Big Data

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Isoliert betrachtet sind unsere Datenspuren, die wir täglich hinterlassen, wenig aussagenkräftig. Aber richtig analysiert, verknüpft und ausgewertet können aus Datenbergen für Unternehmen unglaubliche Potenziale entstehen.

25.02.2016
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Die amerikanische Supermarktkette Target machte mit der Vorhersage der Schwangerschaft von Kundinnen bereits vor einigen Jahren in der New York Times Schlagzeilen. Ein Vater hatte sich bei dem Unternehmen beschwert, da seine Tochter – die noch zur Highschool ging – Coupons für Babykleidung erhalten hatte. Wenige Tage später meldete er sich kleinlaut zurück: Die Tochter erwartete tatsächlich ein Kind. Target hatte mit Hilfe von Datenanalysen des Kaufverhaltens erkannt, was das Mädchen der eigenen Familie noch verheimlicht hatte.

Per Du mit jedem Kunden

Die Ermittlung war damals bereits erstaunlich einfach: Das Muster der gekauften Produkte –etwa bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und geruchsneutrales Shampoo – ließ Rückschlüsse auf eine mögliche Schwangerschaft zu. Werden alle Einkäufe per Kundenkarte festgehalten, ist dies nicht sonderlich schwer. Das Stichwort lautet Data Mining: Big Data wird nach bestimmten Aspekten analysiert und über Algorithmen in neue Verbindungen gebracht, um so erstaunliche Erkenntnisse zu gewinnen. Etwa darüber, was den Kunden momentan interessiert oder was er morgen kaufen möchte. Und Daten gibt es mehr als ausreichend – wie wir nicht erst seit Edward Snowdens Enthüllung wissen. Oft ist der gläserne Kunde schon Realität.

Die Vorteile einer umfassenden Kundendatenanalyse liegen auf der Hand: Unternehmen können dadurch gezielt Werbung platzieren und so den Kunden frühzeitig an sich binden – etwa mit Rabattaktionen für bestimmte Schwangerschafts- oder Babyartikel oder eCoupons . Die Einlösung wiederum ergibt weitere lukrative Informationen. Auch beim Internet-Surfen ist über Cookies eine spezifische Auswertung möglich. Vorausschauende Analysetools leiten aus diesem Datenwust intelligente Korrelationen ab und sagen mit hoher Präzision künftige Käufe voraus. Die Produktempfehlung beim Versandriesen Amazon sind dafür ein passendes Beispiel.

Analysen allerorten

Das Vorgehen beschränkt sich aber längst nicht nur auf den Einzelhandel. Auch im Finanzsektor ist ein solches Vorgehen möglich, wie das Beispiel der Commerzbank zeigt: Über intelligente Datenauswertung will die Bank ihren Kunden künftig individuell passgenaue Angebote vorschlagen.

Unternehmen können über Data Mining bereits heute ermitteln, welche Produkte wir morgen benötigen – noch bevor wir selbst überhaupt davon wissen. Der amerikanische Sportartikelhersteller Under Armour beispielsweise bietet seinen fitnessbegeisterten Kunden Apps, mit denen diese ihre Performance aufzeichnen und verfolgen können. Der Vorteil für das Unternehmen: Einblicke in Trainings- und Essverhalten geben Aufschluss in die individuellen Kundenbedürfnisse. Etwa, wann dieser einen neuen Laufschuh benötigt, welche Sportart er ausübt oder für welches Wetter seine Kleidung geeignet sein sollte.

Das ist aber erst der Anfang. Denn das Online-Verhalten von Kunden, ihre Facebook-Freunde, aber auch sportlichen Aktivitäten, Wohnort, Bewegung des Autos oder die aktuelle Wetterlage, können – in die richtige Relation gebracht – noch weit mehr verraten als das aktuell gewünschte Produkt, ob sie Nachwuchs erwarten oder ein Haus kaufen wollen. Über Data Mining erreicht die Vorhersagbarkeit unseres Handelns unvorstellbare Ausmaße . Dabei werden wenig aussagekräftig erscheinende Informationen so miteinander kombiniert, dass daraus neue Erkenntnisse generiert werden können – etwa welche Produkte lieber gekauft werden als andere, wie viel Geld zur Verfügung steht, sozialer Status, oft besuchte Orte und sogar mögliche Krankheiten. Dieser Fakt wird unsere Zukunft maßgeblich mitgestalten.

Schöne neue Welt?

Die Chancen sind groß: nicht nur für Handel, Landwirtschaft, Politik, Verkehr oder Gesundheitswesen, sondern für sämtliche Lebensbereiche. Doch so aufschlussreich die Daten auch sein können, so kritisch ist der Umgang mit denselben. Es bleibt also weiterhin spannend – auch in Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit.

Wie Big Data unsere Zukunft beeinflussen könnte und welche Trends sich in diesem Zusammenhang abzeichnen, ist auch Thema auf der diesjährigen CeBIT. Auf den CeBIT Global Conferences etwa diskutieren namhafte Experten mögliche Zukunftsszenarien im Hinblick auf Big Data und Datensicherheit. In vielen weiteren Panels, Diskussionen und Ausstellungsbereichen wird der Umgang mit den Datenmassen ebenfalls im Fokus stehen.

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