CEBIT News

Das waren die Trends der CeBIT 2016

Auf der diesjährigen CeBIT war die schnell fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zum Greifen nah: Führende Forschungseinrichtungen, Unternehmen der verschiedensten Anwenderbranchen und Startups zeigten die neuesten Entwicklungen aus den Bereichen Internet der Dinge, Cloud Computing, IT-Security, Mobile und Social Business.

18.03.2016
Augmented Reality

Hochleistungsfähige Drohnen, selbstlernende Maschinen, vernetzte Weinberge, Technik, die unter die Haut geht und ein Roboter, der Gefühle zeigen kann: Die CeBIT präsentierte 2016 mehr technische Innovationen als jemals zuvor. Hinzu kam das hochkarätige Programm der CeBIT Global Conferences mit mehr als 200 Sprechern, darunter Phil Zimmermann, Erfinder der legendären Verschlüsselungssoftware Pretty Good Privacy, der schwedischen Biohacking-Aktivist Amal Graafstra und Medien-Ikone Jeff Jarvis.

Internet der Dinge als wichtigster Hebel der Digitalisierung

Die Messe stand in diesem Jahr unter dem Motto "d!conomy: join – create – succeed" und fokussierte sich auf die Frage, wie Unternehmen optimal die Chancen der Digitalisierung nutzen. Das alles überstrahlende Thema war das Internet der Dinge (IoT): Schon 2020 sollen weltweit mehr als 50 Milliarden Geräte vernetzt sein. Welche vielseitigen Möglichkeiten IoT-Technologien im internationalen Wettbewerb eröffnen, machte der IoT/M2M-Pavillon deutlich. Konzerne wie Telefónica oder TomTom Bridge stellten in Hannover neue Anwendungen vor. Eurotech veranschaulichte gemeinsam mit der OSGi Alliance am Beispiel einer Modelleisenbahn, wie sich mit portablen Softwaremodulen auf Java-Basis komplexe Verkehrssysteme lenken lassen.

Praxisnahe IoT-Showcases gab es auch bei vielen anderen Ausstellern. So präsentierte SAP eine Straßenlaterne mit Ladetechnik für E-Mobile und Sensoren, die Schadstoffe in der Luft messen, bei Starkregen Überschwemmungen in Echtzeit melden und mit einer Radarkamera vorbeifahrende Fahrzeuge im Blick haben. Intel verblüffte die CeBIT-Besucher mit dem naturgetreuen Nachbau eines Weinberges, der mit einer solarbetriebenen Sensorstation ausgestattet ist, um dem Winzer per Smartphone Auskunft über den Reifegrad der Reben geben zu können. Die Deutsche Telekom zeigte in einem Showcase, wie die Digitalisierung "vom Acker auf den Teller" gelangt: Sensoren erfassen die Sonnenscheindauer oder Feuchtigkeit des Bodens und speisen die Daten in die Cloud ein, wo sie von GPS-gesteuerten Landmaschinen abgerufen werden können. Ein weiteres IoT-Szenario stammte aus dem Gesundheitssektor: ZTE stellte in Hannover eine vernetzte Mobile-Health-Lösung vor, die ältere Menschen mittels Sensoren vor dem Ausbruch chronischer Krankheiten schützen soll.

Big Data und Cloud sind Grundpfeiler der digitalen Transformation

Die intelligente Aufbereitung der wachsenden Datenmengen in Industrie, Logistik, Gesundheit und Mobilität verändert die Wirtschaft. Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland vertraut inzwischen auf angemietete Infrastruktur aus dem Web. Cloud Computing war in diesem Jahr fast überall auf der Messe präsent – etwa bei der Deutschlandpremiere der Salesforce World Tour, die zahlreiche Beispiele für die Beschleunigung der digitalen Transformation lieferte. Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Microsoft stellten auf der CeBIT Konzepte vor, die flexibel verfügbare IT-Ressourcen mit den strengen deutschen Gesetzen für die Datensicherheit verbinden. Mit einem etwas anderen Blickwinkel gingen die Forscher des Hasso-Plattner-Instituts das Thema Big Data an: Sie entwickelten eine Software, die Kommentare in Social-Media-Kanälen analysiert, um potenzielle Kunden für bestimmte Produkte zu finden.

Neue Technologien sorgen für mehr IT-Sicherheit

Die CeBIT 2016 beeindruckte mit einer enormen Bandbreite an Business-Security-Lösungen – von der App für abhörsicheres Telefonieren mit dem Smartphone bis zum Cyber Defence Center von Airbus zur schnellen Erkennung von Angriffen aus dem Web. Unternehmen haben verstärkt mit zielgerichteten Cyberattacken zu rechnen. Als Antwort stellte beispielsweise Kaspersky in Hannover eine neue "Anti Targeted Attack Platform" vor. Ein wichtiges Thema bleibt auch die Verschlüsselung von E-Mails. Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT startete auf der CeBIT die Registrierung für die sogenannte Volksverschlüsselung, die Mitte des Jahres zur Verfügung stehen soll – für Privatanwender kostenlos. Einen weiteren wichtigen Aspekt zum Thema Sicherheit brachte Vodafone ins Spiel: Eine vernetzte Bodycam für Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute soll die öffentliche Sicherheit auf Großveranstaltungen erhöhen.

Disruptive Geschäftsmodelle dank kreativer Startups

Einen Rekordwert markierte die CeBIT in diesem Jahr bei den Startups: Mehr als 400 Jungunternehmen waren in Hannover vertreten, 300 allein bei SCALE11 . Die führende europäische Plattform für Startups präsentierte clevere Geschäftsideen aus den Bereichen Big Data, E-Commerce, Mobility & Automotive,Smart Cities und Fintech. In Zusammenarbeit mit einem Startup präsentierte die Deutsche Bahn AG ein System, das aus den Schienengeräuschen zuverlässig die Entfernung eines herannahenden Zuges vorhersagen kann. Dank der wegfallenden Verkabelung sollen sich Schranken für die Hälfte der Kosten betreiben lassen.

Den mit 50 000 Euro dotierten CeBIT Innovation Award erhielten Felix Kosmalla und Frederik Wiehr vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken für ihre Entwicklung "climbtrack", die mittels Augmented Reality Strecken und Übungsfortschritte beim Training an Kletterwänden dokumentiert. Ebenfalls ausgezeichnet wurden "ActiWait" von der Urban Invention GbR, ein interaktiver Aufsatz für einen Signalanforderungstaster an Fußgängerampeln, sowie der von zwei Bonner Informatikstudenten entwickelte "Cryptomator", die erste zuverlässige, clientseitige Open-Source-Verschlüsselung für den Cloud-Speicher, die plattformunabhängig einsetzbar ist und sich auch für technisch weniger erfahrene Nutzer eignet.

Optimierte Prozesse für die digitale Verwaltung

Für die Öffentliche Hand bedeutet die Digitalisierung eine große Herausforderung. Sämtliche Daten müssen künftig sicher und effizient verarbeitet und verschickt werden. Aussteller wie die Software AG und Governikus stellten auf der Messe ihre Lösungen zur Umsetzung der "Digitalen Verwaltung 2020" vor. Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) demonstrierte auf der CeBIT, wie man mit aktuellen Technologien ein nutzerfreundliches digitales Dachportal für die Angebote von Bund, Ländern und Kommunen entwickeln kann. Weitere praxisnahe Anregungen gab es im Public Sector Parc und auf dem Bitkom-Gemeinschaftsstand.

Drohnen und humanoide Roboter erobern die Business-Welt

Zum ersten Mal wurde auf der CeBIT der DronemastersSummit ausgerichtet, der neben der Ausstellung auch ein mehrtägiges Konferenzprogramm und eine Flugarena umfasste. Im Mittelpunkt standen Business-Anwendungen für die Flugroboter, mit denen beispielsweise Energiekonzerne Freilandleitungen und Umspannwerke überwachen können.

Die Herzen der CeBIT-Besucher eroberte "Pepper": Der von der französischen Firma Aldebaran und IBM entwickelte humanoide Roboter kann 20 Sprachen, erkennt anhand des Gesichtsausdrucks die Emotionen seines Gesprächspartners und ist nicht nur in japanischen Konsumtempeln im Einsatz, sondern bald auch auf deutschen Kreuzfahrtschiffen.

Eine innovative Avatar-Plattform von Hewlett Packard Enterprise soll Unternehmen neue Geschäftschancen eröffnen. Ein erster Prototyp auf der CeBIT ermöglicht die virtuelle Anprobe von Bekleidung. Er soll Onlinehändlern beispielsweise dabei helfen, die Anzahl der Rücksendungen zu senken.

Zukunftstechnik, die unter die Haut geht

Im Rahmen der digitalen Transformation erlangt das so genannte Biohacking, das "Internet of us", eine neue Bedeutung. CeBIT-Besucher konnten sich am Stand von Digiwell die reiskorngroßen NFC-Chips zwischen Daumen und Zeigefinger implantieren lassen. Die Chips können als mobile Datenträger genutzt werden und ermöglichen beispielsweise das Öffnen einer Haustür ohne Schlüssel. Die Biohacker haben die Vision, bereits in zehn Jahren die menschliche Leistungsfähigkeit durch einen Chip im Gehirn zu verbessern.

Augmented & Virtual Reality als next big thing

Bei modernen Fertigungsprozessen werden immer mehr Maschinen- und Prozessdaten aufgezeichnet. Aber wie lassen sich aus diesen Datenbergen wertvolle Inhalte herausfiltern? Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigte auf der CeBIT 2016, wie sich Smart Data Analytics mit einer Augmented-Reality-Anwendung auf dem Boden darstellen lassen – etwa die Soll- und Ist-Werte einer Produktionsanlage. Eine weitere CeBIT- Premiere war die neue Datenbrille von Brother, die sich vor allem für den Einsatz in der Logistik und in Kliniken eignet.

Als besonderer Eyecatcher kam der virtuelle Dinosaurier Tristan aus dem Berliner Naturkundemuseum nach Hannover: Eine Smartphone-App der Firma Shoutr legte die lebensechte Animation des Urtiers über die reale Hallenumgebung.

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