Job & Career

Boreout im Job? 5 Zeichen für Unterforderung

Man liest immer nur vom Burnout. Doch auch Unterforderung im Job kann gefährlich werden.

11.03.2015 Nora Jakob

Das Falsche studiert, am falschen Ort, die falschen Vorgesetzten? Der Boreout droht

Es ist der Job Ihrer Träume, aber Sie haben ihn sich irgendwie anders vorgestellt: Die Kollegen sind nett, das Gehalt gut, der Arbeitgeber fördert und unterstützt Sie. Aber Sie sind gelangweilt, fühlen sich unterfordert – dafür gibt es mittlerweile sogar einen Fachbegriff in der Wissenschaft: der Boreout . Wir hören allerdings immer nur, dass sich Menschen am Arbeitsplatz kaputt arbeiten, dabei ist der Boreout genauso gefährlich und weist ähnliche Symptome auf.

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Dein Job füllt dich nicht aus? Fünf Zeichen für den Boreout.

Wie es dazu kommen kann?

"Es gibt Menschen, die haben das Falsche studiert, andere arbeiten am falschen Ort oder haben führungsschwache Vorgesetzte. Es kann auch vorkommen, dass die Menschen einfach faul sind, die meisten werden aber faul gemacht",

sagt der Schweizer Unternehmensberater und Buchautor Peter R. Werder. Gemeinsam mit Philippe Rothlin hat er ein Buch geschrieben und dabei erklärt, wie es zu einem Boreout kommen kann. Wie erkennen Sie, dass Sie in Ihrem Job wieder mehr gefordert werden solltest.

1. Sie arbeiten, obwohl Sie längst fertig sind

Sie erwecken den Anschein, als wären Sie gut beschäftigt, räumen Aktenstapel hin und her – und starren angestrengt auf den Bildschirm? Für Außenstehende sieht es so aus, als hätten Sie unheimlich viel zu tun und könnten ganz wunderbar und konzentriert arbeiten, dabei surfen Sie auf Facebook oder organisieren mit Freunden schon den Feierabend, nur damit die Zeit vergeht.

Manche machen das, um einen guten Eindruck zu erwecken, andere, weil sie sich so sehr langweilen, dass sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Aber das ist nicht ganz ungefährlich: Denn obwohl man den ganzen Tag eigentlich nichts gemacht hat, ist man abends erschöpft. Das ist übrigens ein klassisches Symptom für einen Boreout.

"Man ist überfordert mit der Unterforderung. Deswegen manipuliert man das Umfeld mit Verhaltensstrategien: Man täuscht vor, dass man arbeiten würde, tut es aber eigentlich nicht",
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2. Sie machen unnötig viele Fehler

Je unkonzentrierter jemand ist, desto mehr Fehler macht er . Das kann natürlich medizinische Ursachen haben, aber auch einfach daran liegen, dass jemand mit seinem aktuellen Job schon abgeschlossen hat, sich Tag für Tag langweilt – und nur noch aus Pflichterfüllung täglich ins Büro kommt. Mit seinem Kopf träumt er sich allerdings schon woanders hin, wo er wieder mehr gefordert wird. Das ist die eine Seite der Medaille.

Es kann allerdings auch sein, dass genau diese Person andere Menschen kritisiert – und er mehr Zeit dafür investiert als für seine tatsächliche Arbeit. Menschen, die sich unterfordert fühlen, suchen sich andere Betätigungsfelder – und da passiert es eben manchmal, dass sie die Wut an ihren Kollegen auslassen – und ihren Frust auf sie übertragen. "Wenn jemand mehr Zeit damit verbringt, mit seinen Kollegen zu sprechen oder deren Beziehungen untereinander zu analysieren oder sich Hirngespinste ausdenkt, dann kann es sein, dass seine Arbeit ihn nicht genug fordert oder er wenig Interesse darin zeigt, warum er eigentlich in diesem Büro arbeitet", sagt Melissa Maybury Lubin, Direktorin des Virginia-Tech-Commonwealth-Campus-Centers.

3. Sie lernen nichts mehr

Zeit für einen Wechsel ist es vielleicht auch dann, wenn Sie jeden Handgriff kennen, wissen, wie was läuft, vor allem aber seit Jahren nichts mehr Neues gelernt haben – dann sollten Sie sich nach einem anderen Job umschauen. Oder mindestens den Chef bitten, dass er Sie ein neues (und anspruchsvolleres) Projekt oder eine andere Position anbietet, die Sie wieder neu herausfordert.

Wenn man sich einmal in die Sackgasse "Ich komme im Job nicht weiter" manövriert hat, braucht man vielleicht auch Hilfe von außen, um wieder klar zu sehen. Dabei können etwa Coaches, Mentoren oder auch Bewerbungstrainer helfen, die man einen Blick auf die aktuelle Situation werfen.

4. Sie suchen Gründe, um im Job zu spät zu kommen oder früh zu gehen

Schon am Abend denken Sie sich tausend Gründe aus, wie Sie es am nächsten Morgen schaffen könnten, zu spät ins Büro zu kommen – und möglichst früh wieder zu gehen. Und jeden Morgen sitzen Sie an deinem Schreibtisch, weil es Ihnen nicht gelingt, Ihre fantasierten Pläne am Morgen in die Tat umzusetzen. Sei es das schlechte Gewissen oder der Zwang zur Pflichterfüllung, der Sie jeden Morgen davon abhält – aber gut ist keines von beiden. Viel mehr sollten Sie nach den Ursachen forschen, warum Sie nicht mehr gerne auf der Arbeit sind oder warum es Ihnen schwer fällt, zur Arbeit zu gehen.

Haben Sie sie für sich festgestellt, werden Sie vielleicht merken, dass Sie etwas ändern müssen, um morgens wieder motiviert und mit vollem Elan zur Arbeit zu gehen. Aber dazu müssen Sie den Mut zur Veränderung haben – und finden so vielleicht Ihre wahre Berufung.

5. Sie sind unglücklich mit Ihrem Job

Wenn es gar nicht mehr anders geht und Sie sich schon fast zu einem Jobwechsel durchgerungen haben, sollten Sie sich trotzdem noch mal die Punkte aufschreiben, die Sie mit Ihrem aktuellen Job unzufrieden machen: Ist es die wirtschaftliche Situation oder sind es fehlende Entfaltungsmöglichkeiten, fehlende Kreativität oder unmögliche Kollegen?

Erst dann wird Ihnen richtig klar, wonach Sie eigentlich suchen – und können gezielter nach einer neuen Stelle suchen. Hilfreich kann es dabei auch sein, sich selbst eine Liste zu erstellen und konkrekt alle Punkte mit Beispielen zu belegen.

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