Unmanned Systems & Drones

2017 – das Jahr der kommerziellen Drohne

Auf den Hype um die Consumer-Drohne folgt der Siegeszug der Multicopter in der Wirtschaft. Ihre Fähigkeiten wachsen so schnell wie die Einsatzgebiete.

28.02.2017
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Sie spüren Erdbebenopfer auf, bekämpfen Brände, begutachten Schäden in der Landwirtschaft und führen Inventuren von Waldflächen durch. Drohnen erschließen sich immer neue Einsatzfelder. Einer Prognose von PricewaterhouseCoopers LLP zufolge könnte der globale Markt für kommerzielle Drohnen bis 2020 einen Wert von 115 Millionen Euro erreichen. Dass große Konzerne diese Erwartung teilen, zeigen die Drohnenaktivitäten von beispielsweise Amazon, DHL oder Airbus.

Auch Intel setzt auf die unbemannten Fluggeräte. Gleich zwei deutsche Drohnenhersteller (MAVinci & Ascending Technologies) hat der Chip-Riese in den letzten Monaten übernommen. MAVinci aus St. Leon-Rot produziert Vermessungsdrohnen samt Software. Der bayerische Multirotor-Drohnen-Spezialist Ascending Technologies (AscTec) ist stark in der Öl-, Gas- und Energiewirtschaft vertreten. Gemeinsam mit Intel hat AscTec zuletzt den Falcon 8+ Quadrocopter entwickelt. Matthias Beldzik, Manager bei Intel Deutschland, sieht in Drohnen "quasi fliegende Computer, die intelligent und vernetzt sind und dem mooreschen Gesetz folgen". Das heißt: Ihre Fähigkeiten müssten immer vielfältiger, sie selbst aber immer kleiner werden. "Drohnen werden daher eine der großen Computing-Plattformen der Zukunft sein und ganz neue Innovationsräume öffnen", so Beldzik in einem Interview mit Gründerszene.de. "2016 war das Jahr der Consumer-Drohne", sagt der Intel-Manager. "In Zukunft werden wir verstärkt Entwicklungen im Bereich der kommerziellen Drohnen sehen."

Gigantisches Business-Potenzial

"Drohnen und unbemannte Systeme zu Lande und zu Wasser haben ein unglaublich großes Business-Potenzial", bestätigt Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG. Die CeBIT baut das Themenfeld deshalb deutlich aus. "Nach der erfolgreichen Premiere 2016 haben wir mit dem Schwerpunkt Unmanned Systems & Solutions ein internationales Top-Event für Technologien und Lösungen rund um unbemannte Systeme geschaffen", erklärt der Messe-Veranstalter. Rund 100.000 Besucher interessierten sich 2016 für das Angebot. "Und Unmanned Systems & Solutions wird auch 2017 ein Besuchermagnet", erwartet Oliver Frese. Der CeBIT-Schwerpunkt in Halle 17 besteht aus einer Ausstellung, einer Flugshow und einer Konferenz. Im Zentrum stehen Business-Anwendungen, die aktuell von Logistik und Vermessungstechnik über Land- und Forstwirtschaft, Polizei und Feuerwehr bis zu Handel und Medizin reichen. Zukunftsfelder, die die Konferenz beleuchtet, sind das Internet of Things, Big-Data-Anwendungen, Kommunikations- und Infrastrukturlösungen sowie Forschung und Entwicklung.

Der chinesische Hersteller Yuneec (Halle 17, Stand A54), hat als Absatzmarkt vor allem die Notrettung im Auge. In 15 Jahren hat sich die Firma mit ferngesteuerten Flugmodellen und Ultraleichtflugzeugen einen Namen gemacht. Inzwischen helfen die kamerabestückten Quadrocopter von Yuneec Feuerwehr, Noteinsatzkräften, Küstenwache und der Polizei, Überblick zu gewinnen und Hindernisse zu überwinden. Yuneecs "Typhoon H" gilt als einer der besten Flugroboter. Er kann Hindernisse erkennen und ihnen selbstständig ausweichen.

Die Märkte von morgen erschließen

Die Globe UAV GmbH (Halle 17, Stand E26) aus Delbrück nutzt für ihre Drohne "GUAV8" keine klassische Fernbedienung, sondern Computer, Tastatur, Maus und das Mobilfunknetz. In einem Aktionsradius von 30 km und einer Flugzeit von bis zu 60 Minuten liefert die Drohne Luftbilder und Umweltdaten in Echtzeit. Ein effizientes Arbeiten mit dem System erlaubt dem Operator unter anderem das Übertragen der Videodaten an weitere mobile Endgeräte (z.B. bei einem Einsatz der Polizei).
Dank Nachtsichtfunktion ist die Drohne auch im Dunkeln einsetzbar – etwa zur Observierung oder Verfolgung. Den Einsatzkräften wird damit ein zusätzliches Werkzeug geboten, Tätern zu folgen.

Zum Erkennen defekter Solarpanels und heiß gelaufener Windanlagengeneratoren oder zum Aufspüren vermisster Personen dient die Thermalkamera. Auch bei der Wartung von Industrieanlagen, Pipelines und Stromtrassen, Forst- und Agrarflächen sind Drohnen von Globe UAV einsetzbar.

Spectair (Halle 17, Stand C08) sieht sich als "Pionier der Flugroboterbranche". Seit 2012 unterstützt der Dienstleister aus Meerbusch Kunden von der Projektplanung über die professionelle Steuerung von Drohnen bis hin zur Aufbereitung von Rohdaten aus Luftaufnahmen. Spectair bietet Sensor- und Kameratechnik zu Zwecken der Inspektion, Kartierung und Vermessung, zum Vegetations- und Umweltmonitoring sowie für Film- und Fotoproduktionen an. Spectairs Ziel ist es, "der weltweit führende Anbieter von Drohnendienstleistungen" und Marktführer bei der Ausbildung professioneller Drohnenpiloten zu werden.

Neben Fluggeräten in Aktion sind in Halle 17 auch Lösungen für die Entwicklung und den Betrieb unbemannter Systeme zu sehen. Ein Beispiel dafür liefert die junge Hamburger Firma Flynex (Partner des BUVUS für die Konferenz; Stand C08). Sie entwickelt professionelle Air-Control- und UAV-Management-Software und kombiniert sie mit interaktiven Tools, "um dem Online-Business Märkte von morgen zu erschließen". Der "Pixhawk" etwa ist ein vom PX4 Open Hardware Project entwickeltes Autopilotensystem. Von 3D Robotics produziert, verfügt der Pixhawk über neueste Prozessor- und Sensortechnologie von ST Microelectronics® und ein NuttX-Echtzeit-Betriebssystem für die Steuerung autonomer Fahrzeuge. Erste Use Cases kann Flynex aus der Thermografie von Photovoltaikanlagen, der Kraftwerksinspektion oder der Kartierung von Gewerbeflächen auf die CeBIT mitbringen.

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