Social Media

500 Euro pro Facebook-Profil?

Mehr als 25 Millionen Deutsche sind jeden Monat allein auf Facebook aktiv. Social Media genießt die höchsten Vertrauenswerte in Sachen Empfehlungsmarketing. Dennoch scheuen viele Unternehmen noch immer den Schritt in die soziale Präsenz. Zu unrecht.

20.03.2015
500 Euro pro Facbook-Profil?
Bildnachweis: maxpro/Shutterstock.com

Wie viel Wert wäre Ihnen der Verzicht auf Ihr Facebook-Profil? Den rund 1.000 Teilnehmern einer Befragung des Statistik-Portals "Statista" bedeutet ihr Social-Media-Profil offenbar viel: Fast 60 Prozent der Befragten würden ihre Online-Präsenz erst ab einem Kaufpreis von 500 Euro löschen. Das soziale Netzwerk ist aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. 25 Millionen Deutsche loggen sich monatlich ein, um sich mit Freunden, Verwandten und Bekannten auszutauschen oder Neues von ihren Lieblingsmarken zu erfahren.

Dabei ist Deutschland in Sachen Social Media noch konservativ: Gerade mal die Hälfte der Internetnutzer im Land ist in sozialen Netzwerken unterwegs. In den Vereinigten Staaten sind es drei Viertel, beim Spitzenreiter des "Consumer Barometers" von Google, der Türkei, sind 92 Prozent der Onliner auch vernetzt.

Großes Vertrauen in Empfehlungen

Nach einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) führen selbst im Jahr 2014 immer noch 56 % aller Unternehmen keinerlei Social-Media-Aktivitäten durch. Damit verlieren sie automatisch einen der wichtigsten Bezugspunkte ihrer potenziellen oder tatsächlichen Kunden. Ein Fehler, denn kaum ein anderes Medium genießt ein derart hohes Vertrauen in Bezug auf Empfehlungsmarketing. Getreu dem Gedanken "Was Freunde und Bekannte im Social Web gut finden, kann gar nicht so schlecht sein", stehen User einem empfohlenen Produkt oder einer Dienstleistung oft wesentlich offener gegenüber.

Für Unternehmen bietet Social Media zudem eine direkte Verbindung zu Nutzern und Interessenten, die sich – bewusst oder unbewusst – als Multiplikator zur Verfügung stellen. Jeder Klick auf "Gefällt mir", jeder Re-Tweet, jeder Kommentar, erreicht sofort viele andere Nutzer. Facebook-Mitglieder sind durchschnittlich mit 200 bis 300 anderen Nutzern befreundet, Twitter-Nachrichten bekommen im Schnitt rund 200 Follower zu sehen, zumindest theoretisch. Der große Vorteil dabei: Die persönliche Verbindung schafft Nähe und Vertrauen, die das Unternehmen selbst niemals herstellen könnte.

Angst vor Shitstorms unbegründet

Was im Positiven gilt, funktioniert jedoch auch im Negativen. Ein kritischer Post oder eine öffentlich formulierte Beschwerde breitet sich meist sogar schneller aus, als Lob oder ein positiver Kommentar. Eine mögliche Folge: der Shitstorm. Nur:

"Es gibt bislang keine substantiellen Analysen über die harte Auswirkung von Shitstorms auf Umsätze. Im Social Media Buzz wird die Wirkung mit Sicherheit übertrieben."
Achim Himmelreich, Uternehmensberatung Mücke, Sturm & Company

Die große Angst davor, vor allem im Mittelstand, ist daher weitgehend unbegründet.

Dramatischer kann sich ein negatives Bild vom Unternehmen in den sozialen Medien auf das Recruiting auswirken. Rund 40 Prozent der Bewerber nutzen laut einer Untersuchung des Personaldienstleisters Adecco soziale Netzwerke zur Jobsuche, allen voran Xing und Facebook. Einer der wichtigsten Gründe (29 Prozent) dafür ist das Interesse, was andere über bestimmte Unternehmen sagen. Stellt sich dabei beispielsweise heraus, dass die Kommunikation einseitig verläuft, also etwa dass User keine Reaktion auf Beschwerden erhalten, kann das die Meinung von einer Marke nachhaltig beschädigen.

Der richtige Mix macht's

Eva Zils, Beraterin für Online-Recruiting-Strategien und Autorin der "Social Media Recruiting Studie 2014", beschwichtigt: "Der Erfolg bei der Stellenbesetzung anhand von Social Media ist mittelmäßig: Die meisten Unternehmen haben – wenn überhaupt – im vergangenen Jahr eine bis fünf Stellen über diese Kanäle besetzen können."

Als Ursache dafür sieht sie vor allem die Finanzierung. "Da Recruitern nach wie vor kaum Budget für Social Media Recruiting zur Verfügung gestellt wird, sind die schwachen Ergebnisse keine Überraschung." Als Teil des Recruiting-Mix hat Social Recruiting aber durchaus seine Berechtigung.

Und: Social Media steht zumindest bei den großen Unternehmen weit oben auf der Agenda. Laut einer Analyse von Forrester Research planen etwa drei Viertel der befragten Unternehmen, ihr Personal im Bereich Social Marketing deutlich auszubauen. Auch im internen Einsatz haben Social-Media-Plattformen ihre Berechtigung – etwa in kreativen Kooperationsprozessen oder zum Wissensmanagement. Dafür eignen sich Wikis, Blogs, Foren oder virtuelle Projekträume. Stichwort: Enterprise 2.0.

Auf der CeBIT steht das Thema Social Media weiterhin im Fokus. Fachvorträge, Diskussionsrunden und Workshops bieten zusätzlich zum umfangreichen Aussteller-Angebot einen Überblick über die Möglichkeiten und Chancen der Sozialen Netzwerke für Unternehmen.

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