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Braucht Android keine Antivirus-Software?

Eine mutige Aussage, die Googles Chef-Sicheheitstechniker Adrian Ludwig von sich gegeben hat. Er hält Antivirus-Programme für Android für überflüssig. Seiner Meinung nach würden 99% der Android-Nutzer nicht durch eine solche App profitieren, da sie eh nicht mit Malware in Berührung kommen.

19.07.2014 Carsten Knobloch
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Braucht Android keine Antivirus-Software?

Des Weiteren klagt er sogar, dass Sicherheitsfirmen Fakten verzerrt darstellen, um vor einer Malware-Explosion unter Android warnen zu können. Verständlich, ist er es doch, der für die Sicherheit verantwortlich ist. Aber liegt er damit auch richtig?

Fakt ist, dass Malware für Android vorhanden ist. Fakt ist ebenso, dass Googles eigene Sicherheitsmechanismen nicht ausreichen, um den Google Play Store zu 100% vor Malware zu schützen. Immer wieder liest man von Apps, die mit Malware versehen sind und es trotzdem in den Google Play Store schaffen. Fakt ist aber ebenso, dass dies nur bei neuer Malware geschieht. Hier helfen auch keine Antivirus-Apps, die die neue Malware noch gar nicht kennen.

Ebenso ist es extrem unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass man sich zum Beispiel auf einer Webseite Malware mit dem Android-Smartphone einfängt. Hier gilt das gleiche Prinzip. Eine Antivirus-App hilft nur, wenn sie den Schädling auch erkennt. Was aber können aktuell verfügbare Schädlinge für Smartphones überhaupt anrichten? Nun, das kommt ganz darauf an, wie man sein Smartphone nutzt.

Nimmt man den mobilen Begleiter für alle Gelegenheiten, erledigt damit geschäftliche Korrespondenz, greift zu Online-Banking und nutzt es vielleicht sogar zum Online-Shopping, kann es für einen Angreifer sehr attraktiv sein. Kontaktdaten, Kreditkarten-Informationen, Zugang zu Online-Shops und Kontakte, all dies kann über Schadsoftware abgegriffen werden.

Ebenfalls spielt immer die finanzielle Komponente eine Rolle. Viele der bekannten Malware-Typen zielen nur darauf ab, den Infizierten ärmer zu machen und den Malware-Ersteller zu bereichern. Hierzu werden – ohne dass der Smartphone-Nutzer dies merkt – Premium-SMS verschickt oder teure Sonderrufnummern angewählt. Es kam auch schon vor, dass mit Hilfe sogenannter Ransomware Inhalte auf dem Smartphone gesperrt wurden und Erpresser die Freigabe nach Zahlung eines gewissen Betrags versprochen haben.

Die Gefahren sind sicher nicht zu unterschätzen, aber wie einfach fängt man sich Malware ein? Hier kann man die meisten Nutzer wohl beruhigen. Der durchschnittliche Nutzer, der nur Apps aus offiziellen Quellen installiert und bei mobilen Webseiten eher in den Standard-Kategorien unterwegs ist, wird mit Malware eher selten bis nie in Berührung kommen. Dazu greifen Schutzmechanismen zu gut und sollte dennoch einmal eine App durch die Kontrollen schlüpfen, wird diese meist schnell erkannt.

Wer sich hingegen viel mit Apps aus Drittquellen versorgt oder Webseiten ansurft, die eben nicht dem Mainstream angehören, läuft durchaus Gefahr, sich dort etwas einzufangen. Allerdings sollte man dann auch darauf verzichten, auf dem Gerät mit entsprechend sensiblen Daten zu hantieren. Sollte man auf dem PC ja auch vermeiden. Einen Virenschutz im Umfang wie man es von Windows PCs kennt, ist für Android heute in unseren Breiten sicher noch nicht nötig, auch wenn es die Sicherheitsfirmen gerne sehen würden.

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