Security

Darknet: Schutzschild oder Scheinwelt?

Am Darknet scheiden sich die Geister. In Hollywood-Streifen, in denen es um Cyberkriminalität geht, ist es die mystische Spielwiese für kriminelle Machenschaften. Doch Internetaktivisten sind auf die Anonymität angewiesen und Datenschützer sehen darin einen guten Schutz der Privatheit im Netz.

01.10.2015
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Egal ob idealistischer Freiheitskämpfer oder Online-Krimineller: Im Darknet wähnen sich alle sicher.

Unter der Oberfläche des Internets verbirgt sich das Darknet. Ein Computernetzwerk, in dem jedes Datenpaket mehrfach verschlüsselt wird und jede Verbindung anonym bleibt. Darüber gehen all jene Nutzer online, die spätestens seit NSA-Bespitzelung und Hackerangriffen auf Portalbetreiber wie Sony oder Ashley Madison die Nase voll haben vom unsicheren World Wide Web. Dieses Darknet – es klingt nach einer vernünftigen Alternative. Wäre da nicht sein schlechter Ruf.

Tor zum Darknet

"Das" Darknet ist ein irreführender Begriff: Tatsächlich ist jedes von der Öffentlichkeit abgeschottete Netz ein dunkles. Wer vom Darknet spricht, meint meist das Netzwerk Tor. Einmal eingeloggt, wird darin jede Verbindung über mehrere zufällig ausgewählte Proxy-Server umgeleitet, die wiederum nur ihren eigenen Vorgänger und Nachfolger kennen. Die IP-Adresse wechselt automatisch. Das Ergebnis: Weder der ursprüngliche Sender, noch der Empfänger lassen sich zurückverfolgen.

Jacob Appelbaum hat Tor mitentwickelt. Für den Kryptografie-Experten und Unterstützer von Wikileaks-Gründer Julian Assange dient das Netzwerk dem Schutz der Privatsphäre. Schließlich gehe es niemanden etwas an, welche Seiten ein Bürger besucht – schon gar nicht die Regierung.

"Das Tor-Netzwerk besteht aus denjenigen, denen es wichtig ist“, meint Appelbaum gegenüber Zeit Online .

"Es sind gegenseitige Hilfe und Solidarität, die das Netzwerk bilden."

Erst anonymes Surfen würde beispielsweise den Gedankenaustausch in Ländern wie China ermöglichen, in denen die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist. Und auch Whistleblower bräuchten ein Medium, das sie nicht zur Zielscheibe von Staat und Organisationen mache.

Seit den Enthüllungen von Edward Snowden sind auch Durchschnittssurfer skeptischer geworden. Bei sogenannten Cryptopartys werden Laien von Hackern geschult, wie eine abhörsichere Kommunikation im total vernetzten Zeitalter funktioniert. Ist das Darknet einfach ein demokratischeres Internet?

Von Datenschützern und Dissidenten

Jamie Bartlett sieht das etwas anders . Der Autor des Buchs „The Dark Net“ meint: „Man muss unterscheiden zwischen dem Tor-Browser und dem Tor-Netzwerk. Mit dem Browser kann man auch im normalen Internet anonym surfen.“ Im Netzwerk hingegen versteckten sich viele Websites mit fragwürdigen Inhalten.

Beispiele gibt es viele: Websites wie die Drogenplattform Silk Road, die in gut zwei Jahren mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielte. FBI und Interpol hatten Silk Road 2014 infiltriert und abgeschaltet, Betreiber Ross Ulbricht wurde festgenommen und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Zu Fall gebracht hatte Ulbricht aber nicht eine technische Sicherheitslücke im Darknet, sondern seine eigene Unvorsichtigkeit .

Sicher genug?

Nachrichtendienste wie GCHQ und NSA arbeiten bereits daran, Tor mit eigenen Servern zu unterwandern. Das geht aus von Snowden veröffentlichten NSA-Dokumenten hervor .

Das Netzwerk wird nämlich nicht von einer Organisation zentral kontrolliert – jeder kann stattdessen Knotenpunkte bereitstellen. Auch Behörden. Betreibt ein Einzelner eine kritische Masse an Proxy-Servern, kann er die Anonymität der Datenübertragung aushebeln. Nur einer von mehreren Ansätzen, mit denen Regierungen weltweit gegen die vermeintlich abgeschotteten Netzwerke vorgehen.

Wie kann ein simples Fazit zum Darknet aussehen? Vielleicht so: Neben vielen dunklen Flecken gibt es dort durchaus auch Licht. Aber hundertprozentige Sicherheit – die gibt es nicht.

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