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3-D-Drucker retten Vögel

Ob Schnabel-Prothese oder Fertighaus: Mit modernen 3-D-Druckern können entstellte Zoovögel gerettet und günstige Häuser für einkommensschwache Familien gebaut werden. Auf der CeBIT 2015 zeigen Aussteller, was mittlerweile möglich ist.

12.11.2015
3_d_drucker

Grecia kann sich freuen. Zwar wurde dem Jungvogel der obere Teil seines Schnabels abgeschlagen. Doch haben bereits vier Unternehmen ihre Hilfe angeboten, dem geschundenen Tier zu helfen. Was war passiert? Grecia, Tukan aus dem Zoo Ave der costa-ricanischen Hauptstadt San José befand sich wie gewohnt in seinem Gehege, als zwei junge Männer mit Stöcken bewaffnet auf das Tier einschlugen. Daraufhin verlor Grecia den oberen bunt gemusterten Teil ihres Schnabels. Da sich der südamerikanische Spechtvogel hauptsächlich von Früchten ernährt, ein ernstes Problem. Eine gewaltige Welle der Solidarität zeigt jetzt seine Wirkung. Design-Unternehmen haben ihre Hilfe angekündigt und wollen eine Prothese herstellen – aus dem 3-D-Drucker. "Wir haben bereits mehrere Schnäbel von toten Tukanen gescannt und erste Modelle entworfen", sagt Mariela Fonseca vom Unternehmen Elementos 3D.

Hausbau in sechs Tagen

3-D-Drucker haben sich seit dem ersten Patent 1986 massiv weiter entwickelt. Anwender aus den Bereichen Kunst, Industrie, Architektur oder Medizin verwenden die Technik zur Prototypen- und sogar Serienfertigung. Ein beeindruckendes Projekt startet gerade in Peking. Das Unternehmen WinSun druckt Fertighäuser. In einem Industriepark im ostchinesischen Suzhou entstand so eine zweistöckige Villa mit insgesamt 1.100 Quadratmeter Wohnfläche. Es ist das bislang größte Objekt aus einem 3-D-Drucker. "Für ein Haus aus echtem Stein müssen Bergarbeiter mühselig die Steinblöcke freiklopfen und sie zur Baustelle schleppen", sagt Firmenchef Ma Yihe. "Mit dem 3-D-Drucker verwerten wir Bauschutt wieder. Das ist schnell und günstig." Der Drucker ist rund sechs Meter hoch und hat ein Druckbrett von mehr als 350 Quadratmetern. Der gesamte Prozess dauert gerade mal einen Tag. Weitere fünf der Zusammenbau. Weil sich so viel Zeit und Material einsparen lassen, kostet ein entsprechendes Haus nur 5.000 Euro. Das Modell macht bereits Schule: I n Amsterdam will das Architekturbüro DUS jetzt ein traditionelles Grachtenhaus ausdrucken.

Das Neueste vom 3-D-Druck auf der CeBIT

Dass es auch in kleinerem Rahmen geht, zeigt das US-amerikanische Unternehmen Formlabs. Ihr Form 1+ bietet hochauflösenden 3-D-Druck in Schreibtischgröße. Ob Armbanduhr, Zahnprothese oder ein komplettes Schachset: Innerhalb weniger Stunden lässt sich praktisch alles drucken, was über eine bestimmte Größe nicht hinausgeht. 12,5 mal 12,5 mal 16,5 Zentimeter sind die Maße. Grecias Schnabel wäre damit kein Problem, eine chinesische Villa schon. Formlabs geht es aber um mehr.

"Unsere Kunden sind Designer, Forscher oder Startup-Unternehmer. Wir wollen zeigen, wie praxistauglich 3-D-Druck mittlerweile ist",
sagt Sara Bonomi von Formlabs Europe.

Mit rund 3.000 Euro für ein Startpaket gehören sie zudem zu den preiswertesten Anbietern. Ihren Drucker finden CeBIT-Besucher in Halle 12, Stand B77. Doch die Konkurrenz schläft nicht. So kommen Anbieter von 3-D-Druckverfahren aus aller Welt auf die CeBIT 2015 nach Hannover. Darunter viele Produkte, die möglicherweise schon bald den Weg in den Alltag finden.

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