Auf dem Weg zur Smart City

Anonymisierte Daten des Mobildfunks machen Verkehrsplanung einfacher

In einer echten Smart City fließt der Verkehr und staut sich nicht. Für viele Städte und Gemeinden steht eine intelligente Verkehrsplanung und damit eine Entlastung vom Verkehrskollaps ganz oben auf der Agenda. Doch für eine vernünftige Verkehrsplanung bedarf es zunächst einer genauen Analyse der Ist-Zustände. Mobilfunkdaten helfen dabei.

13.03.2017
Smart City Verkehrsplanung IoT

Hannover. Schon heute versuchen viele Städte, ihre Ampeln sinnvoll aufeinander abzustimmen. "Verkehrsabhängige Steuerung mit Detektoren in den Zufahrten ist inzwischen der Stand der Technik", sagt Martin Schmotz, der an der TU Dresden (Halle 6, Stand B24) zum Thema Verkehrsplanung forscht. Einen Schritt weiter geht die intelligente, adaptive Steuerung. Hier analysieren lernende Algorithmen historische Verkehrsdaten und versuchen, Muster darin zu erkennen. "Auf dieser Datenbasis erstellen sie Kurzzeitprognosen und passen sich im Vorhinein auf die kommenden Situationen an", erklärt Schmotz.

Mobilfunkdaten sind ständig verfügbar

Die Herausforderung dabei sind die Daten, auf denen die Berechnungen fußen. "Die Erfassung des verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsverhaltens in Städten ist ein komplexes Unterfangen", erklärt Prof. Anette Weisbecker, stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer IAO (Halle 6, Stand B36). Die heutige Verkehrsplanung beruht zu einem großen Teil auf manuellen Erhebungen in Form von Befragungen. Diese sind jedoch aufwendig und teuer. Zusammen mit dem Telekommunikationsanbieter Telefónica (Halle 12, Stand D49) hat das Fraunhofer IAO daher eine Untersuchung gestartet, bei der die Mobilfunkdaten von Kunden innerhalb bestimmter Gebiete ausgewertet und in Relation zu den Verkehrsbewegung gesetzt werden. "Gerade in urbanen Gebieten stehen wir im Bereich der Verkehrsplanung vor großen Herausforderungen. Digitale Lösungen können – richtig eingesetzt – einen wichtigen Beitrag zum Wohl aller leisten. Der dafür nötige Datenschatz muss gehoben werden. Wir freuen uns sehr, dass eines der führenden Forschungsinstitute das Potenzial von Mobilfunkdaten bestätigt hat. Das gibt uns wichtige Impulse für weitere Projekte im Bereich der smarten Analyse anonymer Daten", sagt Florian Marquart, Geschäftsführer Telefónica NEXT für das Kompetenzfeld Advanced Data Analytics.

Beim einem Pilotprojekt in Stuttgart stellte sich heraus: "Die Daten sind zeitlich und räumlich hochaufgelöst vorhanden und ermöglichen neue Einblicke in die Einflussfaktoren des urbanen Verkehrs", sagt Anette Weisbecker. Die erfassten Daten werden vor der Auswertung anonymisiert, sodass kein Zusammenhang mit den Kunden hergestellt werden kann. Wohl aber geht aus den gesammelten Informationen hervor, welche Verkehrsmittel die Teilnehmer nutzen – so werden etwa auch Fußgänger und Radfahrer erfasst – und welche Wege die Handynutzer einschlagen.

Mobilfunkanalyse steuert Verkehrsfluss

Der große Vorteil der Mobilfunkanalyse: Die Daten müssen nicht aufwendig ermittelt werden, sondern stehen praktisch als Nebenprodukt der Netzversorgung rund um die Uhr zum Abruf bereit. Kurzfristig dienen die Daten der Mobilfunkbetreiber dazu, bestehende Verkehrsmodelle zu prüfen und zu ergänzen. Mittelfristig lassen sich mit Hilfe spezieller Algorithmen und Modelle bessere Mobilitätssysteme planen und neue Erkenntnisse ableiten, etwa für den Personennahverkehr: "Mithilfe der Mobilfunkdaten wäre es möglich, kontinuierliche Informationen zur allgemeinen Verkehrsnachfrage zu gewinnen. Damit könnten wir unsere eigenen manuellen Verkehrserhebungen, die wir in größeren Abständen durchführen, ergänzen. Ein Vorteil dabei wäre, dass wir Kosten für punktuelle Erhebungen – beispielsweise bei bestimmten Ereignissen – einsparen könnten", sagt Thomas Hachenberger, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart. Für die Mobilfunknutzer hat die Auswertung übrigens keinerlei Auswirkungen – wenn man von einem zukünftig besseren Nahverkehrsplan absieht.

Alles ist online: 50 Milliarden Geräte werden bis 2020 vernetzt sein – unzählige neue Anwendungen, Geschäftsideen und Chancen entstehen. Viele von ihnen sind auf der CeBIT zu sehen: Erste Anlaufstellen hierfür sind auf der CeBIT die Bereiche Internet of Things und Communication & Networks .

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