Security

Datenschutz als Wachstumsbremse

In den letzten Wochen wurde viel über die EU-Datenschutzreform diskutiert. Wie bei allen Themen, kann man solche Neuregelungen immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten, je nach dem auf welcher Seite man steht. Was für den Verbraucher augenscheinlich mehr Sicherheit und Kontrolle über die persönlichen Informationen bedeutet, kann auf der anderen Seite viele heute noch kostenfreien Angebote nicht mehr möglich machen.

01.03.2013 Bernd Nussbaum
Security Schriftzug
Datenschutz als Wachstumsbremse?

Gerade IT-Unternehmen der Startup-Szene würden hier extrem benachteiligt, denn die vergleichbaren Regelungen für Firmen in den USA, mit denen viele der Gründer hierzulande konkurrieren, sind doch eher lax, wie uns der Branchenprimus Facebook immer wieder vorführt. Hier werden Daten gesammelt und ausgewertet, was das Zeug hält, womit dann gezielt Werbung auf den User zugeschnitten und eingeblendet wird.

Auch viele Apps unserer Smartphones und Tabletts sind entweder werbefinanziert oder bieten den praktischen Login über Facebook & Co. an, worüber im Hintergrund schnell alle Daten ausgetauscht werden, die man freiwillig in jahrelanger Social-Media-Mitgliedschaft eingepflegt hat. Im Gegenzug erhält man eine „lite“ Version der App oder wird in Spielen mit dem Notwendigsten ausgestattet, falls man sich nicht durchringen kann, die Vollversion käuflich zu erwerben.

Eigentlich eine Win-Win- Situation. Der Konsument spart Geld und der Anbieter erfährt genug über seine Kunden, um die Angebote weiter anzupassen oder die Werbung zu optimieren. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn nach einigen Stimmen aus dem EU-Parlament sollen die Verbraucher künftig detailliert über jeden Datenaustausch informiert werden und müssten dann auch gezielt für jede Verwendung dediziert ihr Einverständnis erklären.

BITKOM und BVDW kritisieren Datenschutzreform

Hier setzt dann auch die Kritik der Branchenverbände BITKOM und Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) an, die eine Vereinheitlichung und damit Nivellierung der Gesetzgebung als Rückschritt sehen. Das deutsche Datenschutzgesetz biete eine viel differenziertere Betrachtung der verschiedenen Geschäftsmöglichkeiten, womit den Unternehmern ein größerer Spielraum bleibe, kommentiert Matthias Ehrlich, Vizepräsident des BVDW. Einigen Änderungsvorschläge würden vielen Unternehmen faktisch die Geschäftsgrundlage entziehen.

Der BITKOM Verband begrüßt zwar das Bestreben der EU, eine einheitliche Regelung zu finden, werden heute doch noch zum Beispiel viele Cloud-Geschäftsmodelle durch die landesspeziefischen Regelungen und die dadurch bei den Nutzern entstehenden Rechtsunsicherheit gehemmt.

Allerdings dürften die Neuregelungen eine wirtschaftliche Nutzung von Daten nicht zu stark einschränken oder gänzlich unmöglich machen.
BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf

Konsens – der kleinste gemeinsame Nenner?

Bei kaum einem Thema wird so kontrovers diskutiert, wie in allen Belangen rund um das Internet. Fast all unsere Gesetze kennen geographische Grenzen, an denen sie enden. Digitale Informationen sind allerdings immaterielle Güter, welche sich nicht an diesen Grenzen aufhalten lassen, wie es die niemals endend wollende Diskussion um das Urheberrecht mit der GEMA immer wieder anschaulich beweist. Unternehmen, welche mit Dienstleistungen rund um das Internet Geld verdienen, müssen sich tagtäglich mit Rechtsunsicherheiten befassen, um in Ihrem Wachstum nicht an den Grenzen ihres Wirtschaftsraums zu scheitern. Die Kosten, Geschäftsmodelle auf alle europäischen Staaten anzupassen, sind immens und benachteiligen hiesige Unternehmen gegenüber dem amerikanischen Wettbewerb enorm. Durch eine einheitliche Gesetzgebung würde die Größe des europäischen Wirtschaftsraums fast zum amerikanischen aufschließen und damit den hiesigen Unternehmen enorme Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Vieles ist im Moment noch in der Diskussion und was dabei heraus kommt? Nichts genaues weiß man nicht. Hoffen wir auf einen für Kunden und Wirtschaft annehmbaren Kompromiss…

Security Big Data & Business IntelligenceCloud RSS Feed abonnieren