Digital Health

Algorithmen im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Eine Kooperation von Bioinformatikern der Saarland-Uni und der Curetis GmbH greift auf umfangreiche Gendatenbank zu, um Antibiotika-Resistenzen schneller und präziser vorhersagen zu können. Aktuelle Schnelltests und einen Ausblick auf die Zukunft präsentieren sie jetzt auf der CeBIT in Hannover.

17.03.2017
Vorhersage Antibiotika-Resistenz Forschung Digital Health

Ellwangen in Baden-Württemberg hat zirka 25 000 Einwohner. Ebenso viele Menschen sterben jedes Jahr allein in der Europäischen Union an Antibiotika-resistenten und damit schwer behandelbaren Bakterien. Und so stellt sich nicht erst seit heute die Frage, wie man dieser bedrückenden Situation Herr werden kann. Zwar existieren bereits Diagnoseverfahren, um solche Resistenzen vorab zu erkennen, diese sind jedoch sehr zeitaufwändig. Forscher des Zentrums für Bioinformatik an der Universität des Saarlandes kooperieren daher mit dem Diagnostikentwickler Curetis, um gefährliche Resistenzen zukünftig schneller aufzudecken. Ihr Pfund, mit dem sie wuchern können: eine umfassende Gendatenbank und leistungsfähige Algorithmen. Die bereits von ihnen entwickelten Schnelltests und einen Ausblick auf die Zukunft präsentieren Curetis und die Saarbrücker Forscher auf der CeBIT 2017 in Hannover.

Ziel der Kooperation ist es, Resistenzen nicht nur schneller, sondern auch umfänglicher aufzudecken. "Das ist ein gigantisches Puzzle", so Andreas Keller, Professor für Klinische Bioinformatik in Saarbrücken. Er rechnet vor, dass die bisher untersuchte Datenmenge knapp 500 000 Bibeln entspricht. Seine Algorithmen und erste Ergebnisse geben ihm Zuversicht: "Wir können die Resistenzen bereits zu 85 Prozent vorhersagen", so Keller. Grundlage dieses gigantischen Puzzles ist GEAR, eine Gendatenbank, die Curetis 2016 erworben hat. In ihr sind rund 11 000 Bakterienstämme und Reaktionsmuster zu 21 Antibiotika, die in den vergangenen drei Jahrzehnten aus Patientenproben rund um den Globus isoliert wurden, enthalten. Und da sich Resistenzen gegen alte und neue Antibiotika ständig weiter entwickeln, soll auch die GEAR-Datenbank diese Dynamik aufnehmen. "Antibiotika-Resistenz ist eines der drängendsten Probleme der Gesundheitsversorgung weltweit und muss koordiniert angegangen werden. Wir beabsichtigen, GEAR im Schulterschluss zwischen akademischer Forschung, öffentlichem Gesundheitswesen und Industrie zu einer gemeinsamen Forschungsplattform für Antibiotika-Resistenzen auszubauen", so Achim Plum, Chief Commercial Officer von Curetis.

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