Wegweiser Mittelstand

Aspekt 9: Wertschöpfung

Im Kontext der Digitalisierung ist es sinnvoll, für sich den Begriff Wertschöpfung neu zu definieren.

09.03.2017

Wertschöpfung verändert sich

KMU Roadmap Aspekt 9 Wertschöpfung Digitalisierung

Arbeit, Rohstoffe und Kapital galten in der traditionellen Industriegesellschaft als die wichtigsten Wertschöpfungsfaktoren. Heute kommen die Faktoren Daten und Wissen sowie deren digitale Vernetzung hinzu. Die Digitalisierung sorgt dafür, dass Wertschöpfung im lückenlosen Zusammenspiel unternehmensinterner und unternehmensexterner Wertschöpfungspartner von einem statischen zu einem dynamischen Prozess wird, der sich an wechselnde Rahmenbedingungen anpassen lässt bzw. automatisch anpasst.

Innovation als Treiber verstehen

Wenn Sie nun die Digitalisierung zur Erfolgsgeschichte in Ihrem Geschäft machen wollen, dann sollten Sie nicht primär die dafür gewiss nötige Technik zum Treiber machen. Der Treiber muss die Innovation an sich sein, die mit der Technik möglich und durch die Digitalisierung nötig wird.

Über Innovation, beispielsweise durch die digitale Weiterentwicklung der Beziehungen zu Ihren Geschäftspartnern und Kunden, durch digital gestützte Geschäftsabläufe und durch die Art, wie Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen in Zukunft digital planen, erzeugen, vermarkten und "ausrollen", können Sie den Begriff Wertschöpfung für sich neu definieren.

Wertschöpfung neu definieren

Die Digitalisierung löst Unternehmens-, Branchen- und somit auch Wertschöpfungsgrenzen auf. Gemeinsame Projekte zwischen (einstigen) Branchenkonkurrenten sind mehr und mehr gang und gäbe. Wettbewerber werden zu (temporären) Partnern, um gemeinsame Interessen mit unternehmensübergreifenden, digital modellierten Wertschöpfungsketten zu etablieren.

Beispielsweise nutzen Autokonzerne gemeinsame Motoren- und Chassisentwicklungen für die Erweiterung der Modellvielfalt und die Implementierung neuer Technologien. So werden Kompetenzen synergetisch gebündelt, um neuen, auch branchenfremden Marktteilnehmern Paroli bieten zu können. Mittelständische Markenhersteller entwickeln, ergänzend zu ihren stationären Handelsstrukturen, gemeinsame Plattformen im Internet, um sich gegen die internationale E-Commerce-Übermacht wehren zu können. Lokal agierende Handwerksunternehmen bündeln ihre Kompetenzen und arbeiten auf gemeinsamen, auch onlinebasierten Projektplattformen zusammen, um mit ihrem hohen Qualitätsanspruch im Wettbewerb gegen "Full-Service-Dienstleister" antreten zu können.

Ergo: Wenn Sie zum Beispiel Markt- und Branchenwissen zweckgebunden mit (potenziellen) Partnern und Kunden digital teilen, können Sie in Zeiten der Digitalisierung und des allgegenwärtigen Internets die Wertschöpfungskette Ihres Unternehmens erweitern und so einen Erfolgsfaktor hinzugewinnen. In solchen interessengesteuerten und – das ist der neue Aspekt – stark digital organisierten und daher dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken werden Kommunikation und Austausch von Wissen und Daten schnell und unkompliziert funktionieren – je nach Anforderung auch automatisiert. Und: Arbeit wird, noch stärker als in unserer Industriegesellschaft ohnehin üblich und nötig, ge- und verteilt.

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Daten, Informationen und Wissen sind Gold wert. Das gilt insbesondere für die großen Unternehmen und Konzerne. Heute sind aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen auf diese Wertschöpfungsfaktoren in hoher Qualität angewiesen, auch um die Produktivitätsfaktoren weiter zu verbessern. Produktivität messen heißt nämlich nicht mehr "nur" die Zählung produzierter Stücke oder abgearbeiteter "Geschäftsfälle". Wenn also beispielsweise das Internet "das Geld verdienen" soll, sprich, sich ein digitales Produkt oder eine Dienstleistung im Webshop oder via Konfigurator selbst verkaufen muss, dann kondensieren sich alle dafür entstandenen Kosten zunächst im ersten verkaufsfertigen Exemplar bzw. im ersten generierten Auftrag.

Um die Kosten für das erste verkaufte "Exemplar" möglichst niedrig zu halten, um also schnell Profit zu generieren, ist es nun wichtig, mithilfe digitaler Systeme Zugriff auf möglichst große Mengen interner und externer Daten hoher Güte über Produktionsprozesse, Lieferanten und Kunden zu bekommen und auszuwerten.

Das Ziel ist, Marktentwicklungen möglichst genau vorherzusagen, Bedarfe genau zu ermitteln, Beschaffung und Logistik effektiv zu organisieren, überhaupt Geschäftsabläufe aller Art weitestgehend zu optimieren, wenn möglich zu automatisieren. Damit wird das gute alte Bauchgefühl obsolet!

Fazit

Wenn Sie einzelne Schritte der Wertschöpfung digital vernetzen, dann können Sie beispielsweise Veredelungs- und Weiterverarbeitungsprozesse und damit zusammenhängende Logistikketten optimieren. Das führt zu beschleunigter Produktion und vermindert zeitliche Brüche.

Nicht zuletzt lassen sich zusätzlich durch die konsequente Digitalisierung des Wissens auch spezifische Kundenbedürfnisse feiner auflösen und durch ergänzende (digitale) Services präziser erfüllen. Somit können Sie neuartige, auf Digitalisierung basierende Produkte bzw. Dienstleistungen in Ihre Wertschöpfung implementieren.

Anhand der folgenden Punkte können Sie überprüfen, inwieweit Sie den Begriff Wertschöpfung im Kontext der Digitalisierung für Ihr Unternehmen bereits neu definiert haben.

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