Digital Farming

Das Internet der Äcker

Beim Digital Farming gehen Natur und IT eine Symbiose ein: Äcker werden intelligent, Drohnen liefern Daten über die Bodenbeschaffenheit. Die Digitalisierung der Landwirtschaft hat sogar das Potenzial, den Welthunger zu beenden.

11.02.2016
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Wann ist die Bodentemperatur günstig für die Aussaat? Ist Niederschlag zu erwarten? Gedeiht die Saat besser am oberen oder am unteren Ende des Hangs? Seit Jahrtausenden versuchen wir, die Zeichen der Natur zu verstehen. Allzu häufig jedoch erwies sie sich als unberechenbar. Das ändert sich jetzt: IT bringt der Welt das Sprechen bei – mit erheblichen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Nach Zahlen des Deutschen Bauernverbands ernährt ein Landwirt heute 144 Menschen, mehr als dreimal so viele wie 1980. Nahezu alle Möglichkeiten, die Erträge auszuschöpfen, sind bereits ausgereizt. Aber jetzt kommt die Digitalisierung.

Den Puls der Erde fühlen

Bereits heute setzen immer mehr Agrarbetriebe auf vernetzte Maschinen. Laut einer Umfrage der BITKOM arbeitet jeder fünfte Bauer in Deutschland mit digitalen Lösungen. "Hightech-Anwendungen werden auf dem Bauernhof von morgen ganz selbstverständlich sein", sagt beispielsweise Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom.

Schon heute steuern Landwirte ihren Mähdrescher satellitengesteuert in parallelen Bahnen über die Felder. Sie selbst sitzen nur noch auf der Maschine und überwachen die Fahrt. Immer häufiger lassen sie auch Drohnen aufsteigen, die Pflanzenschutzmittel sprühen, den Zustand von Böden erkennen oder vor Wildtieren und dem Befall durch Ungeziefer warnen. Außerdem kommunizieren Traktoren mit Sensoren im Boden, die Informationen über Pflanzengesundheit, Ernteertrag und Mineralienzusammensetzung liefern. Kombiniert mit GPS-Daten und Vorhersagen über Temperatur, Niederschlag und Verdunstungsrate entsteht so ein umfassendes Bild der individuellen Anbausituation.

Erste staatliche und private Internetplattformen führen bereits all diese Informationsquellen zusammen. Landwirte erhalten auf ihrem Tablet oder Smartphone präzise Angaben über das Zusammenspiel der Einflussfaktoren. Außerdem lassen sich Benzin, Düngemittel und Saatgut fokussierter einsetzen und so Ressourcen sparen.

Markt wächst rasant

Laut der Unternehmensberatung Roland Berger wird das weltweite Marktvolumen für intelligente Applikationen in der Landwirtschaft bis 2020 um rund 12 Prozent jährlich wachsen. Neue Geschäftsfelder entstehen. Dazu zählen beispielsweise IT-Komplettlösungen für das Planen und Nutzen von Ressourcen, agrarspezifische Business-Intelligence-Software sowie Dienstleistungen rund um vernetzte Geräte und einen effizienteren Einsatz von Düngemitteln.

"Precision Farming wird den Landwirtschaftssektor stark verändern“, sagt Norbert Dressler, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Nur wenn Unternehmen in der Lage sind, ihr Geschäftsmodell schnell an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen, können sie das erhebliche Potenzial der Branche für sich nutzen."

Sicher ist: Das Internet der Äcker wird daher schon bald einer der spannendsten Schauplätze der globalen Wirtschaft sein. Und es entscheidet mit über die Zukunft der Menschheit.

Erfahren Sie auf der CeBIT alles über:

  • das Internet der Dinge, beispielsweise beim IoT Forum in Halle 13,
  • neue Einsatzszenarien für Drohnen beim DRONEMASTER SUMMIT ,
  • das geschäftliche Potenzial von IT-Innovationen bei einer Guided Tour .
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