in Deutschland (Foto: ProSiebenSat.1 Group)

Nun könnte man vermuten, dass es nur an der ungewohnten Bezeichnung liegt, dass in deutschen Unternehmen scheinbar so wenige CDOs zu finden sind. Dann würde es die CDOs zwar geben, sie würden aber einfach nur anders heißen.

Doch das ist offenbar nur bei 16 Prozent der befragten Konzerne der Fall. Dort gibt es einen Verantwortlichen für die Digitalisierung, ohne dass er allerdings Chief Digital Officer genannt würde.

79 Prozent der Unternehmen betrauen stattdessen andere C-Level-Manager mit dieser Aufgabe, insbesondere die als digitalaffin geltenden Chief Information Officers (CIOs) und Chief Technology Officers (CTOs), sehr oft aber auch die Chief Financial Officers (CFOs).

Angesichts dieser Zuständigkeiten lohnt sich ein Blick auf die Kommunikationswege zwischen den Digitalverantwortlichen und dem Vorstand. Und auch hier ist der Befund eindeutig: Nur sehr wenige Digitalmanager berichten direkt an den Vorstandschef, der Studie zufolge sind es nur 15 Prozent.

9 Prozent müssen sich stattdessen an den Chief Operation Officer wenden, weitere 11 Prozent informieren andere Vorstandsmitglieder. Gar keine direkte Verbindung zum Vorstand haben rund 10 Prozent der Digitalmanager.

Noch nicht angekommen

Die Studie lässt keinen Zweifel: Die Digitalisierung ist, jedenfalls organisatorisch, in den deutschen Konzernen noch nicht angekommen. Der große Umbruch aber, den alle Auguren für unausweichlich halten, kann nur erfolgreich angegangen werden, wenn die Zuständigkeiten gebündelt werden – idealerweise in einer Person, die dann auch noch in einer hohen Position verankert sein sollte. Andernfalls ist das Widerstandsmoment zu groß. Noch sind CDOs hierzulandstandardabsatze aber fast so selten wie Einhörner.

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