Augmented & Virtual Reality

Den Blick erweitern: Durchbruch für Augmented Reality?

Augmented Reality ist an sich keine brandneue Technologie. Doch jetzt entstehen erstmals lohnenswerte Einsatzszenarien für Unternehmen und Verbraucher. Die CeBIT stellt die spannendsten vor.

20.03.2015
Lufthansa

Autofahrer haben zwei Probleme: Selbst der größte Tank ist irgendwann leer und Benzin kostet fast überall zu viel. Für das erste wird es so schnell keine Lösung geben, für das zweite gibt es bald eine App. "Route-n-Fuel" berechnet entlang einer geplanten Route, an welcher Tankstelle und zu welchem Zeitpunkt der Treibstoff am günstigsten sein wird... Von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) des Bundeskartellamtes stammen künftig die Benzinpreise sämtlicher Tankstellen. Um das Fahrverhalten berücksichtigen zu können, werden die erforderlichen Fahrzeugdaten aus dem seit 2001 obligatorischen On-Board-Diagnosesystem ausgelesen. Die Standortdaten kommen über GPS.

Apps und Augmented Reality

Ausgewertet mit Hilfe prädiktiver Modelle weiß die Software, wohin der Fahrer wahrscheinlich will und wie sich Spritpreise an den Tankstellen entlang dieser Route entwickeln werden. "Die App läuft auf jedem beliebigen iOS- und Android-Smartphone sowie Tablet", erklärt Andreas Stozir, Associate Director Automotive bei Lufthansa Systems, Geschäftsbereich Industry Solutions, der mit seinem Team die Applikation entwickelt hat.

Das klingt nach einer praktischen Sache. Autofahrer haben allerdings noch ein drittes Problem: Handyverbot. Während der Fahrt lassen sich Apps wie "Route-n-Fuel" zumindest rechtlich gesehen nicht nutzen. Und ständig anhalten, um aufs Display zu sehen – das macht wohl niemand. Tüftler aus aller Welt haben sich dieses Problems jedoch bereits angenommen. Augmented Reality (AR) heißt die Lösung, also die Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch digitale Technik. Im Auto heißt das: Head-up-Displays projizieren alle relevanten Informationen auf die Windschutzscheibe. Unter anderem bieten BMW im neuen 3er und Mercedes in seiner C-Klasse diese Technik ab Werk an.

Abseits des Cockpits spielt AR zudem eine immer größere Rolle. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war Google mit der Datenbrille Google Glass – doch die hat der Internetriese unlängst als Flop vom Markt genommen. Daneben gibt es noch die Epson Moverio BT200, Vuzix Smart Glasses M 100, Verizon Golden-i oder die Meta Pro Glasses. Inzwischen lassen sich einfache Modelle mit ein bisschen Pappe sogar selbst basteln .

Datenschutz und Hardware-Probleme

Vor allem größere Unternehmen könnten von dieser Technologie profitieren, weiß Rainer Liebhart: "Beispielsweise in der Logistik. Der Mitarbeiter bekommt einen aktuellen Auftrag ohne Verzögerung in sein Sichtfeld eingeblendet und kann per Sprachbefehl die schnellste Route zum Lagerstandort des Produkts auswählen." Liebhart, Director, Lufthansa Systems, Geschäftsbereich Industry Solutions hat insgesamt 20 Business Cases für den Einsatz von AR-Brillen identifiziert. Dabei ist er auf verschiedene Probleme gestoßen. Schwächen, die es für einen erfolgreichen Marktauftritt noch auszubügeln gilt. Sie reichen von der geringen Akkulaufzeit bis zu hoher Hitzeentwicklung bei Scan-Vorgängen. Probleme sieht der Experte außerdem in puncto Sicherheit. "So gibt es in den meisten Unternehmen noch keine Regelungen für datenschutzrechtliche Themen", erklärt Rainer Liebhart. "Schließlich ermöglicht die AR-Technik im Prozesseinsatz eine weitgehende Überwachung der Arbeitnehmer, von der Routenverfolgung bis hin zur Aufzeichnung jedes gesprochenen Wortes."

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