Digitale Transformation

CEOs @ CeBIT #5: Markus Haas, Telefónica Deutschland

Erst vor wenigen Monaten wurde Markus Haas zum Vorstandsvorsitzenden von Telefónica Deutschland ernannt. Er will das Unternehmen zur bundesweit führenden digitalen "OnLife Telco" machen. Was das heißt und was die CeBIT damit zu tun hat, erklärt er im Interview.

08.03.2017
CEO Telefonica Markus Haas
Markus Haas, CEO bei Telefónica Deutschland

Herr Haas, das Smartphone ist einer der stärksten Treiber der Digitalisierung, doch ohne starke Netze bringt das beste Mobilgerät wenig. Was ist die größte Herausforderung, die Telefónica in den nächsten Jahren der digitalen Transformation meistern muss?

Unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen das beste Kundenerlebnis bieten. Natürlich gehört dazu eine hervorragende Konnektivität. Deshalb investieren wir auch in diesem Jahr wieder rund eine Milliarde Euro, um unseren Geschäfts- und Privatkunden ein erstklassiges Netzerlebnis zu ermöglichen. Aber für uns heißt das auch, Produkte und Dienste anzubieten, mit denen unsere Kunden ihr digitales Leben nach ihren Bedürfnissen gestalten können. Dafür müssen wir unser Unternehmen weiter transformieren und unsere Prozesse vollständig digitalisieren.

Zudem eröffnen sich durch die Datenexplosion im Markt komplett neue Geschäftsfelder für uns. Die im Geschäftsverkehr zunehmend entstehenden Datenmengen unserer Kunden wollen wir verstärkt anonymisiert und aggregiert und damit sicher und zuverlässig zu Analysezwecken verarbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass wir damit Mehrwert für die Gesellschaft und für unsere Kunden schaffen und neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Unserer Verantwortung im Zusammenspiel von Datenschatz und Datenschutz und im Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden sind wir uns dabei sehr bewusst.

Das Motto der CeBIT 2017 lautet "d!conomy – no limits". Was heißt "no limits" für Sie persönlich?

Durch den kontinuierlichen Fortschritt der Netztechnologie sind die Möglichkeiten für mich unbegrenzt, um das Leben mit digitalen Mitteln zu erleichtern. Im Internet der Dinge werden wir ein enormes Wachstum bei der Anbindung von Geräten durch Narrowband IoT sehen. Beispielsweise für Strom- und Wasserzähler. Aber auch in Anwendungen für Verbraucher wird das Internet der Dinge ganz neue Dimensionen in elementaren Bereichen wie Mobilität oder Gesundheit eröffnen. Davon können wir alle nur profitieren. Eine vernetzte Schuhsohle, ein datenerfassendes Hemd oder ein Hundehalsband, das die Gewohnheiten des Haustieres erfasst, sind bereits keine Zukunftsmusik mehr.

Wenn Technologien immer neue Möglichkeiten eröffnen – was bedeutet das für die ethische und juristische Verantwortung von Unternehmen?

Bei allen unseren Aktivitäten setzen wir uns dafür ein, dass die Menschen die Hoheit über ihre Daten behalten. Das hat für uns oberste Priorität. Im Klartext heißt das, Kontrolle über die Daten geben und die Transparenz erhöhen. Und was die Datenanalyse anbelangt: Wir haben eigens dafür ein patentiertes dreistufiges Anonymisierungsverfahren entwickelt. Dieses ist mit der Bundesdatenschutzbeauftragten abgestimmt und von externen Gutachtern geprüft. Der Austausch mit den zuständigen Behörden ist uns sehr wichtig. Gleiches gilt für die gesellschaftliche Debatte zu diesen Themen, die wir ganz offen zum Beispiel in Berlin in unserem Telefónica BASEcamp führen. Dort laden wir Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen zum Diskurs ein.

"Wir setzen uns dafür ein, dass die Menschen die Hoheit über ihre Daten behalten."

Welcher digitale Trend fasziniert Sie derzeit am meisten, abgesehen von den Kernthemen Ihrer Branche?

Grundsätzlich faszinieren mich die Chancen, die sich über künstliche Intelligenz in der Zusammenarbeit mit dem Kunden ergeben. Die Telefónica Gruppe hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit der vierten Plattform ein entsprechendes Tool für kognitive Intelligenz vorgestellt. Diese ermöglicht den Kunden, sich über genutzte Produkte und Dienste zu informieren, den Datenverbrauch im Auge zu behalten, Serviceanfragen zu stellen und Gerätezugänge zu verwalten. Und das auf ganz natürliche Art und Weise und in einem mitdenkenden System. Uns hilft das, unsere Kunden noch besser zu verstehen und ihnen ein künftig noch besseres Serviceerlebnis in Echtzeit zu bieten.

Was zeigen Sie an Ihrem Stand in Halle 12 in diesem Jahr?

An unserem Stand machen wir deutlich, wie wir als OnLife Telco unsere Kunden dabei unterstützen, ihr digitales Leben nach ihren Wünschen zu gestalten. OnLife bedeutet für uns, dass wir unsere Geschäfts- und Privatkunden in ihrem digitalen Leben nach ihren Bedürfnissen begleiten. Wir präsentieren neben maßgeschneiderten Angeboten für Geschäftskunden und neuen Machine-to-Machine-Anwendungen wie Smart Metering und Tracking Devices auch die Angebote unseres Tochterunternehmens Telefónica NEXT. Im Bereich Internet der Dinge für Endkunden zeigen wir zum Beispiel einen Prototypen für gesundheitsorientierte Kleidung. Und bei Advanced Data Analytics belegen wir mit aktuellen Studienergebnissen aus einem Pilotprojekt in Stuttgart, wie sich mit der Analyse mobiler Daten der Straßenverkehr besser steuern und damit Stau sowie Luftverschmutzung vermindern lassen. Startups aus unserem Accelerator Wayra und Informationen zu unserem Netz gehören natürlich auch dazu, sowie ein informatives Rednerprogramm auf einer eigenen Showbühne am Stand mit Fokus auf das Internet der Dinge.

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