Startups

Agil, schnell, innovativ – doch woher kommt das Geld?

Mit Begeisterung, kreativen Ideen und Gründergeist wollen Startups etwas bewegen. Wenn aber die Bank keinen Kredit bewilligt, können Accelerator-Programme oder Inkubatoren eine Alternative sein: eine Finanzierung mit Praxisbezug.

07.03.2016
SEO Start-ups_Accelerator_shutterstock_343071545

Für junge Gründer gibt es Förderungen wie Sand am Meer. Doch wo findet man die Unterstützung, die zu Idee und Team passt? Bund und Länder bieten zahlreiche Förderprogramme wie etwa das EXIST-Gründerstipendium oder das Startgeld der KfW . Inzwischen entdecken aber auch immer mehr Unternehmen den Markt und wollen gute Ideen und innovative Geschäftsmodelle fördern. Und zwar nicht nur monetär, sondern zusätzlich mit Know-how und Beratung.

Die so genannten Accelerator- und Inkubatoren-Programme sind darauf ausgelegt, dass beide Seiten profitieren: Startup und Konzern. Sie richten sich an Gründer, die meist ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehen. In einem festgelegten Zeitraum soll der Geschäftsidee Auftrieb verliehen werden. Im Idealfall bis zur Marktreife.

Bosch Car Multimedia: Startups gesucht

Zu diesem Zweck hat Bosch Car Multimedia eine Tochterfirma gegründet, die BeYond GmbH. Das Team um Geschäftsführer Arif Hatip möchte eine strategische Partnerschaft mit den Startups eingehen. "Kurzfristige Beschleunigungen von sechs bis zwölf Wochen sind für uns nicht zielführend", sagt er. "Mit unserem Inkubator-Programm möchten wir junge Gründer dabei unterstützen, mit einer überzeugenden und tragfähigen Idee nachhaltig erfolgreich zu sein. Deshalb kann unser Modell über drei Meilensteine bis zu drei Jahre oder auch länger dauern." BeYond möchte eine Brücke zwischen Startups und Konzernen schlagen. Etwa durch die Zusammenarbeit mit Bosch Car Multimedia oder einem Kunden aus dem Automotive-Bereich. "Nur wenige Gründer kennen die hohen Anforderungen, die Automobilhersteller an Lösungen stellen, die sie später in ihre Fahrzeuge implementieren", erklärt Hatip. "Für Startups und Gründungen am Standort von Bosch Car Multimedia arbeiten wir zudem mit dem Land Niedersachsen - über die NBank - und dem Landkreis Hildesheim in enger Kooperation zusammen."

Vor allem thematisch muss es passen. Infotainment hat sich im Automotive-Bereich in den vergangenen Jahren stark verändert. Hier will Bosch Car Multimedia neue Wege gehen und deshalb gezielt Innovationen fördern, die sich um Infotainment und Instrumentierung, Smart Mobility, Mensch-Maschine-Interaktion, Data Analytics und cloudbasierte Dienste drehen. "Wir sind kein klassischer Venture-Capitalist, sondern stellen ein ganzes Paket zusammen: inhaltliche Beratung und enge Zusammenarbeit, Kapital und Infrastruktur", erläutert Hatip den Unterschied zu anderen Programmen. "Wir geben aussichtsreichen Gründern die Chance, ihre Idee gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und sie dann erfolgreich am Markt zu platzieren." Die ersten Startups sollen in diesem Jahr bereits ins Portfolio aufgenommen werden.

Digitale Geschäftsmodelle für die DB

Als "Beschleuniger" sieht sich eher die mindbox der Deutschen Bahn. "Mit unserem Programm möchten wir die Agilität und Innovationskraft junger Gründer mit der Kompetenz der Bahn verbinden und so etwas Neues entwickeln", erklärt Onno Szillis, Leiter Ressortstrategie und Programme der Deutschen Bahn. "Die Bahn soll digitaler werden." Dazu beitragen sollen das Accelerator-Programm, eine Open-Data-Initiative und die enge Zusammenarbeit mit Entwicklern und Kreativen in der DB-Location. Im Juni vergangenen Jahres startete der erste Accelerator, im Januar zogen die ersten Startups in die mindbox mitten in Berlin: 700 Quadratmeter im umgebauten S-Bahnhof Jannowitzbrücke.

"In der ersten Phase bieten wir neben der tollen Location, einem externen Coach und einem DB-Paten auch eine Anschubfinanzierung von 25.000 Euro", erzählt Szillis, der die DB mindbox betreut. "Nach drei Monaten arbeiten wir mit den überzeugendsten Ideen weiter. Ziel ist hier die Marktreife. In Phase drei prüfen wir dann eine Beteiligung - vom Lieferanten über die gemeinsame Produktentwicklung bis hin zum Joint-Venture können wir uns alles vorstellen." Die Entscheidung fällt von Fall zu Fall.

Mit Praxiserfolg punkten

Bislang sollten sich die Ideen rund um Infrastrukturthemen drehen. Ab diesem Jahr sind auch Gründer gefragt, die sich mit Mobilität und Logistik im weitesten Sinne beschäftigen. Im Vergleich zu Investoren haben sie beim Accelerator der Deutschen Bahn den Vorteil, in der Praxis zu testen, wie ihre Idee ankommt. Und können in der nächsten Finanzierungsrunde bereits einen großen Kunden vorweisen, bei dem ihre Lösung funktioniert hat.

Die Deutsche Bahn ist auch auf der SCALE11 , der Gründermesse der CeBIT, in Halle 11, Stand F37 vertreten. Auf dieser Plattform haben Startups bei den Speeddating-Sessions und dem Captains‘ Dinner die Chance, wertvolle Kontakte mit Unternehmen zu knüpfen. Und ihren Businessplan im Startup-Pitch vorzustellen.

Startups RSS Feed abonnieren